Geburtshindernis durch Lage-, Haltungs- und Einstellungsanomalien des Fetus
Für einen möglichst reibungslosen Ablauf der Geburt ist es günstig, wenn sich das ungeborene Kind kurz vor der Geburt in einer bestimmten Lage, Haltung und Einstellung im Geburtskanal befindet, üblicherweise mit dem Kopf voran, dem Kinn auf die Brust gebeugt und mit dem Rücken zur Seite der Mutter gedreht. Weicht die tatsächliche Position des Kindes von dieser günstigsten Ausrichtung ab, spricht man von einem Geburtshindernis durch Lage-, Haltungs- oder Einstellungsanomalien, wobei sich diese drei Begriffe auf unterschiedliche Aspekte der kindlichen Position beziehen: Die Lage beschreibt die Ausrichtung der Körperlängsachse des Kindes zur Gebärmutter, die Haltung die Beugung oder Streckung des kindlichen Kopfes und Rumpfes, und die Einstellung die genaue Position des vorangehenden Kindsteils im mütterlichen Becken. Solche Abweichungen können den natürlichen Geburtsverlauf erheblich erschweren oder in manchen Fällen unmöglich machen.
Ursachen
Lage-, Haltungs- und Einstellungsanomalien können durch verschiedene Faktoren begünstigt werden. Eine überdehnte, schlaffe Gebärmuttermuskulatur, etwa nach mehreren vorangegangenen Schwangerschaften, kann dem Kind mehr Bewegungsspielraum lassen und dadurch eine ungünstige Positionierung begünstigen. Eine besonders große oder besonders geringe Fruchtwassermenge, eine Fehlbildung der Gebärmutter, ein tief sitzender Mutterkuchen oder Myome in der Gebärmutterwand können den verfügbaren Raum für das Kind einschränken und ebenfalls eine ungünstige Lage begünstigen. Auch die Größe des kindlichen Kopfes im Verhältnis zum mütterlichen Becken sowie eine Frühgeburtlichkeit, bei der sich das Kind noch nicht in die für die Geburt günstigste Position gedreht hat, können eine Rolle spielen. Bei Mehrlingsschwangerschaften ist der verfügbare Platz für jedes einzelne Kind zusätzlich eingeschränkt.
Symptome
Eine Lage-, Haltungs- oder Einstellungsanomalie verursacht während der Schwangerschaft selbst häufig keine eigenen Beschwerden bei der Mutter und wird meist im Rahmen der routinemäßigen Schwangerschaftsvorsorge durch Abtasten des Bauches oder eine Ultraschalluntersuchung festgestellt. Während der Geburt selbst kann sich eine ungünstige kindliche Position durch einen deutlich verzögerten Geburtsfortschritt trotz kräftiger Wehentätigkeit bemerkbar machen, da der vorangehende Kindsteil den Geburtskanal nicht optimal passieren kann. Bei bestimmten Formen kann es zudem zu ungewöhnlich starken, schlecht lokalisierbaren Schmerzen während der Wehen kommen. Bei einer geburtshilflichen Untersuchung während der Eröffnungsphase lässt sich die genaue Position des vorangehenden Kindsteils häufig direkt ertasten.
Diagnostik
Die Diagnose wird bereits während der Schwangerschaft durch das äußere Abtasten des Bauches sowie durch eine Ultraschalluntersuchung gestellt, die die genaue Lage des Kindes in der Gebärmutter sichtbar macht. Bei Verdacht auf eine ungünstige Position kurz vor dem errechneten Geburtstermin wird die Lage nochmals gezielt kontrolliert, da sich manche Kinder bis kurz vor der Geburt noch drehen können. Während der Geburt selbst wird die genaue Position des vorangehenden Kindsteils durch eine vaginale Tastuntersuchung sowie, bei Bedarf, durch eine ergänzende Ultraschalluntersuchung während der Wehen bestimmt, um den weiteren Geburtsverlauf sowie eine mögliche Notwendigkeit unterstützender Maßnahmen einzuschätzen.
Behandlung
Wird eine ungünstige Lage bereits vor der Geburt festgestellt, kann in bestimmten Fällen versucht werden, das Kind durch eine äußere, vorsichtige Wendung von außen über die Bauchdecke in eine günstigere Position zu bringen. Bei bestimmten Haltungs- oder Einstellungsanomalien, die während der Geburt selbst auftreten, kann eine gezielte Lagerungsänderung der Mutter, etwa auf die Seite oder in eine bestimmte Körperhaltung, die Drehung des Kindes in eine günstigere Position unterstützen. Gelingt eine Korrektur nicht oder liegt eine Anomalie vor, bei der eine vaginale Geburt nicht sicher möglich ist, wird eine Geburt durch Schnittentbindung durchgeführt, um sowohl das Kind als auch die Mutter vor den Risiken eines erschwerten oder blockierten Geburtsverlaufs zu schützen.
Verlauf und Prognose
Viele Kinder, die während der Schwangerschaft zeitweise eine ungünstige Lage einnehmen, drehen sich bis zum Geburtstermin von selbst in eine günstigere Position, insbesondere wenn noch ausreichend Zeit und Bewegungsspielraum vorhanden sind. Bei einer bis zur Geburt bestehenbleibenden ungünstigen Lage oder Haltung hängt der weitere Verlauf von der genauen Art der Abweichung sowie dem Ansprechen auf unterstützende Maßnahmen ab: Manche Anomalien lassen sich durch eine gezielte Lagerung der Mutter noch während der Geburt korrigieren, während andere eine Schnittentbindung erforderlich machen. Bei rechtzeitiger Erkennung und angemessener geburtshilflicher Betreuung ist die Prognose für Mutter und Kind auch bei bestehender Lage-, Haltungs- oder Einstellungsanomalie in aller Regel gut.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Geburtshindernis durch Lage-, Haltungs- und Einstellungsanomalien des Fetus: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Lage, Haltung und Einstellung des Kindes?
Die Lage beschreibt die Ausrichtung der Körperlängsachse des Kindes zur Gebärmutter, die Haltung die Beugung oder Streckung von Kopf und Rumpf, und die Einstellung die genaue Position des vorangehenden Kindsteils im mütterlichen Becken.
Drehen sich Kinder mit ungünstiger Lage immer noch von selbst?
Viele Kinder drehen sich bis zum Geburtstermin von selbst in eine günstigere Position, insbesondere wenn noch ausreichend Zeit und Bewegungsspielraum vorhanden sind, dies gelingt jedoch nicht in jedem Fall.
Kann eine ungünstige Lage von außen korrigiert werden?
In bestimmten Fällen kann versucht werden, das Kind vor der Geburt durch eine vorsichtige, äußere Wendung über die Bauchdecke in eine günstigere Position zu bringen.
Wann ist bei einer Lageanomalie eine Schnittentbindung notwendig?
Wenn eine Korrektur der Position nicht gelingt oder eine Anomalie vorliegt, bei der eine vaginale Geburt nicht sicher möglich ist, um sowohl das Kind als auch die Mutter vor Risiken eines erschwerten Geburtsverlaufs zu schützen.
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