Farmerlunge
Die Farmerlunge ist eine allergische Entzündung des Lungengewebes, die durch das wiederholte Einatmen von Schimmelpilzsporen aus verschimmeltem, feuchtem Heu oder Getreide entsteht und zu den sogenannten exogen-allergischen Alveolitiden zählt. Sie betrifft vor allem Landwirtinnen und Landwirte, die im Rahmen ihrer Tätigkeit regelmäßigen Kontakt mit gelagertem, feucht gewordenem Heu haben, in dem sich unter bestimmten Bedingungen bestimmte hitzeliebende Bakterien und Schimmelpilze stark vermehren können. Im Unterschied zu einer klassischen Allergie, die sich meist unmittelbar nach dem Kontakt mit dem auslösenden Stoff zeigt, tritt die entzündliche Reaktion bei der Farmerlunge charakteristischerweise erst mit einer Verzögerung von mehreren Stunden nach der Exposition auf, was die Zuordnung der Beschwerden zur Ursache mitunter erschwert.
Ursachen
Die Farmerlunge wird durch eine immunologische Überempfindlichkeitsreaktion gegenüber Bestandteilen hitzeliebender Bakterien und Schimmelpilze ausgelöst, die sich in feucht gelagertem Heu oder Getreide stark vermehren können, insbesondere wenn das Erntegut nicht ausreichend getrocknet eingelagert wurde. Beim Umschichten, Wenden oder Verfüttern des verschimmelten Heus werden große Mengen feinster Sporen freigesetzt, die tief in die Atemwege eingeatmet werden und dort bei entsprechend sensibilisierten Personen eine ausgeprägte Entzündungsreaktion des Lungengewebes auslösen. Diese Sensibilisierung entwickelt sich meist erst nach wiederholtem Kontakt mit den auslösenden Stoffen über einen längeren Zeitraum. Feuchte klimatische Bedingungen während der Erntezeit sowie unzureichende Trocknungs- und Lagerungsbedingungen für das Erntegut begünstigen die Vermehrung der auslösenden Mikroorganismen erheblich.
Symptome
Die akute Farmerlunge äußert sich typischerweise vier bis acht Stunden nach intensivem Kontakt mit verschimmeltem Heu durch plötzlich einsetzendes Fieber, Schüttelfrost, trockenen Husten sowie Atemnot, begleitet von einem ausgeprägten allgemeinen Krankheitsgefühl mit Muskel- und Gliederschmerzen, das einem grippalen Infekt ähneln kann. Diese Beschwerden klingen bei einmaligem Kontakt meist innerhalb von ein bis drei Tagen von selbst wieder ab, kehren jedoch bei erneutem Kontakt mit dem auslösenden Material regelmäßig wieder. Bei wiederholter, chronischer Exposition ohne ausreichende Schutzmaßnahmen kann sich eine chronische Form der Erkrankung mit fortschreitender Atemnot, chronischem Husten sowie einem allmählichen Gewichtsverlust entwickeln, die auf eine zunehmende, bleibende Vernarbung des Lungengewebes zurückzuführen ist.
Diagnostik
Die Diagnose der Farmerlunge stützt sich auf die charakteristische zeitliche Beziehung zwischen dem Kontakt mit verschimmeltem Heu und dem verzögerten Auftreten der grippeähnlichen Beschwerden, ergänzt durch eine gezielte Blutuntersuchung, die spezifische Antikörper gegen die auslösenden Mikroorganismen nachweisen kann. Eine hochauflösende Computertomographie der Lunge zeigt bei der akuten Form charakteristische, milchglasartige Trübungen des Lungengewebes, während sich bei der chronischen Form zunehmend narbige Veränderungen darstellen. Eine Lungenfunktionsprüfung dient der Beurteilung des Ausmaßes einer bereits eingetretenen Funktionseinschränkung. In unklaren Fällen kann eine Lungenspiegelung mit Gewinnung von Spülflüssigkeit oder eine Lungenbiopsie zur weiteren Diagnosesicherung beitragen.
Behandlung
Die wichtigste Behandlungsmaßnahme bei der Farmerlunge ist die konsequente Vermeidung des weiteren Kontakts mit verschimmeltem Heu oder Getreide, was durch verbesserte Trocknungs- und Lagerungsmethoden des Ernteguts sowie durch das Tragen von geeigneten Atemschutzmasken bei unvermeidbarem Kontakt erreicht werden kann. Bei akuten Krankheitsschüben werden entzündungshemmende Kortisonpräparate eingesetzt, um die Entzündungsreaktion des Lungengewebes rasch zu kontrollieren und Beschwerden zu lindern. Bei chronischer Form mit fortschreitender Vernarbung des Lungengewebes kann eine längerfristige Kortisonbehandlung notwendig werden, wobei bereits eingetretene narbige Veränderungen durch die Behandlung nicht rückgängig gemacht werden können. Eine Sauerstofftherapie kann bei fortgeschrittener Erkrankung mit deutlicher Einschränkung der Lungenfunktion erforderlich werden.
Verlauf und Prognose
Bei konsequenter Meidung des auslösenden verschimmelten Materials sowie rechtzeitiger Diagnosestellung ist die Prognose der akuten Farmerlunge sehr gut, wobei sich die Beschwerden meist vollständig zurückbilden. Wird die Erkrankung jedoch nicht erkannt oder besteht die Exposition trotz wiederkehrender Beschwerden über Jahre fort, kann sich eine chronische, fortschreitende Vernarbung des Lungengewebes mit dauerhafter Einschränkung der Lungenfunktion entwickeln, die auch nach Beendigung der Exposition nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Eine regelmäßige arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung landwirtschaftlich tätiger Personen mit entsprechender Exposition trägt zur Früherkennung bei. Die Farmerlunge ist in vielen Ländern als Berufskrankheit anerkannt, was betroffenen Landwirtinnen und Landwirten entsprechende Unterstützungsleistungen ermöglicht.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Farmerlunge: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum treten die Beschwerden bei der Farmerlunge zeitverzögert auf?
Weil es sich um eine immunologische Überempfindlichkeitsreaktion handelt, die erst mehrere Stunden nach dem Kontakt mit den auslösenden Sporen ihre volle Wirkung entfaltet, anders als eine unmittelbare allergische Reaktion.
Wie kann man einer Farmerlunge vorbeugen?
Durch eine ausreichende Trocknung und richtige Lagerung des Ernteguts sowie durch das Tragen geeigneter Atemschutzmasken bei unvermeidbarem Kontakt mit verschimmeltem Material.
Bildet sich die akute Farmerlunge von selbst zurück?
Bei einmaligem Kontakt klingen die Beschwerden meist innerhalb weniger Tage von selbst ab, kehren jedoch bei erneutem Kontakt regelmäßig wieder.
Was passiert bei fortgesetzter Exposition trotz wiederkehrender Beschwerden?
Es kann sich eine chronische, fortschreitende Vernarbung des Lungengewebes mit bleibender Einschränkung der Lungenfunktion entwickeln.
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