Ejaculatio praecox (vorzeitiger Samenerguss)
Die Ejaculatio praecox, im Deutschen als vorzeitiger Samenerguss bezeichnet, gehört zu den häufigsten sexuellen Funktionsstörungen des Mannes und beschreibt einen Samenerguss, der regelmäßig bereits sehr kurz nach Beginn des Geschlechtsverkehrs, mitunter bereits vor oder unmittelbar nach dem Eindringen, eintritt und von der betroffenen Person nur unzureichend oder gar nicht kontrolliert werden kann. Diese fehlende Kontrolle über den Zeitpunkt des Samenergusses ist für viele Betroffene sowie deren Partnerinnen oder Partner mit einem erheblichen Leidensdruck verbunden, der über die rein sexuelle Ebene hinaus auch das partnerschaftliche Selbstwertgefühl sowie die Beziehungszufriedenheit spürbar beeinträchtigen kann. Die Ejaculatio praecox wird in eine bereits seit dem ersten sexuellen Erfahrungen bestehende, sogenannte primäre Form sowie eine erst im Verlauf des Lebens neu auftretende, sekundäre Form unterschieden, wobei beide Formen gut behandelbar sind.
Ursachen
Die genaue Ursache der primären, von Beginn der sexuellen Erfahrungen an bestehenden Ejaculatio praecox ist nicht abschließend geklärt, wobei eine erhöhte Empfindlichkeit bestimmter, an der Steuerung des Samenergusses beteiligter Nervenbahnen sowie eine veränderte Regulation bestimmter Botenstoffe im Gehirn als mögliche zugrunde liegende Mechanismen diskutiert werden. Die sekundäre, erst im Verlauf des Lebens neu auftretende Form steht dagegen häufiger im Zusammenhang mit psychischen Faktoren, insbesondere Beziehungsproblemen, Versagensängsten oder allgemeinem Stress, sowie gelegentlich mit einer zugrunde liegenden Entzündung der Prostata oder einer beginnenden Erektionsstörung, bei der Betroffene unbewusst versuchen, den Geschlechtsverkehr durch einen rascheren Samenerguss abzukürzen.
Symptome
Die Ejaculatio praecox äußert sich durch einen regelmäßig sehr kurz nach Beginn des Geschlechtsverkehrs eintretenden Samenerguss, der von der betroffenen Person trotz eigenen Bemühens nur unzureichend oder gar nicht willentlich hinausgezögert werden kann. Begleitend entwickeln viele Betroffene ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten gegenüber sexuellen Situationen sowie eine belastende Versagensangst, die die Beschwerden im Sinne eines sich selbst verstärkenden Kreislaufs zusätzlich verschlimmern kann. Die Partnerin oder der Partner der betroffenen Person kann durch die verkürzte Dauer des Geschlechtsverkehrs ebenfalls eine erhebliche Unzufriedenheit empfinden, was die partnerschaftliche Belastung durch die Erkrankung zusätzlich verstärkt.
Diagnostik
Die Diagnose der Ejaculatio praecox wird überwiegend durch eine ausführliche, einfühlsame Anamnese gestellt, bei der die genaue zeitliche sowie situative Beschaffenheit des vorzeitigen Samenergusses, das Ausmaß der subjektiv empfundenen Kontrollmöglichkeit sowie der damit verbundene Leidensdruck sorgfältig erfragt werden. Eine körperliche Untersuchung sowie gegebenenfalls eine Untersuchung der Prostata dient dem Ausschluss einer zugrunde liegenden körperlichen Ursache, insbesondere bei der neu aufgetretenen, sekundären Form der Erkrankung. Eine offene Ansprache möglicher psychischer Belastungsfaktoren sowie der partnerschaftlichen Situation ist ein wichtiger Bestandteil der diagnostischen Abklärung, da diese Faktoren für die weitere Behandlungsplanung von erheblicher Bedeutung sind.
Behandlung
Die Behandlung der Ejaculatio praecox umfasst sowohl verhaltenstherapeutische als auch medikamentöse Ansätze, wobei bestimmte, gezielt erlernbare Techniken zur bewussten Wahrnehmung sowie Steuerung der eigenen Erregung, etwa die sogenannte Stopp-Start-Technik, bei vielen Betroffenen zu einer deutlichen Verbesserung der Kontrolle über den Zeitpunkt des Samenergusses beitragen können. Bei unzureichendem Ansprechen auf diese verhaltenstherapeutischen Maßnahmen stehen bestimmte, ursprünglich zur Behandlung von Depressionen entwickelte Medikamente zur Verfügung, die als Nebenwirkung eine Verzögerung des Samenergusses bewirken und gezielt zu diesem Zweck eingesetzt werden können. Eine begleitende Paarberatung oder Sexualtherapie kann insbesondere bei einer bedeutsamen partnerschaftlichen Belastung zusätzlich sinnvoll sein.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Ejaculatio praecox ist bei konsequenter Anwendung der verfügbaren Behandlungsmaßnahmen gut, wobei sich die Kontrolle über den Zeitpunkt des Samenergusses bei einem erheblichen Teil der Betroffenen durch eine Kombination aus verhaltenstherapeutischen Techniken sowie, bei Bedarf, einer medikamentösen Behandlung deutlich verbessern lässt. Die sekundäre, im Zusammenhang mit psychischen Belastungsfaktoren aufgetretene Form bessert sich bei erfolgreicher Bewältigung der zugrunde liegenden Belastungssituation häufig auch ohne spezifische Behandlung. Eine offene, unbefangene Ansprache der Beschwerden gegenüber ärztlichem Fachpersonal wird angesichts der guten Behandelbarkeit sowie der Häufigkeit der Erkrankung ausdrücklich ermutigt, da viele Betroffene aus Scham lange von einer Behandlung absehen, obwohl wirksame Hilfe zur Verfügung steht.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Ejaculatio praecox (vorzeitiger Samenerguss): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wie häufig ist die Ejaculatio praecox?
Sie gehört zu den häufigsten sexuellen Funktionsstörungen des Mannes.
Welche zwei Formen werden unterschieden?
Eine primäre, von Beginn der sexuellen Erfahrungen an bestehende Form sowie eine sekundäre, erst im Verlauf des Lebens neu auftretende Form.
Welche verhaltenstherapeutische Technik kann helfen?
Die sogenannte Stopp-Start-Technik zur bewussten Wahrnehmung sowie Steuerung der eigenen Erregung.
Gibt es eine medikamentöse Behandlungsmöglichkeit?
Ja, bestimmte, ursprünglich gegen Depressionen entwickelte Medikamente können als Nebenwirkung den Samenerguss verzögern.
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