Dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen
Dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen sind eine Form der dissoziativen Störungen, bei der Betroffene einen teilweisen oder vollständigen Verlust der Empfindungsfähigkeit in bestimmten Körperbereichen erleben, etwa in Form von Taubheitsgefühlen, verändertem Berührungsempfinden oder dem Verlust der Fähigkeit, Schmerz, Temperatur oder Vibration wahrzunehmen, ohne dass sich hierfür eine ausreichende neurologische oder andere körperliche Ursache finden lässt. Charakteristisch ist häufig, dass die betroffenen Körperbereiche nicht dem typischen Verteilungsmuster bekannter neurologischer Erkrankungen entsprechen, sondern sich beispielsweise strumpf- oder handschuhförmig oder entlang symbolisch bedeutsamer Körpergrenzen abgrenzen. Wie bei anderen dissoziativen Störungen wird die Symptomatik als unbewusste psychische Reaktion auf erhebliche innere Belastung verstanden.
Ursachen
Dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen entwickeln sich typischerweise im Zusammenhang mit erheblichem psychischem Stress, belastenden Lebensereignissen oder unbewältigten inneren Konflikten, wobei die betroffene Person unbewusst die Wahrnehmung bestimmter Körperbereiche von ihrem bewussten Erleben abkoppelt. Dieser Mechanismus wird als eine Art psychischer Schutzreaktion verstanden, die die betroffene Person vorübergehend vor einer als überwältigend erlebten emotionalen Belastung abschirmt. Risikofaktoren umfassen frühere belastende oder traumatische Lebenserfahrungen, insbesondere solche, die mit dem betroffenen Körperbereich symbolisch in Verbindung stehen können, eine ausgeprägte individuelle Neigung zu dissoziativen Reaktionen sowie das Fehlen alternativer, bewusster Bewältigungsstrategien im Umgang mit extremer psychischer Überforderung.
Symptome
Betroffene berichten von einem teilweisen oder vollständigen Verlust der Empfindungsfähigkeit in bestimmten Körperbereichen, etwa Taubheitsgefühlen, einem veränderten Berührungsempfinden oder dem Verlust der Fähigkeit, Schmerz, Wärme, Kälte oder Vibration wahrzunehmen. Charakteristisch ist häufig, dass die betroffenen Areale nicht den bekannten anatomischen Versorgungsgebieten von Nerven entsprechen, sondern beispielsweise eine strumpf- oder handschuhförmige Begrenzung zeigen oder exakt entlang der Mittellinie des Körpers verlaufen, was medizinisch untypisch für neurologische Erkrankungen ist. Die Symptomatik kann einzelne Körperbereiche oder mehrere Areale gleichzeitig betreffen und in ihrer Ausprägung und Lokalisation im Zeitverlauf wechseln. Viele Betroffene erleben die Symptomatik als beunruhigend, auch wenn keine ausgeprägten Schmerzen damit verbunden sind.
Diagnostik
Die Diagnostik erfordert zunächst eine sorgfältige neurologische Untersuchung, bei der insbesondere geprüft wird, ob das Verteilungsmuster der Empfindungsstörung einem bekannten anatomischen Nervenversorgungsgebiet entspricht oder ob es typische Merkmale einer dissoziativen Störung zeigt, etwa eine strumpf- oder handschuhförmige Begrenzung. Weitere apparative Untersuchungen können erforderlich sein, um körperliche Ursachen sicher auszuschließen. Erst wenn eine ausreichende organische Erklärung fehlt und ein zeitlicher Zusammenhang mit einem belastenden Ereignis oder Problem erkennbar ist, wird die Diagnose einer dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörung in Erwägung gezogen. Eine sorgfältige, einfühlsame Anamnese der belastenden Lebensumstände im Vorfeld der Symptomatik ist zentraler Bestandteil der Diagnostik.
Behandlung
Die Behandlung dissoziativer Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen erfolgt idealerweise interdisziplinär unter Einbeziehung von Neurologie und Psychiatrie beziehungsweise Psychosomatik. Eine einfühlsame, wertschätzende Vermittlung der Diagnose ist wichtig, da Betroffene ihre Empfindungsstörung als real erleben. Im Zentrum der Behandlung steht eine psychotherapeutische Aufarbeitung des zugrunde liegenden belastenden Ereignisses oder Konflikts, die dabei helfen kann, die unbewusst abgekoppelte Wahrnehmung wieder zu integrieren. Ergänzend können körperorientierte therapeutische Verfahren hilfreich sein, um die Wahrnehmung des betroffenen Körperbereichs schrittweise wieder aufzubauen. Ziel der Behandlung ist der Aufbau alternativer, bewusster Bewältigungsstrategien im Umgang mit der zugrunde liegenden emotionalen Belastung.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf dissoziativer Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen ist individuell unterschiedlich: Bei einem Teil der Betroffenen bildet sich die Symptomatik innerhalb weniger Tage bis Wochen zurück, insbesondere wenn die zugrunde liegende Belastung frühzeitig erkannt und bearbeitet werden kann. Bei anderen Betroffenen kann sich die Symptomatik über längere Zeit hinziehen oder wiederkehren, insbesondere wenn die zugrunde liegende psychische Belastung unbearbeitet bleibt. Eine frühzeitige, einfühlsame Diagnosestellung sowie eine gezielte psychotherapeutische Behandlung verbessern die Prognose deutlich, und viele Betroffene erreichen im Verlauf eine erhebliche Besserung oder vollständige Rückbildung der Empfindungsstörung.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Dissoziative Störungen: Symptome, Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Woran erkennt man, dass eine Empfindungsstörung dissoziativ und nicht neurologisch bedingt ist?
Ein wichtiger Hinweis ist ein Verteilungsmuster, das nicht dem bekannten anatomischen Versorgungsgebiet eines Nervs entspricht, etwa eine strumpf- oder handschuhförmige Begrenzung.
Ist die Empfindungsstörung bei den Betroffenen eingebildet?
Nein, Betroffene erleben den Verlust der Empfindungsfähigkeit als real, auch wenn keine körperliche Ursache gefunden wird.
Welche Untersuchungen sind notwendig?
Eine gründliche neurologische Untersuchung sowie gegebenenfalls weitere apparative Diagnostik sind notwendig, um körperliche Ursachen sicher auszuschließen.
Wie wird die Störung behandelt?
Im Zentrum steht eine psychotherapeutische Aufarbeitung der zugrunde liegenden Belastung, ergänzt durch körperorientierte Verfahren zum schrittweisen Wiederaufbau der Wahrnehmung.
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