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Psyche & Nervensystem

Dissoziative Krampfanfälle

Dissoziative Krampfanfälle sind eine Form der dissoziativen Störungen, bei der Betroffene anfallsartige Episoden mit Bewegungen, Verkrampfungen oder Veränderungen des Bewusstseins erleben, die in ihrer äußeren Erscheinung einem epileptischen Anfall ähneln können, ohne dass sich hierfür eine zugrunde liegende Epilepsie oder eine andere ausreichende körperliche Ursache finden lässt. Die Anfälle entstehen als unwillkürliche psychische Reaktion auf erhebliche innere Belastung und unterscheiden sich in bestimmten Merkmalen, etwa im zeitlichen Verlauf, in Bewegungsmustern oder im Verhalten während und nach der Episode, von epileptischen Anfällen, auch wenn eine sichere Unterscheidung mitunter eine spezialisierte Diagnostik erfordert. Die Diagnose ist wichtig, um eine unnötige, unwirksame Behandlung mit Antiepileptika zu vermeiden und stattdessen eine angemessene psychotherapeutische Behandlung einzuleiten.

Ursachen

Dissoziative Krampfanfälle entstehen typischerweise im Zusammenhang mit erheblichem psychischem Stress, belastenden Lebensereignissen oder unbewältigten inneren Konflikten, wobei die belastenden Gedanken und Gefühle unbewusst in Form einer körperlichen Anfallssymptomatik zum Ausdruck kommen. Dieser Mechanismus wird als eine Art unbewusster psychischer Schutzreaktion verstanden, die es der betroffenen Person ermöglicht, eine als überwältigend erlebte emotionale Belastung vorübergehend nicht bewusst konfrontieren zu müssen. Risikofaktoren umfassen frühere traumatische Erfahrungen, eine ausgeprägte individuelle Neigung zu dissoziativen Reaktionen sowie das Fehlen alternativer, bewusster Bewältigungsstrategien. Bei manchen Betroffenen besteht zusätzlich eine tatsächliche Epilepsie, sodass sowohl epileptische als auch dissoziative Anfälle nebeneinander auftreten können, was die diagnostische Abklärung zusätzlich erschwert.

Symptome

Während einer Episode zeigen Betroffene anfallsartige Bewegungen, Verkrampfungen oder ein verändertes Bewusstsein, die äußerlich einem epileptischen Anfall ähneln können. Bestimmte Merkmale können jedoch auf einen dissoziativen Ursprung hinweisen, etwa ein allmählicherer Beginn und ein allmählicheres Ende im Vergleich zu typischen epileptischen Anfällen, ein längeres Andauern der Episode, wechselhafte oder asynchrone Bewegungsmuster sowie ein Auftreten, das häufig mit beobachtbaren emotionalen Belastungssituationen zusammenhängt. Nach der Episode berichten Betroffene häufig von einer detaillierteren Erinnerung an Teile des Geschehens als dies bei typischen epileptischen Anfällen der Fall ist, auch wenn auch hier Erinnerungslücken auftreten können. Verletzungen während der Episode sind im Vergleich zu epileptischen Anfällen seltener, können aber ebenfalls vorkommen.

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Diagnostik

Die Diagnostik erfordert eine sorgfältige neurologische Abklärung, häufig einschließlich einer spezialisierten Video-Elektroenzephalographie, bei der die Anfallsepisode gleichzeitig aufgezeichnet und die elektrische Hirnaktivität abgeleitet wird, um zwischen epileptischen und dissoziativen Anfällen sicher unterscheiden zu können. Diese kombinierte Untersuchung gilt als zuverlässigste diagnostische Methode. Da die Symptomatik äußerlich einem epileptischen Anfall stark ähneln kann, ist eine rein klinische, auf Beobachtung basierende Unterscheidung häufig nicht ausreichend zuverlässig. Nach Ausschluss einer zugrunde liegenden Epilepsie sowie anderer körperlicher Ursachen wird die Diagnose dissoziativer Krampfanfälle gestellt, wobei auch die belastenden Lebensumstände im Vorfeld der Episoden sorgfältig erfasst werden.

Behandlung

Die Behandlung dissoziativer Krampfanfälle erfolgt idealerweise interdisziplinär unter Einbeziehung von Neurologie und Psychiatrie beziehungsweise Psychosomatik. Eine klare, einfühlsame Vermittlung der Diagnose ist von zentraler Bedeutung, da Betroffene ihre Anfälle als real erleben und die Diagnose zunächst Verunsicherung auslösen kann. Im Zentrum der Behandlung steht eine psychotherapeutische Aufarbeitung der zugrunde liegenden belastenden Erfahrungen oder Konflikte, wobei sich insbesondere spezialisierte Ansätze zur Behandlung dissoziativer Anfälle bewährt haben. Wichtig ist zudem das Absetzen einer möglicherweise fälschlicherweise begonnenen antiepileptischen Medikation unter ärztlicher Begleitung, da diese bei dissoziativen Anfällen keine Wirkung zeigt und mit eigenen Nebenwirkungen verbunden sein kann.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf dissoziativer Krampfanfälle ist individuell unterschiedlich und hängt maßgeblich von der Zeit bis zur korrekten Diagnosestellung sowie der Bereitschaft zur psychotherapeutischen Aufarbeitung der zugrunde liegenden Belastung ab. Eine frühzeitige korrekte Diagnose, die eine unnötige und unwirksame Behandlung mit Antiepileptika vermeidet, sowie der zeitnahe Beginn einer geeigneten Psychotherapie verbessern die Prognose erheblich. Ohne angemessene Behandlung können die Anfälle über lange Zeit bestehen bleiben und zu erheblichen Einschränkungen im Alltag führen, etwa durch die Angst vor öffentlichen Anfällen. Mit gezielter psychotherapeutischer Behandlung erreichen viele Betroffene jedoch eine deutliche Reduktion oder ein vollständiges Sistieren der Anfälle.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Wie lassen sich dissoziative von epileptischen Anfällen unterscheiden?

Eine sichere Unterscheidung gelingt am zuverlässigsten durch eine Video-Elektroenzephalographie, bei der Anfall und Hirnaktivität gleichzeitig aufgezeichnet werden; bestimmte Merkmale wie ein allmählicherer Verlauf können ebenfalls Hinweise geben.

Können Antiepileptika bei dissoziativen Krampfanfällen helfen?

Nein, Antiepileptika zeigen bei dissoziativen Anfällen keine Wirkung, da keine epileptische Ursache vorliegt, und sollten unter ärztlicher Begleitung abgesetzt werden.

Kann jemand gleichzeitig an Epilepsie und dissoziativen Anfällen leiden?

Ja, bei manchen Betroffenen bestehen beide Formen nebeneinander, was die diagnostische Abklärung zusätzlich erschwert.

Welche Behandlung wird empfohlen?

Im Zentrum steht eine psychotherapeutische Aufarbeitung der zugrunde liegenden belastenden Erfahrungen, häufig ergänzt durch spezialisierte Ansätze zur Behandlung dissoziativer Anfälle.

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