Interstitielle Cystitis (IC/BPS)
Die interstitielle Cystitis, auch als Blasenschmerzsyndrom bezeichnet, ist eine chronische, sehr belastende Erkrankung der Harnblase, die durch anhaltende, meist mit der Blasenfüllung zunehmende Unterbauchschmerzen sowie einen häufigen, mitunter sehr starken Harndrang gekennzeichnet ist, ohne dass sich eine bakterielle Infektion der Harnwege oder eine andere eindeutig fassbare Ursache nachweisen lässt. Die Erkrankung betrifft überwiegend Frauen und wird häufig erst nach einem langwierigen diagnostischen Prozess erkannt, da sich ihre Beschwerden mit denen anderer, häufigerer Erkrankungen wie einer bakteriellen Blasenentzündung überschneiden können, obwohl bei der interstitiellen Cystitis keine Bakterien nachweisbar sind und eine antibiotische Behandlung entsprechend wirkungslos bleibt.
Ursachen
Die genaue Ursache der interstitiellen Cystitis ist trotz umfangreicher Forschung nicht abschließend geklärt, es wird jedoch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren angenommen, darunter eine gestörte Schutzschicht der Blasenschleimhaut, die normalerweise verhindert, dass im Urin enthaltene, reizende Substanzen in die tieferen Schichten der Blasenwand eindringen. Ist diese Schutzschicht geschädigt, können reizende Bestandteile des Urins die darunterliegenden Nervenendigungen erreichen und eine anhaltende Entzündungsreaktion sowie eine chronische Schmerzempfindlichkeit der Blasenwand auslösen. Eine überaktive Aktivierung bestimmter Immunzellen in der Blasenwand, die sogenannten Mastzellen, wird bei einem Teil der Betroffenen als zusätzlicher Faktor diskutiert. Die Erkrankung tritt zudem gehäuft gemeinsam mit anderen chronischen Schmerzsyndromen auf, was auf eine mögliche gemeinsame Störung der zentralen Schmerzverarbeitung hindeutet.
Symptome
Das führende Symptom der interstitiellen Cystitis ist ein anhaltender, meist im Unterbauch oder im Beckenbereich lokalisierter Schmerz, der sich bei zunehmender Füllung der Blase typischerweise verstärkt und sich nach dem Wasserlassen vorübergehend bessert. Ein sehr häufiger, teils quälender Harndrang mit dem Gefühl, die Blase entleeren zu müssen, obwohl diese nur gering gefüllt ist, sowie ein vermehrtes nächtliches Wasserlassen gehören ebenfalls zu den charakteristischen Beschwerden. Bei Frauen kann sich der Schmerz zusätzlich beim Geschlechtsverkehr verstärken. Die Beschwerden verlaufen häufig in Schüben mit Phasen deutlicher Verschlechterung, die durch bestimmte Nahrungsmittel, Stress oder hormonelle Schwankungen im Zyklus ausgelöst werden können, sowie Phasen relativer Beschwerdefreiheit.
Diagnostik
Die Diagnose der interstitiellen Cystitis wird überwiegend durch den Ausschluss anderer, besser fassbarer Ursachen ähnlicher Beschwerden gestellt, insbesondere einer bakteriellen Harnwegsinfektion, die durch eine unauffällige Urinuntersuchung sowie eine unauffällige Urinkultur ausgeschlossen wird. Eine Blasenspiegelung unter Vollnarkose mit gleichzeitiger Dehnung der Blase kann charakteristische, punktförmige Einblutungen der Blasenschleimhaut zeigen, die bei einem Teil der Betroffenen nachweisbar sind, wobei ein unauffälliger Befund die Diagnose jedoch nicht ausschließt. Eine sorgfältige Führung eines Miktionstagebuchs, in dem Trinkmenge, Wasserlassen sowie Schmerzintensität über mehrere Tage dokumentiert werden, liefert wichtige zusätzliche Informationen zur Einschätzung des Krankheitsbildes und zur Abgrenzung von anderen Blasenfunktionsstörungen.
Behandlung
Die Behandlung der interstitiellen Cystitis erfolgt stufenweise und individuell angepasst, da kein einzelnes Verfahren bei allen Betroffenen zuverlässig wirksam ist. Zunächst werden allgemeine Maßnahmen wie eine Anpassung der Ernährung unter Vermeidung individuell identifizierter, beschwerdeverstärkender Nahrungsmittel sowie ein gezieltes Blasentraining empfohlen. Bei unzureichender Besserung kommen orale Medikamente zum Einsatz, die die geschädigte Schutzschicht der Blasenschleimhaut unterstützen sollen, sowie Schmerzmittel zur symptomatischen Linderung. Eine direkte Instillation bestimmter Wirkstoffe in die Blase über einen Katheter kann bei einem Teil der Betroffenen zu einer deutlichen Besserung führen. Bei schwersten, therapieresistenten Verläufen können in Einzelfällen weitergehende Verfahren, bis hin zu einer operativen Behandlung, in spezialisierten Zentren erwogen werden.
Verlauf und Prognose
Die interstitielle Cystitis verläuft chronisch mit einem wechselhaften Verlauf aus Phasen der Verschlechterung und relativer Beschwerdefreiheit, wobei eine vollständige Heilung bislang nicht erreichbar ist. Durch eine konsequente, individuell abgestimmte Behandlung kann jedoch bei einem erheblichen Teil der Betroffenen eine deutliche Linderung der Beschwerden sowie eine spürbare Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden. Die chronischen Schmerzen sowie die häufigen Blasenentleerungen stellen für viele Betroffene eine erhebliche psychische sowie soziale Belastung dar, weshalb eine begleitende psychologische Unterstützung sowie der Austausch mit anderen Betroffenen wertvolle zusätzliche Bestandteile der Behandlung darstellen können. Eine langfristige, spezialisierte urologische Betreuung wird für alle Betroffenen empfohlen, um die Behandlung im Verlauf an die individuelle Krankheitsaktivität anzupassen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Interstitielle Cystitis (IC/BPS): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Ist die interstitielle Cystitis eine bakterielle Blasenentzündung?
Nein, es lässt sich keine bakterielle Infektion nachweisen, weshalb eine antibiotische Behandlung wirkungslos bleibt.
Warum wird die Diagnose häufig erst spät gestellt?
Weil sich die Beschwerden mit denen anderer, häufigerer Erkrankungen wie einer bakteriellen Blasenentzündung überschneiden und zunächst andere Ursachen ausgeschlossen werden müssen.
Kann die Erkrankung vollständig geheilt werden?
Eine vollständige Heilung ist bislang nicht möglich, jedoch kann durch konsequente, individuell abgestimmte Behandlung eine deutliche Linderung erreicht werden.
Was ist ein Miktionstagebuch?
Eine Dokumentation von Trinkmenge, Wasserlassen und Schmerzintensität über mehrere Tage, die wichtige Informationen für die Diagnostik liefert.
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