Degenerative Myopie
Die degenerative Myopie, auch als pathologische oder maligne Myopie bezeichnet, ist eine seltene, jedoch schwerwiegende Verlaufsform der Kurzsichtigkeit, bei der es zu einer fortschreitenden, weit über das übliche Maß hinausgehenden Verlängerung des Augapfels kommt, die im Unterschied zur weitaus häufigeren, gutartig verlaufenden gewöhnlichen Kurzsichtigkeit mit fortschreitenden, strukturellen Schädigungen der Netzhaut sowie der Aderhaut einhergeht. Diese fortschreitende Dehnung des Augapfels führt zu einer zunehmenden Ausdünnung sowie strukturellen Schwächung der inneren Augenwandschichten, wodurch das Risiko für schwerwiegende Komplikationen wie eine Netzhautablösung, krankhafte Gefäßneubildungen sowie einen fortschreitenden, bleibenden Sehverlust deutlich erhöht ist. Die degenerative Myopie beginnt häufig bereits im Kindes- oder Jugendalter und kann sich über das gesamte Leben hinweg fortschreitend verschlechtern.
Ursachen
Die genaue Ursache der degenerativen Myopie ist nicht abschließend geklärt, wobei eine ausgeprägte erbliche Veranlagung eine zentrale Rolle bei der Entstehung dieser schweren Verlaufsform der Kurzsichtigkeit spielt, da die Erkrankung deutlich gehäuft innerhalb betroffener Familien auftritt. Die fortschreitende, überschießende Verlängerung des Augapfels wird durch eine Kombination aus genetischer Veranlagung sowie einer gestörten Regulation des Augenwachstums während der Kindheit sowie Jugend verursacht, wobei mehrere unterschiedliche, an der Regulation des Augenwachstums beteiligte Gene als mögliche Mitverursacher identifiziert wurden. Auch bestimmte Umweltfaktoren, insbesondere ein geringes Ausmaß an Zeit im Freien während der Kindheit, werden als möglicherweise begünstigende Faktoren für die Entstehung sowie das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit im Allgemeinen diskutiert.
Symptome
Die degenerative Myopie äußert sich zunächst durch eine bereits im Kindes- oder Jugendalter auffällig ausgeprägte sowie rasch fortschreitende Kurzsichtigkeit, die im Unterschied zur gewöhnlichen Kurzsichtigkeit auch im Erwachsenenalter kontinuierlich weiter zunehmen kann. Im Verlauf entwickeln sich bei einem erheblichen Teil der Betroffenen charakteristische, degenerative Veränderungen des Augenhintergrunds, die sich unter anderem durch eine fortschreitende Ausdünnung sowie Aufhellung der Aderhaut sowie durch das Auftreten kleiner, charakteristischer Blutungen oder Risse in den tieferen Netzhautschichten äußern können. Bei fortgeschrittenen Verläufen kann es zu einer deutlichen, oft schmerzlosen Verschlechterung des zentralen Sehvermögens kommen, wenn die degenerativen Veränderungen den für das scharfe Sehen zentral wichtigen Bereich der Netzhaut betreffen.
Diagnostik
Die Diagnose der degenerativen Myopie wird durch eine augenärztliche Untersuchung gestellt, bei der neben der Bestimmung des Ausmaßes der Kurzsichtigkeit auch eine sorgfältige Untersuchung des Augenhintergrunds zur Erfassung der charakteristischen degenerativen Veränderungen der Aderhaut sowie Netzhaut von zentraler Bedeutung ist. Eine Messung der genauen Augapfellänge liefert zusätzliche wichtige Informationen über das Ausmaß der zugrunde liegenden Verlängerung des Augapfels sowie über ein mögliches weiteres Fortschreiten im Verlauf der Zeit. Eine spezialisierte Bildgebung der Netzhaut mittels optischer Kohärenztomografie ermöglicht eine besonders detaillierte Darstellung der feinen strukturellen Veränderungen der zentralen Netzhautschichten und trägt zur frühzeitigen Erkennung beginnender Komplikationen bei.
Behandlung
Eine ursächliche Behandlung, die die zugrunde liegende, fortschreitende Verlängerung des Augapfels bei bereits bestehender degenerativer Myopie rückgängig machen könnte, existiert nicht, weshalb sich die Behandlung auf die optische Korrektur der bestehenden Kurzsichtigkeit sowie die gezielte Behandlung auftretender Komplikationen konzentriert. Bei Kindern mit rasch fortschreitender Kurzsichtigkeit stehen verschiedene Behandlungsansätze zur Verfügung, die das weitere Fortschreiten der Kurzsichtigkeit verlangsamen können, etwa speziell angepasste Kontaktlinsen oder bestimmte, niedrig dosierte Augentropfen. Bei bereits eingetretenen Komplikationen, insbesondere krankhaften Gefäßneubildungen im Bereich der zentralen Netzhaut, steht eine gezielte, in das Auge injizierte medikamentöse Behandlung zur Verfügung, die das Wachstum dieser krankhaften Gefäße wirksam hemmen kann.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf der degenerativen Myopie ist chronisch fortschreitend und kann sich über das gesamte Leben der betroffenen Person hinweg langsam weiter verschlechtern, wobei das Ausmaß sowie die Geschwindigkeit des Fortschreitens individuell sehr unterschiedlich ausfallen. Das Risiko für schwerwiegende Komplikationen, insbesondere eine Netzhautablösung sowie krankhafte Gefäßneubildungen im Bereich der zentralen Netzhaut, nimmt mit zunehmendem Ausmaß der Kurzsichtigkeit sowie zunehmendem Lebensalter kontinuierlich zu, weshalb eine lebenslange, regelmäßige augenärztliche Verlaufskontrolle für Betroffene mit degenerativer Myopie von großer Bedeutung ist. Eine frühzeitige Erkennung sowie gezielte Behandlung auftretender Komplikationen kann bei vielen Betroffenen dazu beitragen, ein möglichst gutes Sehvermögen über einen langen Zeitraum zu erhalten.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Degenerative Myopie: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wodurch unterscheidet sich die degenerative von der gewöhnlichen Kurzsichtigkeit?
Durch eine weit über das übliche Maß hinausgehende Augapfelverlängerung mit fortschreitenden strukturellen Schädigungen der Netzhaut sowie Aderhaut.
Welche Rolle spielt die Vererbung?
Eine zentrale Rolle, die Erkrankung tritt deutlich gehäuft innerhalb betroffener Familien auf.
Welche schwerwiegende Komplikation kann auftreten?
Insbesondere eine Netzhautablösung sowie krankhafte Gefäßneubildungen im Bereich der zentralen Netzhaut.
Wie wird eine krankhafte Gefäßneubildung behandelt?
Mit einer gezielt in das Auge injizierten medikamentösen Behandlung, die das Gefäßwachstum wirksam hemmt.
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