Chronische multifokale Osteomyelitis (CRMO)
Die chronische multifokale Osteomyelitis, auch als chronisch rekurrierende multifokale Osteomyelitis oder mit der Abkürzung CRMO bezeichnet, ist eine seltene, nicht-infektiöse, autoimmun bedingte Knochenentzündung, die im Unterschied zur klassischen, durch Bakterien verursachten Osteomyelitis nicht auf einer tatsächlichen Infektion beruht, sondern durch eine fehlgeleitete Reaktion des körpereigenen Immunsystems gegen das eigene Knochengewebe entsteht. Die Erkrankung betrifft charakteristischerweise mehrere, oft wechselnde Stellen des Skeletts gleichzeitig oder im zeitlichen Verlauf nacheinander und verläuft in wiederkehrenden Schüben, die sich mit Phasen relativer Beschwerdefreiheit abwechseln. Die chronische multifokale Osteomyelitis tritt überwiegend bei Kindern sowie Jugendlichen auf und stellt eine wichtige, jedoch nicht immer sofort erkannte Differenzialdiagnose bei rätselhaften, wiederkehrenden Knochenschmerzen in diesem Lebensalter dar.
Ursachen
Die genaue Ursache der chronischen multifokalen Osteomyelitis ist nicht abschließend geklärt, wobei eine fehlgeleitete, autoimmune Reaktion des körpereigenen Immunsystems gegen das eigene Knochengewebe als zugrunde liegender Mechanismus angenommen wird, ohne dass eine tatsächliche bakterielle oder virale Infektion der betroffenen Knochenareale nachweisbar ist. Eine erbliche Veranlagung spielt bei der Entstehung der Erkrankung eine bedeutsame Rolle, wobei bei einem Teil der Betroffenen Veränderungen bestimmter, an der Regulation der körpereigenen Entzündungsreaktion beteiligter Gene identifiziert werden konnten. Die Erkrankung tritt zudem gehäuft gemeinsam mit bestimmten anderen entzündlichen Hauterkrankungen, insbesondere der Psoriasis sowie bestimmten entzündlichen Darmerkrankungen, auf, was auf einen gemeinsamen zugrunde liegenden immunologischen Mechanismus hindeutet.
Symptome
Die chronische multifokale Osteomyelitis äußert sich durch wiederkehrende, schubweise auftretende Knochenschmerzen, die charakteristischerweise mehrere, oft wechselnde Skelettstellen betreffen und häufig von einer lokalen Schwellung sowie Überwärmung der betroffenen Region begleitet werden. Bevorzugt betroffen sind die langen Röhrenknochen der Arme sowie Beine, insbesondere in der Nähe der Wachstumsfugen, sowie das Schlüsselbein, wobei bei einem erheblichen Teil der Betroffenen zusätzlich die Wirbelsäule sowie das Becken betroffen sein können. Die Beschwerden bestehen typischerweise über Wochen bis Monate in Schüben, die sich mit Phasen relativer Beschwerdefreiheit abwechseln, wobei begleitend bei einem Teil der Betroffenen leichtes Fieber sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl bestehen kann.
Diagnostik
Die Diagnose der chronischen multifokalen Osteomyelitis wird durch eine Kombination aus dem charakteristischen klinischen Verlauf mit wiederkehrenden, mehrere Skelettstellen betreffenden Knochenschmerzen sowie einer gezielten Bildgebung gestellt, wobei eine Ganzkörper-Magnetresonanztomografie besonders geeignet ist, um sämtliche, auch klinisch noch stumme betroffene Knochenareale zuverlässig zu erfassen. Eine Blutuntersuchung zeigt bei den meisten Betroffenen nur gering erhöhte Entzündungswerte, während die für eine tatsächliche bakterielle Infektion typischen, stark erhöhten Entzündungsparameter in aller Regel fehlen. Bei unklarem Befund oder zur sicheren Abgrenzung von einer tatsächlichen bakteriellen Osteomyelitis oder einer bösartigen Knochenerkrankung wird eine Gewebeprobe des betroffenen Knochens entnommen, die das charakteristische, nicht-infektiöse Entzündungsmuster der Erkrankung zeigt.
Behandlung
Die Behandlung der chronischen multifokalen Osteomyelitis erfolgt in erster Linie mit entzündungshemmenden Medikamenten, die bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen zu einer deutlichen Linderung der Schmerzen sowie einer Verringerung der Krankheitsschübe beitragen. Bei unzureichendem Ansprechen auf diese Basisbehandlung sowie bei besonders ausgeprägten, häufig wiederkehrenden Verläufen können weiterführende, gezielt das Immunsystem beeinflussende Medikamente eingesetzt werden, die auch bei anderen autoimmun bedingten Erkrankungen des Bewegungsapparats zur Anwendung kommen. Eine begleitende physiotherapeutische Behandlung unterstützt den Erhalt der Beweglichkeit sowie Funktion der betroffenen Gelenke während sowie zwischen den akuten Krankheitsschüben.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf der chronischen multifokalen Osteomyelitis ist sehr unterschiedlich und reicht von einem milden, sich nach wenigen Jahren spontan zurückbildenden Verlauf bis zu einem über viele Jahre anhaltenden, schubweisen Krankheitsverlauf, der eine langfristige Behandlung erfordert. Bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen bildet sich die Erkrankung im Verlauf mehrerer Jahre, häufig mit Erreichen des Erwachsenenalters, spontan zurück, wobei bei einem Teil der Betroffenen bleibende Veränderungen der betroffenen Knochenstruktur, insbesondere bei Beteiligung der Wirbelsäule, zurückbleiben können. Eine regelmäßige, langfristige Verlaufskontrolle wird bei bestehender chronischer multifokaler Osteomyelitis empfohlen, um das Fortschreiten der Erkrankung sowie mögliche bleibende Veränderungen der betroffenen Knochenstrukturen frühzeitig zu erfassen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Chronische multifokale Osteomyelitis (CRMO): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Handelt es sich um eine tatsächliche Knocheninfektion?
Nein, im Unterschied zur klassischen Osteomyelitis liegt keine tatsächliche bakterielle Infektion vor, sondern eine autoimmune Entzündungsreaktion.
Welche Altersgruppe ist überwiegend betroffen?
Kinder sowie Jugendliche.
Mit welchen anderen Erkrankungen tritt sie gehäuft gemeinsam auf?
Insbesondere mit der Psoriasis sowie bestimmten entzündlichen Darmerkrankungen.
Welche Untersuchung eignet sich besonders zur Diagnosestellung?
Eine Ganzkörper-Magnetresonanztomografie, um sämtliche betroffene Knochenareale zu erfassen.
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