Cholinesterasehemmer-Vergiftung
Eine Cholinesterasehemmer-Vergiftung entsteht durch den Kontakt mit bestimmten Insektiziden auf Organophosphat- oder Carbamat-Basis oder, seltener, mit militärisch genutzten Nervenkampfstoffen, die alle das Enzym Cholinesterase im Körper blockieren. Dieses Enzym baut normalerweise den Nervenbotenstoff Acetylcholin ab; fehlt diese Kontrolle, kommt es zu einer massiven Überaktivierung des Nervensystems mit einer charakteristischen Symptomkombination.
Ursachen
In landwirtschaftlich geprägten Regionen entstehen Vergiftungen meist durch unsachgemäßen Umgang mit entsprechenden Insektiziden, etwa durch Hautkontakt ohne Schutzkleidung, versehentliches Verschlucken oder Einatmen bei der Anwendung. Seltener entstehen Vergiftungen durch eine absichtliche Einnahme in suizidaler Absicht. Nervenkampfstoffe wirken nach demselben Prinzip, kommen jedoch nur in seltenen, meist absichtlichen Anschlagsszenarien zum Einsatz.
Symptome
Die durch den Acetylcholin-Überschuss verursachten Beschwerden lassen sich in typische Gruppen einteilen: vermehrter Speichel-, Tränen- und Schweißfluss, enge Pupillen, Erbrechen und Durchfall sowie eine langsame Herzfrequenz. Zusätzlich kommt es zu Muskelzuckungen und Muskelschwäche bis hin zu einer Lähmung der Atemmuskulatur sowie, im zentralen Nervensystem, zu Verwirrtheit, Krampfanfällen und Bewusstlosigkeit. Der charakteristische Geruch mancher Organophosphate kann bereits einen wichtigen Hinweis liefern.
Diagnostik
Die Diagnose stützt sich zunächst auf das charakteristische Beschwerdebild in Kombination mit einer bekannten oder vermuteten Exposition gegenüber entsprechenden Substanzen. Die Bestimmung der Cholinesterase-Aktivität im Blut bestätigt die Vergiftung und gibt Hinweise auf deren Schweregrad, wobei der genaue Wert nicht immer unmittelbar zur Verfügung steht und die Behandlung deshalb häufig bereits vor Erhalt des Ergebnisses beginnt.
Behandlung
Die betroffene Person muss zunächst von der weiteren Giftquelle entfernt und kontaminierte Kleidung unter Schutz der Helfenden entfernt werden, um eine Vergiftung der Ersthelfer zu vermeiden. Atropin wird in ausreichend hoher, wiederholter Dosierung verabreicht, um die durch den Acetylcholin-Überschuss verursachten Beschwerden zu lindern. Zusätzlich kann das Medikament Obidoxim eingesetzt werden, das die Cholinesterase-Blockade an der Muskulatur teilweise wieder aufheben kann, wenn es rechtzeitig gegeben wird.
Verlauf und Prognose
Bei rechtzeitiger Behandlung mit ausreichend hoch dosiertem Atropin überleben die meisten Betroffenen auch schwere Vergiftungen ohne bleibende Schäden. Unbehandelt oder bei sehr hoher Giftmenge kann die Vergiftung durch eine Lähmung der Atemmuskulatur rasch tödlich verlaufen. Nach einer schweren Vergiftung kann es bei einem Teil der Betroffenen zu einer verzögert auftretenden Nervenschädigung an den Beinen kommen, die eine langfristige neurologische Nachsorge erfordert.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Cholinesterasehemmer-Vergiftung: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum ist der Eigenschutz von Ersthelfern bei dieser Vergiftung so wichtig?
Weil kontaminierte Kleidung und Haut die Giftstoffe weitergeben können, sodass Helfende ohne entsprechenden Schutz selbst vergiftet werden können.
Wie wirkt das Medikament Atropin bei dieser Vergiftung?
Es lindert die durch den Acetylcholin-Überschuss verursachten Beschwerden wie vermehrten Speichelfluss, langsamen Herzschlag und enge Pupillen.
Kann die Cholinesterase-Blockade wieder aufgehoben werden?
Teilweise ja, das Medikament Obidoxim kann die Blockade an der Muskulatur aufheben, wenn es rechtzeitig nach der Vergiftung gegeben wird.
Gibt es Spätfolgen nach einer schweren Vergiftung?
Bei einem Teil der Betroffenen kann es zu einer verzögert auftretenden Nervenschädigung an den Beinen kommen, die eine langfristige neurologische Nachsorge erfordert.
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