Ein Angebot von Personal Paramedic e.K. · DGUV-anerkannte Ausbildungsstätte (8.2018)
Symptome

Ausfluss aus der Harnröhre

Ausfluss aus der Harnröhre bezeichnet ein von der normalen Urinausscheidung unabhängiges, meist schleimiges bis eitriges Sekret, das aus der Harnröhrenöffnung austritt und in den meisten Fällen auf eine Entzündung der Harnröhre (Urethritis) zurückgeht. Da die Harnröhre bei Männern deutlich länger ist als bei Frauen, wird dieses Symptom bei Männern häufiger und eindeutiger bemerkt, während es bei Frauen aufgrund der kürzeren Harnröhre und der räumlichen Nähe zur Scheide seltener isoliert auffällt. Ausfluss aus der Harnröhre hat häufig, aber nicht ausschließlich eine sexuell übertragbare Ursache, weshalb bei diesem Symptom sowohl an die eigene gezielte Behandlung als auch an eine mögliche mitbetroffene Partnerin oder einen mitbetroffenen Partner gedacht werden sollte.

Ursachen

Die häufigste Ursache eines Ausflusses aus der Harnröhre ist eine sexuell übertragbare Infektion, insbesondere durch Chlamydien oder Gonokokken, die Erreger der Gonorrhoe (Tripper), die beide über ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden. Auch andere sexuell übertragbare Erreger können eine Entzündung der Harnröhre mit entsprechendem Ausfluss verursachen. Seltener entsteht eine Harnröhrenentzündung ohne sexuell übertragbare Ursache, etwa durch eine mechanische Reizung im Rahmen eines Blasenkatheters, durch bestimmte chemische Reizstoffe oder im Rahmen einer allgemeinen Harnwegsinfektion, bei der sich die Entzündung auch auf die Harnröhre ausdehnt. Bei wiederkehrendem Ausfluss ohne eindeutigen Erregernachweis kann in seltenen Fällen eine nichtinfektiöse, reaktive Entzündung der Harnröhre im Rahmen bestimmter rheumatischer Erkrankungen zugrunde liegen.

Symptome

Betroffene bemerken ein schleimiges bis eitriges Sekret aus der Harnröhrenöffnung, das unabhängig vom Wasserlassen auftreten und je nach Erreger unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann, wobei eine Gonokokkeninfektion häufig zu einem deutlich eitrigeren, reichlicheren Ausfluss führt als eine Chlamydieninfektion. Begleitend bestehen häufig ein brennendes Gefühl oder Schmerzen beim Wasserlassen sowie ein Jucken oder Kribbeln im Bereich der Harnröhrenöffnung. Bei manchen Betroffenen, insbesondere bei einer Chlamydieninfektion, können die Beschwerden auch nur sehr gering ausgeprägt oder vollständig fehlend sein, obwohl eine Infektion vorliegt, was das Risiko einer unbemerkten Weiterverbreitung erhöht. Unbehandelt kann sich die Entzündung auf benachbarte Strukturen wie die Nebenhoden oder, bei Frauen, die inneren Geschlechtsorgane ausbreiten und dort weitere Beschwerden verursachen.

Diagnostik

Die Diagnose wird durch eine körperliche Untersuchung sowie durch eine gezielte Untersuchung des Ausflusses beziehungsweise eines Harnröhrenabstrichs auf die üblichen Erreger, insbesondere Chlamydien und Gonokokken, gestellt. Eine Urinuntersuchung kann zusätzliche Hinweise auf eine begleitende Harnwegsinfektion liefern. Da eine sexuell übertragbare Infektion häufig zugrunde liegt, wird in der Regel gleichzeitig auf weitere sexuell übertragbare Erkrankungen getestet, da diese gehäuft gemeinsam auftreten können. Bei Verdacht auf eine nichtinfektiöse, reaktive Ursache im Rahmen einer rheumatischen Erkrankung werden zusätzliche Untersuchungen zur Abklärung dieser Grunderkrankung eingeleitet. Eine vertrauliche Sexualanamnese ist wichtiger Bestandteil der Abklärung, um das Übertragungsrisiko sowie mögliche Kontaktpersonen einschätzen zu können.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach dem nachgewiesenen Erreger und erfolgt in der Regel mit einer gezielten antibiotischen Behandlung, wobei bei Chlamydien- und Gonokokkeninfektionen aufgrund häufiger gleichzeitiger Infektionen mit beiden Erregern mitunter zunächst eine Behandlung gegen beide möglichen Erreger begonnen wird, bis das genaue Testergebnis vorliegt. Während der Behandlung sollte auf sexuelle Kontakte verzichtet werden, um eine Weiterübertragung sowie eine erneute Ansteckung zu vermeiden. Da es sich häufig um eine sexuell übertragbare Infektion handelt, sollten auch Sexualpartnerinnen und Sexualpartner der letzten Wochen informiert und mituntersucht beziehungsweise mitbehandelt werden, um eine sogenannte Ping-Pong-Infektion mit wiederholter gegenseitiger Ansteckung zu verhindern. Bei nichtinfektiöser, reaktiver Ursache richtet sich die Behandlung nach der zugrunde liegenden rheumatischen Erkrankung.

Verlauf und Prognose

Bei rechtzeitiger Diagnose und gezielter antibiotischer Behandlung heilt eine durch Chlamydien oder Gonokokken verursachte Harnröhrenentzündung in der Regel folgenlos aus. Bleibt die Infektion unbehandelt, insbesondere wenn sie aufgrund geringer oder fehlender Beschwerden unbemerkt bleibt, kann sie sich auf benachbarte Strukturen ausbreiten und bei Männern zu einer Nebenhodenentzündung, bei Frauen zu einer Entzündung der inneren Geschlechtsorgane mit möglichen Folgen für die Fruchtbarkeit führen. Eine konsequente Mitbehandlung von Sexualpartnerinnen und Sexualpartnern ist entscheidend, um eine erneute Ansteckung nach abgeschlossener eigener Behandlung zu vermeiden. Insgesamt ist die Prognose bei rechtzeitiger, vollständiger Behandlung sehr gut, weshalb bei entsprechenden Beschwerden eine zeitnahe ärztliche Abklärung empfohlen wird.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Ist Ausfluss aus der Harnröhre immer sexuell übertragbar?

Meist ja, am häufigsten durch Chlamydien oder Gonokokken, es gibt jedoch auch seltenere, nicht sexuell übertragbare Ursachen wie eine mechanische Reizung oder eine reaktive Entzündung im Rahmen bestimmter rheumatischer Erkrankungen.

Kann eine Chlamydieninfektion auch ohne Beschwerden verlaufen?

Ja, bei manchen Betroffenen sind die Beschwerden sehr gering ausgeprägt oder fehlen vollständig, obwohl eine Infektion vorliegt, was das Risiko einer unbemerkten Weiterverbreitung erhöht.

Warum müssen Sexualpartnerinnen und Sexualpartner mitbehandelt werden?

Um eine sogenannte Ping-Pong-Infektion zu verhindern, bei der sich Partner nach abgeschlossener eigener Behandlung gegenseitig erneut anstecken, wenn der andere Partner unbehandelt bleibt.

Welche Folgen kann eine unbehandelte Harnröhreninfektion haben?

Sie kann sich auf benachbarte Strukturen ausbreiten und bei Männern zu einer Nebenhodenentzündung, bei Frauen zu einer Entzündung der inneren Geschlechtsorgane mit möglichen Folgen für die Fruchtbarkeit führen.

Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen

Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.

Kurs finden Inhouse anfragen