Erworbene Deformitäten der Finger und Zehen
Erworbene Deformitäten der Finger und Zehen bezeichnen im Laufe des Lebens entstandene, also nicht angeborene Fehlstellungen einzelner Gelenke der Finger oder Zehen, die zu einer veränderten Form und häufig auch zu einer eingeschränkten Funktion der betroffenen Gliedmaße führen. Solche Fehlstellungen entwickeln sich meist langsam über Jahre und können durch verschiedene zugrunde liegende Erkrankungen der Gelenke, Sehnen oder Bänder verursacht werden. Da Finger und Zehen für das Greifen, die Feinmotorik sowie einen stabilen Gang von großer funktioneller Bedeutung sind, können ausgeprägte Deformitäten sowohl die Handhabung von Alltagsgegenständen als auch das Gehen und die Wahl geeigneten Schuhwerks erheblich erschweren.
Ursachen
Erworbene Deformitäten der Finger entstehen häufig im Rahmen einer fortgeschrittenen Fingergelenksarthrose, bei der der zunehmende Verschleiß des Gelenkknorpels zu einer Verformung sowie zu charakteristischen, knotigen Auftreibungen an den Fingerendgelenken führen kann. Auch eine rheumatoide Arthritis kann durch die chronische Entzündung der Gelenke und der umgebenden Sehnenstrukturen zu ausgeprägten, oft mehrere Finger gleichzeitig betreffenden Fehlstellungen führen. Erworbene Deformitäten der Zehen, insbesondere die Fehlstellung der Großzehe nach außen, entstehen meist durch eine Kombination aus einer familiären Veranlagung zu einer Bindegewebsschwäche und dem langjährigen Tragen von zu engem oder spitz zulaufendem Schuhwerk, das die natürliche Stellung der Zehen ungünstig beeinflusst. Auch neurologische Erkrankungen, die das Gleichgewicht der Muskulatur an Hand oder Fuß stören, können zu erworbenen Fehlstellungen beitragen.
Symptome
Betroffene bemerken eine allmählich zunehmende, sichtbare Veränderung der Form eines oder mehrerer Finger- beziehungsweise Zehengelenke, die häufig von Schmerzen, insbesondere bei Belastung oder Druck, begleitet wird. An den Fingern kann die Deformität zu einer eingeschränkten Greiffähigkeit sowie zu Schwierigkeiten bei feinmotorischen Tätigkeiten wie dem Zuknöpfen von Kleidung führen. An den Zehen, insbesondere bei einer Fehlstellung der Großzehe, kommt es häufig zu einer schmerzhaften, geröteten Vorwölbung am Fußinnenrand, die durch den Druck von Schuhwerk zusätzlich gereizt werden kann, sowie zu einer zunehmenden Verdrängung der benachbarten Zehen. Bei ausgeprägten Fehlstellungen kann zudem die Wahl passenden Schuhwerks erheblich erschwert sein, was die Beschwerden zusätzlich verstärken kann.
Diagnostik
Die Diagnose wird durch eine körperliche Untersuchung gestellt, bei der die Form, die Beweglichkeit sowie eine mögliche Druckempfindlichkeit der betroffenen Gelenke beurteilt werden. Eine Röntgenuntersuchung der betroffenen Hand oder des Fußes zeigt das Ausmaß der zugrunde liegenden Gelenkveränderung, etwa den Grad der Arthrose oder der entzündlichen Gelenkzerstörung, sowie den genauen Winkel einer Fehlstellung, was insbesondere bei der Planung einer möglichen operativen Behandlung wichtig ist. Bei Verdacht auf eine zugrunde liegende entzündlich-rheumatische Erkrankung werden zusätzliche Blutuntersuchungen durchgeführt. Eine sorgfältige Erfassung der individuellen Beschwerden im Alltag, etwa bei bestimmten Greiftätigkeiten oder beim Gehen, hilft dabei, die Auswirkungen der Deformität auf die tatsächliche Funktionsfähigkeit einzuschätzen.
Behandlung
Bei geringeren, wenig beschwerdeverursachenden Deformitäten stehen zunächst konservative Maßnahmen im Vordergrund, etwa eine Anpassung des Schuhwerks bei Zehendeformitäten, die Verwendung von Schienen oder Orthesen sowie eine gezielte Physiotherapie zur Erhaltung der verbliebenen Beweglichkeit. Entzündungshemmende Medikamente können bei akuten Beschwerdephasen zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Liegt der Deformität eine rheumatoide Arthritis zugrunde, ist eine konsequente Behandlung dieser Grunderkrankung von zentraler Bedeutung, um ein weiteres Fortschreiten der Gelenkzerstörung zu verlangsamen. Bei ausgeprägten Deformitäten mit erheblicher Funktionseinschränkung oder starken Schmerzen, die auf konservative Maßnahmen nicht ausreichend ansprechen, kann eine operative Korrektur der Fehlstellung erwogen werden, um Funktion und Beschwerdefreiheit zu verbessern.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf erworbener Deformitäten der Finger und Zehen ist meist langsam fortschreitend, insbesondere wenn die zugrunde liegende Ursache, etwa eine Arthrose oder eine rheumatoide Arthritis, nicht ausreichend behandelt wird. Bei konsequenter konservativer Behandlung sowie, bei rheumatischer Ursache, guter Kontrolle der Grunderkrankung lässt sich das Fortschreiten der Deformität bei vielen Betroffenen deutlich verlangsamen. Nach einer operativen Korrektur kann bei einem erheblichen Teil der Betroffenen eine deutliche Verbesserung der Funktion sowie eine Linderung der Beschwerden erreicht werden, wobei das Ergebnis von der genauen Art und dem Ausmaß der ursprünglichen Deformität abhängt. Eine frühzeitige Behandlung der zugrunde liegenden Ursache trägt wesentlich dazu bei, das Ausmaß der Fehlstellung sowie die daraus resultierende Funktionseinschränkung zu begrenzen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Erworbene Deformitäten der Finger und Zehen: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was ist die häufigste Ursache erworbener Zehendeformitäten?
Meist eine Kombination aus familiärer Veranlagung zu einer Bindegewebsschwäche und dem langjährigen Tragen von zu engem oder spitz zulaufendem Schuhwerk, was insbesondere zur Fehlstellung der Großzehe nach außen beitragen kann.
Warum führt rheumatoide Arthritis häufig zu Fingerdeformitäten?
Weil die chronische Entzündung der Gelenke und der umgebenden Sehnenstrukturen im Verlauf zu einer Zerstörung der stabilisierenden Strukturen führt, wodurch sich charakteristische, oft mehrere Finger gleichzeitig betreffende Fehlstellungen entwickeln können.
Muss jede Zehen- oder Fingerdeformität operiert werden?
Nein, bei geringeren, wenig beschwerdeverursachenden Deformitäten stehen zunächst konservative Maßnahmen wie angepasstes Schuhwerk, Schienen oder Physiotherapie im Vordergrund. Eine Operation wird meist erst bei erheblicher Funktionseinschränkung oder starken Schmerzen erwogen.
Kann man dem Fortschreiten einer Deformität vorbeugen?
Bei bekannter Grunderkrankung, etwa Arthrose oder rheumatoider Arthritis, kann eine konsequente Behandlung dieser Erkrankung sowie angepasstes Schuhwerk das Fortschreiten der Fehlstellung deutlich verlangsamen.
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