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Psyche & Nervensystem

Atypische Bulimia nervosa

Die atypische Bulimia nervosa ist eine Essstörung, die durch wiederkehrende Essanfälle mit anschließenden gegensteuernden Maßnahmen wie selbstinduziertem Erbrechen, Fasten oder exzessivem Sport gekennzeichnet ist, ohne dass alle diagnostischen Kriterien der klassischen Bulimia nervosa vollständig erfüllt sind. Dies kann sich etwa darin äußern, dass die Essanfälle seltener auftreten als für die Diagnose der klassischen Form vorausgesetzt, oder dass einzelne charakteristische Begleitmerkmale nicht in vollem Ausmaß vorliegen. Auch bei dieser Form stehen die ausgeprägte gedankliche Beschäftigung mit Gewicht und Körperform sowie ein starker, oft von Scham begleiteter Kontrollverlust während der Essanfälle im Zentrum des Störungsbildes, weshalb sie trotz unvollständiger Kriterienerfüllung als klinisch bedeutsame, behandlungsbedürftige Erkrankung gilt.

Ursachen

Die Ursachen der atypischen Bulimia nervosa entsprechen im Wesentlichen denen der klassischen Form und beruhen auf einem Zusammenspiel genetischer, psychologischer und soziokultureller Einflüsse. Eine familiäre Veranlagung zu Essstörungen, ein vermindertes Selbstwertgefühl, ausgeprägter Perfektionismus sowie ein hohes Ausmaß an Körperunzufriedenheit gelten als bedeutsame Risikofaktoren. Häufig entwickeln sich die Essanfälle als Reaktion auf strenge, selbst auferlegte Diätvorgaben, emotionale Belastungen oder Stress, wobei das anschließende gegensteuernde Verhalten als Versuch dient, den empfundenen Kontrollverlust und die damit verbundenen Schuldgefühle zu bewältigen. Bei der atypischen Form wird angenommen, dass individuelle Unterschiede in Häufigkeit oder Ausprägung der Symptome dazu führen, dass trotz vergleichbarer psychischer Dynamik nicht alle Kriterien der klassischen Bulimia nervosa erfüllt werden.

Symptome

Betroffene erleben wiederkehrende Episoden von Essanfällen, bei denen in kurzer Zeit große Mengen an Nahrung aufgenommen werden, begleitet von einem ausgeprägten Gefühl des Kontrollverlusts. Im Anschluss folgen häufig gegensteuernde Maßnahmen wie selbstinduziertes Erbrechen, der Missbrauch von Abführmitteln, strenges Fasten oder exzessive körperliche Betätigung, um einer befürchteten Gewichtszunahme entgegenzuwirken. Charakteristisch ist zudem eine ausgeprägte, oft übermäßige Bedeutung, die dem eigenen Körpergewicht und der Figur für das Selbstwertgefühl beigemessen wird. Anders als bei der klassischen Form können Häufigkeit oder Ausprägung dieser Verhaltensweisen geringer ausfallen, dennoch erleben viele Betroffene erheblichen Leidensdruck, Scham- und Schuldgefühle sowie häufig begleitende depressive Symptome.

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Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt durch ein einfühlsames klinisches Gespräch, in dem Essverhalten, Häufigkeit und Art der Essanfälle sowie der gegensteuernden Maßnahmen und die Bedeutung von Gewicht und Figur für das Selbstwertgefühl erfasst werden. Eine körperliche Untersuchung dient dem Ausschluss organischer Ursachen sowie der Einschätzung möglicher körperlicher Folgeschäden, etwa durch wiederholtes Erbrechen. Die Diagnose der atypischen Bulimia nervosa wird gestellt, wenn wesentliche Merkmale der klassischen Form vorliegen, jedoch mindestens ein zentrales Kriterium, etwa die erforderliche Mindesthäufigkeit der Essanfälle, nicht vollständig erfüllt ist. Aufgrund der häufig bestehenden Scham sprechen Betroffene ihre Symptome oft nicht von selbst an, weshalb eine sensible, nicht wertende Gesprächsführung besonders wichtig ist.

Behandlung

Die Behandlung der atypischen Bulimia nervosa orientiert sich eng an der Behandlung der klassischen Form und stützt sich in erster Linie auf Psychotherapie, insbesondere kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze, die auf eine Normalisierung des Essverhaltens, den Abbau von Essanfällen und gegensteuernden Maßnahmen sowie die Bearbeitung dysfunktionaler Überzeugungen zu Gewicht und Körperbild abzielen. Ergänzend kann eine Ernährungsberatung helfen, ein regelmäßiges, stabiles Essverhalten aufzubauen. Bei ausgeprägten körperlichen Folgeschäden, etwa durch wiederholtes Erbrechen, ist eine begleitende ärztliche Betreuung wichtig. Auch begleitende psychische Belastungen wie depressive Verstimmungen oder Angstzustände sollten im Rahmen der Behandlung berücksichtigt werden, da sie das Essverhalten häufig zusätzlich beeinflussen.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf der atypischen Bulimia nervosa ist individuell unterschiedlich und hängt von der Häufigkeit der Symptome, der Krankheitsdauer sowie dem Zeitpunkt des Behandlungsbeginns ab. Ohne Behandlung besteht das Risiko, dass sich die Symptomatik verstärkt und im Verlauf das Vollbild einer klassischen Bulimia nervosa entwickelt. Mit frühzeitiger, konsequenter psychotherapeutischer Behandlung erreichen jedoch viele Betroffene eine deutliche Reduktion oder ein vollständiges Sistieren der Essanfälle sowie eine Verbesserung des Körperbildes und des allgemeinen psychischen Wohlbefindens. Da Scham häufig eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit dem Gesundheitssystem verzögert, ist eine offene, nicht wertende Ansprache besonders wichtig, um Betroffenen den Zugang zu wirksamer Behandlung zu erleichtern.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Worin unterscheidet sich die atypische von der klassischen Bulimia nervosa?

Bei der atypischen Form sind wesentliche Merkmale wie Essanfälle und gegensteuerndes Verhalten vorhanden, jedoch ist mindestens ein diagnostisches Kriterium, etwa die erforderliche Häufigkeit der Essanfälle, nicht vollständig erfüllt.

Warum fällt es Betroffenen oft schwer, über ihre Symptome zu sprechen?

Essanfälle und gegensteuerndes Verhalten sind häufig mit erheblicher Scham verbunden, weshalb viele Betroffene ihre Symptome lange verheimlichen und erst spät professionelle Hilfe suchen.

Welche körperlichen Folgen kann wiederholtes Erbrechen haben?

Wiederholtes Erbrechen kann unter anderem zu Elektrolytstörungen, Zahnschäden und Reizungen der Speiseröhre führen, weshalb eine ärztliche Mitbetreuung wichtig ist.

Ist eine vollständige Genesung möglich?

Ja, mit konsequenter psychotherapeutischer Behandlung erreichen viele Betroffene eine deutliche Reduktion oder ein vollständiges Sistieren der Symptomatik sowie eine langfristige Stabilisierung.

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