Anorexia nervosa (Magersucht)
Die Anorexia nervosa, umgangssprachlich als Magersucht bezeichnet, ist eine schwere psychische Essstörung, bei der die betroffene Person durch eine bewusst stark eingeschränkte Nahrungsaufnahme sowie häufig zusätzliche Maßnahmen wie übermäßigen Sport ein deutlich untergewichtiges Körpergewicht herbeiführt sowie aufrechterhält, obwohl das objektiv niedrige Körpergewicht bereits mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Der Erkrankung liegt eine tief verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers zugrunde, bei der sich die betroffene Person trotz des objektiv bestehenden Untergewichts subjektiv als zu dick empfindet, verbunden mit einer ausgeprägten Angst vor einer Gewichtszunahme, die das gesamte Denken sowie Verhalten zunehmend bestimmt. Die Anorexia nervosa betrifft überwiegend Mädchen sowie junge Frauen, beginnt häufig bereits im Jugendalter und zählt zu den psychischen Erkrankungen mit der höchsten Sterblichkeit.
Veröffentlicht: 15. Sep. 2026 · Redaktion: Personal Paramedic e.K.
Ursachen
Die Entstehung der Anorexia nervosa wird als Zusammenspiel mehrerer, unterschiedlicher Faktoren verstanden, wobei eine erbliche Veranlagung, bestimmte Persönlichkeitsmerkmale wie ein ausgeprägtes Perfektionsstreben sowie eine hohe Leistungsorientierung sowie familiäre sowie gesellschaftliche Einflüsse, insbesondere ein von außen vermitteltes, überhöhtes Schlankheitsideal, gemeinsam zur Entstehung der Erkrankung beitragen können. Belastende Lebensereignisse, insbesondere im Zusammenhang mit den körperlichen Veränderungen der Pubertät oder mit familiären Konflikten, können bei entsprechend veranlagten jungen Menschen als auslösender Faktor für den Beginn der Erkrankung wirken. Ein anfänglich als kontrollierbar empfundenes Diätverhalten kann sich im Verlauf zu einer eigenständigen, selbstverstärkenden Erkrankung entwickeln, die sich zunehmend der bewussten Kontrolle der betroffenen Person entzieht.
Symptome
Die Anorexia nervosa äußert sich durch ein selbst herbeigeführtes, deutliches Untergewicht, das durch eine bewusst stark eingeschränkte Nahrungsaufnahme, häufig kombiniert mit übermäßigem Sport oder, bei einem Teil der Betroffenen, zusätzlichem Erbrechen oder dem Missbrauch von Abführmitteln, aufrechterhalten wird. Zentral für die Erkrankung ist eine tief verzerrte Körperwahrnehmung, bei der sich die betroffene Person trotz des objektiv bestehenden Untergewichts subjektiv als zu dick empfindet, verbunden mit einer ausgeprägten, das gesamte Denken bestimmenden Angst vor einer Gewichtszunahme. Als Folge der Mangelernährung entwickeln sich bei vielen Betroffenen zusätzlich körperliche Beschwerden, insbesondere ein Ausbleiben der Regelblutung, eine deutliche Kälteempfindlichkeit sowie eine feine Körperbehaarung als Zeichen der körperlichen Anpassung an die anhaltende Unterversorgung.
Diagnostik
Die Diagnose der Anorexia nervosa wird anhand des charakteristischen deutlichen Untergewichts gemeinsam mit der typischen, verzerrten Körperwahrnehmung sowie der ausgeprägten Angst vor einer Gewichtszunahme gestellt, wobei eine ausführliche psychiatrische sowie psychologische Untersuchung das Ausmaß der Erkrankung sowie mögliche begleitende psychische Störungen erfasst. Eine umfassende körperliche Untersuchung sowie Blutuntersuchung ist zur Erfassung des Ausmaßes der bereits eingetretenen körperlichen Folgeschäden der Mangelernährung, insbesondere von Elektrolytstörungen sowie einer verminderten Knochendichte, unerlässlich. Eine sorgfältige Einschätzung der akuten körperlichen Gefährdung ist von zentraler Bedeutung, da bei einem sehr niedrigen Körpergewicht eine unmittelbare, lebensbedrohliche Situation vorliegen kann.
Behandlung
Die Behandlung der Anorexia nervosa erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der eine gezielte psychotherapeutische Behandlung, eine ernährungstherapeutische Begleitung zur schrittweisen, ärztlich überwachten Gewichtszunahme sowie eine sorgfältige Behandlung der körperlichen Folgeschäden der Mangelernährung umfasst. Bei ausgeprägtem, akut lebensbedrohlichem Untergewicht wird eine stationäre Behandlung notwendig, bei der die Wiederernährung angesichts des Risikos einer gefährlichen Stoffwechselentgleisung, des sogenannten Refeeding-Syndroms, sehr behutsam sowie schrittweise erfolgen muss. Eine langfristige, ambulante psychotherapeutische Begleitung ist auch nach einer erfolgreichen Gewichtsnormalisierung von großer Bedeutung, um die zugrunde liegende verzerrte Körperwahrnehmung sowie die damit verbundenen psychischen Belastungen nachhaltig zu bearbeiten.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf der Anorexia nervosa ist sehr unterschiedlich, wobei ein erheblicher Teil der Betroffenen bei rechtzeitig eingeleiteter, konsequenter multidisziplinärer Behandlung eine dauerhafte Genesung erreicht, während bei einem Teil der Betroffenen ein chronischer, über viele Jahre anhaltender Krankheitsverlauf besteht. Die Anorexia nervosa zählt zu den psychischen Erkrankungen mit der höchsten Sterblichkeit, die sowohl durch die unmittelbaren körperlichen Folgen der schweren Mangelernährung als auch durch ein erhöhtes Suizidrisiko bedingt ist, weshalb eine möglichst frühzeitige Diagnosestellung sowie Behandlung von entscheidender Bedeutung ist. Eine anhaltende, engmaschige Nachbetreuung wird auch nach erfolgreicher Behandlung empfohlen, um ein Wiederauftreten der Erkrankung frühzeitig zu erkennen.
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Häufige Fragen
Wer ist überwiegend betroffen?
Überwiegend Mädchen sowie junge Frauen, häufig mit Beginn bereits im Jugendalter.
Was ist das zentrale psychische Merkmal der Erkrankung?
Eine tief verzerrte Körperwahrnehmung mit subjektivem Zu-dick-Fühlen trotz objektivem Untergewicht.
Warum muss die Wiederernährung bei stationärer Behandlung sehr behutsam erfolgen?
Wegen des Risikos einer gefährlichen Stoffwechselentgleisung, des sogenannten Refeeding-Syndroms.
Warum ist eine frühzeitige Behandlung so wichtig?
Weil die Erkrankung zu den psychischen Erkrankungen mit der höchsten Sterblichkeit zählt.
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