Andere psychische Störungen aufgrund einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns oder einer körperlichen Krankheit
Andere psychische Störungen aufgrund einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns oder einer körperlichen Krankheit sind eine diagnostische Restkategorie für psychische Auffälligkeiten, die nachweislich als direkte Folge einer organischen Hirnschädigung, einer Funktionsstörung des Gehirns oder einer körperlichen Erkrankung auftreten, sich jedoch keinem der klassischen, genauer definierten organisch bedingten Störungsbilder wie einer organischen Halluzinose, einer organischen wahnhaften Störung oder der organischen emotional labilen Störung eindeutig zuordnen lassen. Diese Kategorie erfasst somit ein klinisch bedeutsames, ursächlich klar organisch begründetes psychisches Störungsbild, dessen konkretes Symptommuster jedoch von den klassischen, klar umrissenen Kategorien abweicht oder Merkmale mehrerer dieser Kategorien in atypischer Kombination aufweist.
Ursachen
Die Ursache liegt definitionsgemäß in einer nachweisbaren körperlichen Erkrankung oder Schädigung des Gehirns, etwa einer neurologischen Erkrankung, einer Stoffwechselstörung, einer endokrinen Erkrankung oder einer anderen körperlichen Grunderkrankung, die das zentrale Nervensystem direkt oder indirekt beeinträchtigt. Charakteristisch für diese diagnostische Kategorie ist nicht eine spezifische Grunderkrankung, sondern die Tatsache, dass das resultierende psychische Symptombild von den klassischen, klar definierten organisch bedingten Störungsbildern abweicht. Dies kann etwa dann der Fall sein, wenn die psychische Symptomatik Merkmale mehrerer klassischer organischer Störungsbilder in ungewöhnlicher Kombination zeigt, oder wenn sie ein Erscheinungsbild aufweist, das keinem der etablierten Kategorien eindeutig entspricht, obwohl der ursächliche Zusammenhang mit der körperlichen Grunderkrankung eindeutig nachweisbar ist.
Symptome
Die Symptomatik ist bei dieser Restkategorie naturgemäß vielfältig und hängt von der jeweiligen zugrunde liegenden körperlichen Erkrankung sowie der individuellen Ausprägung der psychischen Folgeerscheinungen ab. Gemeinsam ist den betroffenen Personen, dass eine klinisch bedeutsame psychische Auffälligkeit besteht, die in einem plausiblen ursächlichen Zusammenhang mit einer körperlichen Erkrankung oder Hirnschädigung steht, ohne dass sich diese jedoch eindeutig einer der klassischen Kategorien wie Halluzinose, wahnhafter Störung oder emotional labiler Störung zuordnen lässt. Die Symptome können kognitive, emotionale oder verhaltensbezogene Auffälligkeiten umfassen, die in ihrer Kombination oder Ausprägung untypisch für die etablierten organischen Störungsbilder sind.
Diagnostik
Die Diagnostik erfordert zunächst den eindeutigen Nachweis einer zugrunde liegenden körperlichen Erkrankung oder Hirnschädigung durch geeignete medizinische Untersuchungen, etwa bildgebende Verfahren, Laboruntersuchungen oder neurologische Diagnostik, sowie den plausiblen ursächlichen Zusammenhang zwischen dieser Erkrankung und der psychischen Symptomatik. Anschließend erfolgt eine sorgfältige Prüfung, ob die vorliegende psychische Symptomatik einer der klassischen, genauer definierten Kategorien organisch bedingter psychischer Störungen zugeordnet werden kann. Erst wenn dies trotz sorgfältiger Diagnostik nicht eindeutig möglich ist, wird die Diagnose andere psychische Störungen aufgrund einer Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns gestellt. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Neurologie, innerer Medizin und Psychiatrie ist hierbei von großer Bedeutung.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich in erster Linie nach der zugrunde liegenden körperlichen Erkrankung, deren gezielte Behandlung, soweit möglich, häufig auch zu einer Besserung der psychischen Symptomatik beiträgt. Ergänzend erfolgt eine individuell auf die jeweilige psychische Symptomatik abgestimmte Behandlung, die je nach im Vordergrund stehenden Beschwerden psychotherapeutische, medikamentöse oder unterstützende Ansätze umfassen kann. Da sich das Symptombild nicht eindeutig einer klassischen Kategorie zuordnen lässt, ist eine besonders individuelle, flexible Behandlungsplanung erforderlich, die sich eng an den tatsächlich im Vordergrund stehenden Beschwerden der betroffenen Person orientiert, statt einem standardisierten Behandlungsschema zu folgen.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf ist eng mit dem Verlauf der zugrunde liegenden körperlichen Erkrankung verknüpft und daher individuell sehr unterschiedlich. Bei rückbildungsfähigen oder gut behandelbaren Grunderkrankungen kann sich auch die psychische Symptomatik im Zeitverlauf deutlich bessern, während bei chronischen oder fortschreitenden Grunderkrankungen die psychischen Auffälligkeiten häufig über einen längeren Zeitraum oder dauerhaft bestehen bleiben. Mit einer angemessenen Behandlung der Grunderkrankung sowie einer individuell abgestimmten psychiatrischen Begleitung lässt sich die Belastung durch die psychische Symptomatik häufig deutlich reduzieren, auch wenn die Prognose aufgrund der uneinheitlichen Symptomatik im Einzelfall schwerer vorherzusagen ist als bei den klassischen, klar definierten organischen Störungsbildern.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Psychische Folgen von Hirnschädigungen
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum lässt sich manchen psychischen Folgen körperlicher Erkrankungen keine klare Kategorie zuordnen?
Manche psychischen Symptombilder zeigen untypische Kombinationen oder weichen von den etablierten organischen Störungsbildern ab, sodass sie sich nicht eindeutig zuordnen lassen, obwohl der organische Ursprung eindeutig nachweisbar ist.
Muss immer eine körperliche Ursache nachgewiesen werden?
Ja, der eindeutige Nachweis einer zugrunde liegenden körperlichen Erkrankung oder Hirnschädigung sowie eines plausiblen ursächlichen Zusammenhangs ist notwendige Voraussetzung für diese Diagnose.
Wie wird diese Störung behandelt?
Im Vordergrund steht die Behandlung der zugrunde liegenden körperlichen Erkrankung, ergänzt durch eine individuell auf die psychische Symptomatik abgestimmte Behandlung.
Ist die Prognose vorhersehbar?
Die Prognose hängt eng mit dem Verlauf der zugrunde liegenden Erkrankung zusammen und ist aufgrund der uneinheitlichen Symptomatik im Einzelfall schwerer vorherzusagen als bei klar definierten Störungsbildern.
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