Abnorme Wehentätigkeit
Abnorme Wehentätigkeit bezeichnet Kontraktionen der Gebärmutter während der Geburt, die in ihrer Stärke, Häufigkeit, Dauer oder Koordination von dem abweichen, was für einen zügigen und effektiven Geburtsfortschritt erforderlich ist. Dazu zählen sowohl eine zu schwache Wehentätigkeit, die den Geburtsfortschritt verlangsamt, als auch eine übermäßig starke oder unkoordinierte Wehentätigkeit, die für die Mutter besonders belastend sein und in seltenen Fällen die Gebärmutter selbst gefährden kann. Normale Wehen bauen sich rhythmisch auf und wieder ab und werden mit fortschreitender Geburt in der Regel kräftiger, häufiger und regelmäßiger; weicht dieses Muster deutlich von der Norm ab, kann dies den natürlichen Ablauf der Geburt erheblich stören. Da eine abnorme Wehentätigkeit sowohl Ursache als auch Folge anderer Geburtskomplikationen sein kann, ist eine sorgfältige Beurteilung im Gesamtkontext der Geburtssituation notwendig.
Ursachen
Eine zu schwache Wehentätigkeit kann durch eine grundsätzliche Erschöpfung der Gebärmuttermuskulatur nach längerer Geburtsdauer, durch eine Überdehnung der Gebärmutter, etwa bei einer Mehrlingsschwangerschaft oder einem sehr großen Kind, sowie durch eine unzureichende hormonelle Stimulation entstehen. Eine übermäßig starke oder unkoordinierte Wehentätigkeit kann sich als Reaktion auf ein Geburtshindernis entwickeln, etwa bei einem Missverhältnis zwischen kindlichem Kopf und mütterlichem Becken, wenn der Körper versucht, den Widerstand durch verstärkte Kontraktionen zu überwinden. Auch eine vorzeitige Lösung der Plazenta kann zu ungewöhnlich starken, schmerzhaften Wehen führen. Eine übermäßige medikamentöse Wehenunterstützung kann ebenfalls eine zu starke oder unkoordinierte Wehentätigkeit hervorrufen, weshalb eine solche Behandlung stets sorgfältig dosiert und überwacht werden muss.
Symptome
Bei einer zu schwachen Wehentätigkeit berichten Betroffene über Kontraktionen, die als vergleichsweise mild empfunden werden und sich in ihrer Häufigkeit und Regelmäßigkeit nicht wie erwartet steigern, was mit einem ausbleibenden Geburtsfortschritt einhergeht. Eine übermäßig starke oder unkoordinierte Wehentätigkeit äußert sich durch besonders schmerzhafte, häufig auch ungewöhnlich lang anhaltende Kontraktionen mit nur kurzen Erholungspausen dazwischen, was für die Mutter erheblich belastend sein kann. Bei einer sehr starken, unkontrollierten Wehentätigkeit besteht in seltenen Fällen das Risiko eines Gebärmutterrisses, insbesondere bei Frauen mit einer vorangegangenen Kaiserschnittnarbe, was sich durch einen plötzlichen, stechenden Schmerz sowie Anzeichen eines Kreislaufschocks äußern kann und einen sofortigen geburtshilflichen Notfall darstellt. Auch beim Kind können sich bei starker, unkoordinierter Wehentätigkeit Anzeichen einer Belastung in der Herzfrequenzüberwachung zeigen.
Diagnostik
Die Beurteilung der Wehentätigkeit erfolgt durch eine kontinuierliche Überwachung mittels Kardiotokographie, die sowohl die kindliche Herzfrequenz als auch die Häufigkeit und relative Stärke der Wehen aufzeichnet. Bei Bedarf kann eine innere Wehenmessung mit einem in die Gebärmutter eingeführten Messkatheter eine noch genauere Beurteilung der tatsächlichen Wehenstärke ermöglichen. Eine regelmäßige vaginale Untersuchung dokumentiert, ob und wie schnell die Wehentätigkeit zu einem tatsächlichen Geburtsfortschritt führt, was für die Unterscheidung zwischen einer effektiven und einer ineffektiven, wenn auch möglicherweise subjektiv schmerzhaften, Wehentätigkeit entscheidend ist. Bei Verdacht auf ein zugrunde liegendes Geburtshindernis, etwa ein Missverhältnis zwischen kindlichem Kopf und mütterlichem Becken, werden zusätzliche Untersuchungen zur Klärung dieser möglichen Ursache veranlasst.
Behandlung
Bei einer zu schwachen Wehentätigkeit kann eine medikamentöse Wehenunterstützung eingesetzt werden, um die Kontraktionen zu verstärken und den Geburtsfortschritt anzuregen, wobei die Dosierung sorgfältig an die individuelle Reaktion angepasst und die kindliche Herzfrequenz dabei engmaschig überwacht wird. Bei einer übermäßig starken oder unkoordinierten Wehentätigkeit kann eine wehenhemmende Behandlung erwogen werden, um die Gebärmutter kurzfristig zu entspannen, insbesondere wenn Anzeichen einer kindlichen Belastung bestehen oder ein Gebärmutterriss droht. Eine gute Schmerzbehandlung kann bei übermäßig schmerzhaften Wehen zusätzlich zur Entlastung beitragen. Liegt der abnormen Wehentätigkeit ein Geburtshindernis wie ein Missverhältnis zwischen kindlichem Kopf und mütterlichem Becken zugrunde, wird in der Regel eine Schnittentbindung angestrebt, um sowohl Mutter als auch Kind vor den Risiken einer weiter fortgesetzten problematischen Wehentätigkeit zu schützen.
Verlauf und Prognose
Mit einer angemessenen, situationsgerechten Behandlung lässt sich eine zu schwache Wehentätigkeit bei vielen Frauen erfolgreich unterstützen, sodass dennoch eine vaginale Entbindung möglich ist. Eine übermäßig starke oder unkoordinierte Wehentätigkeit erfordert eine besonders aufmerksame Überwachung, da sich hieraus, insbesondere bei bestehenden Risikofaktoren wie einer vorangegangenen Kaiserschnittnarbe, ernste Komplikationen wie ein Gebärmutterriss entwickeln können, die eine sofortige notfallmäßige Behandlung erfordern. Bei rechtzeitiger Erkennung und angemessener Reaktion auf eine abnorme Wehentätigkeit ist die Prognose für Mutter und Kind in den allermeisten Fällen gut. Eine kontinuierliche geburtshilfliche Überwachung während der gesamten Geburt ist daher unerlässlich, um Abweichungen der Wehentätigkeit frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Abnorme Wehentätigkeit: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was versteht man unter einer zu schwachen Wehentätigkeit?
Kontraktionen der Gebärmutter, die zu mild, zu selten oder zu unregelmäßig sind, um einen zügigen Geburtsfortschritt zu ermöglichen, sodass sich die Eröffnung des Muttermundes oder das Tiefertreten des Kindes verlangsamt.
Ist eine sehr starke Wehentätigkeit immer gefährlich?
Nicht zwingend, aber sie kann für die Mutter besonders belastend sein und in seltenen Fällen, insbesondere bei einer vorangegangenen Kaiserschnittnarbe, das Risiko eines Gebärmutterrisses erhöhen, weshalb eine engmaschige Überwachung wichtig ist.
Wie wird eine zu schwache Wehentätigkeit behandelt?
Häufig durch eine medikamentöse Wehenunterstützung, die die Kontraktionen der Gebärmutter verstärkt, wobei die kindliche Herzfrequenz während der Behandlung engmaschig überwacht wird.
Warum wird bei starker, unkoordinierter Wehentätigkeit manchmal ein Kaiserschnitt empfohlen?
Wenn der abnormen Wehentätigkeit ein Geburtshindernis wie ein Missverhältnis zwischen kindlichem Kopf und mütterlichem Becken zugrunde liegt, kann eine Schnittentbindung sowohl Mutter als auch Kind vor den Risiken einer weiter fortgesetzten problematischen Wehentätigkeit schützen.
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