Wiederbelebung Schritt für Schritt: Prüfen, Rufen, Drücken
Wer eine Person findet, die nicht reagiert und nicht normal atmet, soll sofort den Notruf 112 wählen und mit der Herzdruckmassage beginnen. Die Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) und des Deutschen Rats für Wiederbelebung (GRC) fassen das in drei Schritten zusammen.
Was bedeutet „Prüfen, Rufen, Drücken“?
Die Leitlinien 2025 beschreiben drei Schritte, um Leben zu retten: Prüfen, ob die Annäherung sicher ist und ob die Person bei Bewusstsein ist, Rufen des Rettungsdienstes und Beurteilen der Atmung, Drücken — sofort mit der Herzdruckmassage beginnen, wenn die Person nicht reagiert und keine normale Atmung zeigt. Sobald ein AED verfügbar ist, wird er angeschlossen und seinen Anweisungen gefolgt. Bei Unsicherheit hilft der Mitarbeiter der Rettungsleitstelle am Telefon.
Woran wird ein Kreislaufstillstand erkannt?
Ein Kreislaufstillstand wird bei jeder Person vermutet, die nicht reagiert. Zeigt sie keine normale Atmung, ist von einem Kreislaufstillstand auszugehen. Langsame, mühsame Atmung, Röcheln oder Schnappen zählen ausdrücklich nicht als normale Atmung. Zu Beginn können kurze Krämpfe auftreten; sobald sie aufhören, wird die Atmung beurteilt. Im Zweifelsfall gilt: von einem Kreislaufstillstand ausgehen und mit der Wiederbelebung beginnen.
Wie wird der Notruf abgesetzt?
Wer ein Mobiltelefon hat, schaltet den Lautsprecher ein und wählt die 112. Die Atmung wird beurteilt, während auf die Verbindung gewartet wird. Neu in den Leitlinien 2025 ist, dass Laien die Atmung erst nach dem Notruf und mit Unterstützung der Leitstelle prüfen sollen, damit die Herzdruckmassage früher beginnen kann. Die Leitstelle gibt bei erkanntem Kreislaufstillstand Anweisungen zur Wiederbelebung (Telefonreanimation). Wer allein ist und kein Telefon hat, kann um Hilfe rufen; wenn niemand zu erwarten ist, wird die Person verlassen, um den Rettungsdienst so schnell wie möglich zu alarmieren.
Wie funktioniert die Herzdruckmassage?
Der Handballen einer Hand liegt auf der unteren Hälfte des Brustbeins („in der Mitte der Brust“), der Handballen der anderen Hand darauf, die Finger sind verschränkt. Die Arme bleiben gerade, die Schultern stehen senkrecht über der Brust. Gedrückt wird mindestens 5 cm, aber nicht mehr als 6 cm tief mit einer Frequenz von 100–120 pro Minute, möglichst ohne Unterbrechungen. Nach jeder Kompression federt der Brustkorb vollständig zurück; es wird nicht auf ihm aufgelehnt. Ist das Brustbein durch die Kleidung nicht sicher zu finden, ist es sinnvoll, die Kleidung zu entfernen.
Muss zusätzlich beatmet werden?
Nur wer in der Beatmung geschult ist, wechselt zwischen 30 Kompressionen und 2 Beatmungen. Wer nicht geschult ist, leistet ausschließlich ununterbrochene Herzdruckmassage. Die Leitlinie empfiehlt, nur so viel Luft zu geben, dass sich der Brustkorb hebt.
Und wenn die Person auf einem Bett liegt?
Die feste Unterlage ist am wirksamsten. Eine Person soll aber nicht eigens von einer weichen Unterlage wie einem Bett auf den Boden gelegt werden. Die Wiederbelebung beginnt auf dem Bett, und es wird tiefer gedrückt, um die weiche Matratze auszugleichen.
Wie passt der AED dazu?
Sobald ein Defibrillator zur Stelle ist, wird er eingeschaltet, die Elektroden werden auf die nackte Brust geklebt und die Sprachanweisungen befolgt. Details dazu stehen im Ratgeber AED: Wo hängt ein Defibrillator und wer darf ihn benutzen?
Was, wenn es doch kein Kreislaufstillstand war?
Laien sollen bei vermutetem Kreislaufstillstand mit der Wiederbelebung beginnen, ohne sich Gedanken über mögliche Schäden zu machen, falls doch kein Kreislaufstillstand vorlag. Das Infektionsrisiko für Helfende bei der Wiederbelebung wird in der Leitlinie als gering eingestuft. Rechtlich gilt: Unterlassene Hilfeleistung ist strafbar (§ 323c StGB), und wer bei einer Gefahr für eine andere Person hilft, haftet nach § 680 BGB nur für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit. Mehr dazu unter Pflicht und Haftung bei Erster Hilfe.
Warum zählen die ersten Minuten?
Die Leitlinien 2025 legen den Fokus noch stärker als zuvor auf die ersten drei bis fünf Minuten nach einem plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand; sie gelten laut Deutschem Rat für Wiederbelebung als entscheidend für das Überleben. Der Rat weist darauf hin, dass man nicht auf den Rettungsdienst warten darf. Deshalb steht die Herzdruckmassage durch Laien am Anfang der Rettungskette.
Welche Rolle hat die Rettungsleitstelle?
Die Leitstelle soll einen Kreislaufstillstand mit standardisierten Protokollen erkennen und jedem Anrufenden Anweisungen zur Wiederbelebung geben. Sie geht davon aus, dass der Anrufende nicht weiß, wie es geht, und leitet zunächst nur die Herzdruckmassage an; wer die Beatmung beherrscht, wird beim Verhältnis 30:2 unterstützt. Sobald die Wiederbelebung läuft, fragt die Leitstelle nach einem AED und leitet, wenn mehrere Personen da sind, jemanden zum nächsten Gerät. Wo Ersthelfersysteme bestehen, schickt sie registrierte Ersthelfende aus der Umgebung.
Was ist nach der Wiederbelebung wichtig?
Die Leitlinie erinnert daran, die psychische Situation von Laien und Umstehenden zu beachten und ihnen psychologische Unterstützung anzubieten. Der Einsatz kann belastend sein, auch wenn er sachgerecht verlief.
Wo lässt sich die Wiederbelebung üben?
Die Handgriffe lassen sich im Erste-Hilfe-Kurs praktisch trainieren. Wie ein Kurs aufgebaut ist, steht im Ratgeber Wie läuft ein Erste-Hilfe-Kurs ab?. Dieser Artikel behandelt die Wiederbelebung bei Erwachsenen; für Säuglinge und Kinder enthalten die Leitlinien eigene Vorgaben. Er ersetzt keine Ausbildung.
Quellen & Fundstellen
- GRC: Reanimation 2025 – Leitlinien kompakt — Lebensrettende Basismaßnahmen bei Erwachsenen (deutsche Kurzfassung der ERC-Leitlinien 2025)
- ERC Guidelines 2025 — Europäische Leitlinien zur Wiederbelebung, veröffentlicht am 22.10.2025
- GRC-Pressemitteilung vom 22.10.2025 — Neue europäische Leitlinien: erste 3–5 Minuten, Atmungsprüfung nach dem Notruf
- § 323c StGB — Unterlassene Hilfeleistung; Behinderung von hilfeleistenden Personen
- § 680 BGB — Geschäftsführung zur Gefahrenabwehr: Haftung nur bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit
Rechtsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Im Zweifel gilt der jeweils aktuelle Verordnungstext.
Häufige Fragen
Wie tief und wie schnell wird gedrückt?
Mindestens 5 cm, aber nicht mehr als 6 cm tief, mit 100–120 Kompressionen pro Minute (GRC/ERC-Leitlinien 2025).
Muss ich beatmen können, um zu helfen?
Nein. Wer nicht in der Beatmung geschult ist, führt nur die Herzdruckmassage ohne Unterbrechung durch.
Wer sagt mir am Telefon, was ich tun soll?
Die Rettungsleitstelle. Bei erkanntem Kreislaufstillstand gibt sie Anweisungen zur Wiederbelebung, deshalb wird der Lautsprecher des Telefons eingeschaltet.
Was, wenn ich unsicher bin, ob die Atmung normal ist?
Röcheln, Schnappen oder mühsame Atmung gelten nicht als normale Atmung. Im Zweifel wird mit der Wiederbelebung begonnen; die Leitstelle unterstützt am Telefon.
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