Tympanosklerose
Die Tympanosklerose bezeichnet eine narbige Verkalkung und Verhärtung von Gewebe im Bereich des Mittelohres, die sich nach wiederholten oder chronischen Entzündungen des Mittelohres entwickeln kann. Betroffen sein können das Trommelfell, die Schleimhaut der Paukenhöhle sowie die kleinen Gehörknöchelchen, die für die Weiterleitung des Schalls vom Trommelfell zum Innenohr verantwortlich sind. Die veränderten Gewebeabschnitte verlieren durch die Verkalkung ihre normale Elastizität, wodurch die Beweglichkeit des Schallleitungsapparates eingeschränkt werden kann. Während kleinere, auf das Trommelfell begrenzte tympanosklerotische Herde meist keine wesentlichen Beschwerden verursachen, kann eine ausgedehntere Beteiligung der Gehörknöchelchenkette zu einer relevanten, mechanisch bedingten Schwerhörigkeit führen.
Ursachen
Die Tympanosklerose entsteht als Folge wiederholter oder chronischer Entzündungsprozesse im Mittelohr, insbesondere nach häufigen Mittelohrentzündungen im Kindesalter oder bei einer chronischen, über lange Zeit bestehenden Otitis media. Auch nach dem operativen Einsetzen eines Paukenröhrchens, das bei wiederkehrenden Paukenergüssen zur Belüftung des Mittelohres verwendet wird, kann sich im Bereich des Trommelfells eine Tympanosklerose entwickeln. Der genaue Entstehungsmechanismus ist nicht vollständig geklärt, es wird jedoch angenommen, dass wiederholte Entzündungsreize zu einer überschießenden Vernarbung mit Einlagerung von Kalksalzen in das betroffene Gewebe führen. Menschen mit häufigen Mittelohrentzündungen in der Kindheit sowie Menschen nach mehrfachen Paukenröhrcheneinlagen tragen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung dieser Gewebeveränderung.
Symptome
Eine Tympanosklerose, die sich auf kleinere Bereiche des Trommelfells beschränkt, verursacht häufig keine oder nur geringfügige Beschwerden und fällt oft erst bei einer routinemäßigen Ohrenuntersuchung als weißliche, kreideartige Veränderung des Trommelfells auf. Greift die Verkalkung jedoch auf die Gehörknöchelchenkette über und schränkt deren Beweglichkeit relevant ein, kann eine langsam fortschreitende, meist beide Ohren betreffende Schwerhörigkeit auftreten, die sich in einer zunehmenden Schwierigkeit beim Verstehen von Sprache, insbesondere in lauter Umgebung, äußern kann. Schmerzen sind bei einer Tympanosklerose in der Regel nicht vorhanden, da es sich um einen chronischen, meist beschwerdearmen Vernarbungsprozess handelt. Ein Ohrgeräusch (Tinnitus) kann bei manchen Betroffenen begleitend auftreten.
Diagnostik
Die Diagnose wird durch eine Untersuchung des Ohres mit dem Ohrmikroskop gestellt, bei der sich die tympanosklerotischen Veränderungen typischerweise als weißliche, kalkartige Flecken oder Platten auf dem Trommelfell zeigen. Zur Beurteilung des Ausmaßes einer möglichen Hörminderung wird eine Hörprüfung (Tonaudiometrie) durchgeführt, die bei Beteiligung der Gehörknöchelchenkette meist eine sogenannte Schallleitungsschwerhörigkeit zeigt, bei der die mechanische Übertragung des Schalls im Mittelohr beeinträchtigt ist. Ergänzend kann eine Messung der Beweglichkeit des Trommelfells (Tympanometrie) Hinweise auf das Ausmaß der Versteifung liefern. In manchen Fällen wird eine bildgebende Untersuchung des Mittelohres eingesetzt, um das Ausmaß der Veränderungen vor einer möglichen operativen Behandlung genauer einzuschätzen.
Behandlung
Eine Tympanosklerose, die nur das Trommelfell betrifft und keine relevante Hörminderung verursacht, erfordert in der Regel keine spezifische Behandlung, sondern lediglich eine regelmäßige Verlaufskontrolle. Bei einer relevanten, durch die Versteifung der Gehörknöchelchenkette bedingten Schwerhörigkeit kann eine operative Behandlung erwogen werden, bei der die verkalkten, unbeweglichen Gewebeanteile entfernt und die Schallübertragung durch eine Rekonstruktion der Gehörknöchelchenkette wiederhergestellt wird. Der Erfolg einer solchen Operation ist bei der Tympanosklerose im Vergleich zu anderen Ursachen einer Schallleitungsschwerhörigkeit jedoch nicht immer sicher vorhersehbar, da sich die Verkalkung nach dem Eingriff erneut bilden kann. Bei einer nicht ausreichend durch Operation behebbaren Schwerhörigkeit kann die Versorgung mit einem Hörgerät eine wirksame Alternative darstellen.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf einer Tympanosklerose ist meist chronisch und über lange Zeit stabil, wobei eine bereits bestehende Verkalkung sich in der Regel nicht von selbst zurückbildet. Bei einer auf das Trommelfell begrenzten Form ist die Prognose für das Hörvermögen sehr gut, da die Schallleitung meist nicht wesentlich beeinträchtigt wird. Bei einer ausgeprägteren Beteiligung der Gehörknöchelchenkette kann sich die Schwerhörigkeit im Laufe der Zeit langsam verschlechtern, wobei eine operative Behandlung nicht in jedem Fall zu einer dauerhaften Verbesserung führt, da sich die Verkalkung erneut bilden kann. Insgesamt hängt die langfristige Prognose wesentlich vom Ausmaß und der Lokalisation der tympanosklerotischen Veränderungen ab, weshalb eine individuelle Einschätzung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde wichtig ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Tympanosklerose: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Ist eine Tympanosklerose gefährlich?
In den meisten Fällen nicht, da sie chronisch verläuft und häufig keine oder nur geringe Beschwerden verursacht. Problematisch wird sie vor allem, wenn die Gehörknöchelchenkette betroffen ist und dadurch eine relevante Schwerhörigkeit entsteht.
Warum entsteht eine Tympanosklerose häufig nach Paukenröhrchen?
Weil sowohl das Einsetzen eines Paukenröhrchens als auch die zugrunde liegenden, wiederkehrenden Mittelohrentzündungen chronische Entzündungsreize darstellen, die eine überschießende Vernarbung mit Kalkeinlagerung im Trommelfellgewebe begünstigen können.
Kann eine Tympanosklerose operativ vollständig behoben werden?
Nicht immer sicher, da sich die verkalkten Gewebeanteile nach einer operativen Entfernung erneut bilden können. Der Erfolg der Operation ist daher im Vergleich zu anderen Ursachen einer Schallleitungsschwerhörigkeit nicht immer sicher vorhersehbar.
Muss jede Tympanosklerose behandelt werden?
Nein, eine auf das Trommelfell begrenzte Tympanosklerose ohne relevante Hörminderung erfordert meist nur eine regelmäßige Verlaufskontrolle und keine spezifische Behandlung.
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