Keratokonjunktivitis
Die Keratokonjunktivitis bezeichnet eine gleichzeitige Entzündung von Hornhaut (Kornea) und Bindehaut (Konjunktiva), zwei eng benachbarten Strukturen der vorderen Augenoberfläche, die häufig gemeinsam betroffen sind, da eine Entzündung der Bindehaut leicht auf die angrenzende Hornhaut übergreifen kann und umgekehrt. Im Unterschied zur alleinigen Bindehautentzündung, bei der meist nur ein Fremdkörpergefühl und eine Rötung im Vordergrund stehen, verursacht die zusätzliche Beteiligung der für das scharfe Sehen wichtigen Hornhaut häufig ausgeprägtere Beschwerden wie Schmerzen und eine Sehverschlechterung. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Virusinfektionen über eine ausgeprägte Trockenheit der Augenoberfläche bis hin zu allergischen Reaktionen, wobei bestimmte Formen, insbesondere die durch Adenoviren verursachte epidemische Keratokonjunktivitis, hochansteckend sind und sich rasch in Gemeinschaftseinrichtungen ausbreiten können.
Ursachen
Die häufigste Ursache einer Keratokonjunktivitis ist eine Virusinfektion, wobei Adenoviren die bekannteste und ansteckendste Form, die sogenannte epidemische Keratokonjunktivitis, verursachen, die sich durch direkten Kontakt oder kontaminierte Gegenstände leicht auf andere Menschen übertragen kann. Eine ausgeprägte Trockenheit der Augenoberfläche, wie sie beim Sicca-Syndrom (trockenes Auge) auftritt, kann ebenfalls zu einer Reizung und Entzündung von Hornhaut und Bindehaut führen, insbesondere wenn der schützende Tränenfilm nicht mehr ausreichend gebildet wird. Allergische Reaktionen, etwa im Rahmen einer Pollenallergie, können zu einer allergischen Keratokonjunktivitis mit ausgeprägtem Juckreiz führen. Seltener können bakterielle Infektionen, eine übermäßige Sonnen- oder UV-Lichteinwirkung sowie bestimmte immunologische Erkrankungen, bei denen sich das Immunsystem gegen die eigene Augenoberfläche richtet, eine Keratokonjunktivitis verursachen.
Symptome
Betroffene berichten typischerweise über eine ausgeprägte Rötung von Bindehaut und angrenzender Hornhaut, ein deutliches Fremdkörpergefühl, das oft stärker als bei einer alleinigen Bindehautentzündung ausfällt, sowie über Schmerzen, die sich bei Lichteinfall verstärken können. Eine erhöhte Lichtempfindlichkeit sowie ein vermehrter Tränenfluss sind häufige Begleitsymptome. Im Unterschied zu einer reinen Bindehautentzündung kann bei einer Keratokonjunktivitis zusätzlich eine spürbare Sehverschlechterung auftreten, da die Entzündung die durchsichtige Hornhaut und damit die optischen Eigenschaften des Auges beeinträchtigt. Bei der viralen, epidemischen Form können zunächst ein Auge und im Verlauf, oft nach wenigen Tagen, auch das zweite Auge betroffen sein, begleitet von geschwollenen Lymphknoten vor dem Ohr. Die Beschwerden können mehrere Wochen anhalten, bevor sie sich allmählich zurückbilden.
Diagnostik
Die Diagnose stützt sich auf die augenärztliche Untersuchung mit der Spaltlampe, bei der sowohl die Bindehaut als auch die Hornhaut auf entzündliche Veränderungen untersucht werden, häufig unterstützt durch eine spezielle Anfärbung der Hornhautoberfläche, die kleinste Schädigungen sichtbar machen kann. Bei Verdacht auf eine virale Ursache kann in bestimmten Fällen ein Abstrich zur Erregerbestimmung erfolgen, insbesondere um bei epidemischem Auftreten die Ausbreitung besser einordnen zu können. Bei Verdacht auf eine zugrunde liegende Trockenheit der Augenoberfläche werden spezielle Tests zur Beurteilung von Tränenmenge und Tränenfilmqualität durchgeführt. Eine sorgfältige Anamnese möglicher Auslöser, etwa Kontakt zu anderen Betroffenen bei Verdacht auf eine ansteckende Form oder bekannte Allergien, liefert wichtige zusätzliche Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache: Bei der viralen, meist durch Adenoviren verursachten Form steht eine symptomlindernde Behandlung mit künstlicher Tränenflüssigkeit und kühlenden Kompressen im Vordergrund, da eine spezifische antivirale Behandlung meist nicht notwendig ist und die Erkrankung von selbst abheilt; bei ausgeprägter Beteiligung der Hornhaut können vorübergehend entzündungshemmende Augentropfen erwogen werden. Bei einer zugrunde liegenden Trockenheit der Augenoberfläche stehen eine konsequente Anwendung von Tränenersatzmitteln sowie die Behandlung möglicher zugrunde liegender Ursachen im Vordergrund. Bei allergischer Ursache kommen antiallergische Augentropfen zum Einsatz, während bei bakterieller Ursache eine gezielte antibiotische Behandlung erfolgt. Bei der hochansteckenden viralen Form sind konsequente Hygienemaßnahmen wichtig, um eine Übertragung auf andere Personen zu vermeiden.
Verlauf und Prognose
Die virale, epidemische Keratokonjunktivitis heilt bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen innerhalb weniger Wochen folgenlos aus, auch wenn der Verlauf gerade wegen der Hornhautbeteiligung mitunter länger dauert als bei einer alleinigen Bindehautentzündung. In manchen Fällen können nach Abklingen der akuten Entzündung vorübergehende, feine Trübungen der Hornhaut zurückbleiben, die das Sehvermögen zeitweise leicht beeinträchtigen können, sich jedoch bei den meisten Betroffenen im Laufe von Wochen bis Monaten zurückbilden. Bei einer zugrunde liegenden chronischen Trockenheit der Augenoberfläche ist häufig eine dauerhafte, konsequente Behandlung notwendig, um wiederkehrende Beschwerden zu vermeiden. Insgesamt ist die Prognose der Keratokonjunktivitis bei angemessener Behandlung überwiegend gut, wobei bei anhaltenden oder sich verschlechternden Beschwerden stets eine augenärztliche Kontrolle angeraten ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Keratokonjunktivitis: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was unterscheidet die Keratokonjunktivitis von einer gewöhnlichen Bindehautentzündung?
Bei der Keratokonjunktivitis ist zusätzlich zur Bindehaut auch die Hornhaut entzündet, was zu stärkeren Schmerzen, ausgeprägterer Lichtempfindlichkeit und einer möglichen Sehverschlechterung führen kann, die bei einer alleinigen Bindehautentzündung untypisch sind.
Wie ansteckend ist die epidemische Keratokonjunktivitis?
Sehr ansteckend, da die verursachenden Adenoviren durch direkten Kontakt oder kontaminierte Gegenstände leicht übertragen werden können, weshalb konsequente Hygienemaßnahmen bei einer Erkrankung besonders wichtig sind.
Bleiben nach einer Keratokonjunktivitis Sehstörungen zurück?
Bei den meisten Betroffenen nicht dauerhaft, jedoch können vorübergehend feine Trübungen der Hornhaut zurückbleiben, die sich in der Regel innerhalb von Wochen bis Monaten zurückbilden.
Kann trockenes Auge eine Keratokonjunktivitis verursachen?
Ja, eine ausgeprägte Trockenheit der Augenoberfläche kann zu einer Reizung und Entzündung von Hornhaut und Bindehaut führen, insbesondere wenn der schützende Tränenfilm nicht mehr ausreichend gebildet wird.
Weiterlesen
Krankheiten der apokrinen Schweißdrüsen
Erkrankungen der duftstoffbildenden Schweißdrüsen, die sich vor allem in Achsel- und Leistenbereich befinden, mit Beschwerden von übermäßigem Körpergeruch bis zu schmerzhaften Entzündungen.
Weiterlesen →Orthopädie & BewegungsapparatKrankheiten der Patella
Erkrankungen und Verletzungen der Kniescheibe, die von Schmerzen und Fehlstellungen bis zu einer Instabilität mit wiederkehrender Ausrenkung reichen können.
Weiterlesen →Orthopädie & BewegungsapparatÜberlastungsschäden des Weichteilgewebes
Schäden an Muskeln, Sehnen und umliegendem Gewebe, die durch wiederholte Beanspruchung, Überlastung oder anhaltenden Druck entstehen und typischerweise Berufstätige sowie Sportler betreffen.
Weiterlesen →Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen
Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.