Tungiasis (Sandflohbefall)
Die Tungiasis, umgangssprachlich als Sandflohbefall bekannt, ist eine parasitäre Hauterkrankung, die durch das Weibchen des Sandflohs Tunga penetrans verursacht wird, der vor allem in sandigen, trockenen Böden warmer Länder Mittel- und Südamerikas, der Karibik sowie Teilen Afrikas vorkommt. Das begattete Weibchen des Flohs gräbt sich in die Haut, meist im Bereich der Füße, insbesondere unter den Zehennägeln oder zwischen den Zehen, ein und verbleibt dort über mehrere Wochen, während sein Hinterleib zunehmend anschwillt, um die heranreifenden Eier aufzunehmen. Die Erkrankung ist besonders in ärmeren, ländlichen Regionen der betroffenen Länder verbreitet, wo Menschen häufig barfuß gehen, und stellt dort ein bedeutsames Gesundheitsproblem dar, während sie bei Reisenden aus westlichen Ländern meist als vereinzelte Fälle nach einem Aufenthalt in den entsprechenden Regionen auftritt.
Ursachen
Die Tungiasis entsteht, wenn ein begattetes Sandflohweibchen aus dem sandigen Erdboden auf die menschliche Haut springt und sich dort, überwiegend im Bereich der Füße, aktiv in die oberste Hautschicht eingräbt. Barfußgehen sowie das Tragen offener Schuhe in den betroffenen Endemiegebieten erhöht das Risiko einer Ansteckung erheblich, weshalb die Erkrankung besonders bei Menschen in ärmeren, ländlichen Regionen mit unzureichendem Schuhwerk gehäuft auftritt. Auch Kinder sind aufgrund ihres häufigen Barfußspielens im Freien besonders betroffen. Der Sandfloh vermehrt sich bevorzugt in sandigem, trockenem Boden, insbesondere in der Nähe von Tierställen, weshalb Regionen mit engem Kontakt zwischen Menschen und Nutztieren wie Schweinen oder Hunden ein erhöhtes Übertragungsrisiko aufweisen.
Symptome
Die Tungiasis äußert sich durch eine zunächst kleine, juckende oder leicht schmerzhafte, weißlich-gelbliche Papel an der Eindringstelle des Flohs, in deren Zentrum sich häufig ein kleiner, schwarzer Punkt zeigt, der dem Hinterleibsende des eingegrabenen Flohs entspricht. Im Verlauf mehrerer Tage schwillt die betroffene Hautstelle deutlich an, während der Floh in seinem Inneren zunehmend Eier heranreifen lässt, was zu einer erbsengroßen, prall gefüllten Erhebung führt. Der Juckreiz kann im Verlauf zunehmen und zu erheblichem Unbehagen führen. Bei mehrfachem Befall, wie er insbesondere bei Menschen in Endemiegebieten mit wiederholter Exposition vorkommt, können sich zahlreiche solcher Läsionen gleichzeitig an den Füßen entwickeln, was zu erheblichen Gehbeschwerden führen kann.
Diagnostik
Die Diagnose der Tungiasis wird in aller Regel bereits durch das charakteristische klinische Erscheinungsbild gestellt, insbesondere durch die typische Lokalisation an den Füßen sowie den sichtbaren dunklen Punkt im Zentrum der geschwollenen Hautveränderung, der dem Hinterleibsende des eingegrabenen Flohs entspricht. Eine sorgfältige Reiseanamnese mit Frage nach einem Aufenthalt in entsprechenden Endemiegebieten sowie nach Barfußlaufen liefert wichtige ergänzende Hinweise. Bei unklarem Befund kann eine dermatoskopische Untersuchung, bei der die Haut mit einer speziellen Lupe vergrößert betrachtet wird, zur genaueren Beurteilung der charakteristischen Struktur der Läsion beitragen. Eine weiterführende Labordiagnostik ist bei typischem klinischem Bild in der Regel nicht notwendig.
Behandlung
Die Behandlung der Tungiasis besteht in der vorsichtigen, vollständigen operativen Entfernung des eingegrabenen Flohs samt seiner Eier unter sterilen Bedingungen, idealerweise mit einer sterilen Nadel oder einem kleinen chirurgischen Instrument, um eine vollständige Entfernung zu gewährleisten und ein Zurückbleiben von Flohresten zu vermeiden, das zu einer anhaltenden Entzündungsreaktion führen könnte. Nach der Entfernung wird die Wunde sorgfältig desinfiziert und gegebenenfalls mit einem sterilen Verband versorgt. Bei Anzeichen einer bakteriellen Superinfektion der Läsion, was bei unsachgemäßer Selbstentfernung des Flohs häufiger vorkommt, wird zusätzlich eine antibiotische Behandlung notwendig. Eine aktuelle Tetanusimpfung sollte bei entsprechendem Verletzungsrisiko überprüft werden.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Tungiasis ist bei vollständiger, sachgerechter Entfernung des Flohs sehr gut, wobei die Wunde in der Regel innerhalb weniger Tage folgenlos abheilt. Wird der Floh nicht vollständig entfernt oder platzt er beim Entfernungsversuch, kann eine anhaltende Entzündungsreaktion sowie ein erhöhtes Risiko für eine bakterielle Superinfektion entstehen, die im ungünstigsten Fall zu einer ernsteren Wundinfektion führen kann. In Endemiegebieten mit wiederholtem Befall können durch die zahlreichen Läsionen an den Füßen erhebliche Beeinträchtigungen der Gehfähigkeit sowie chronische Wundheilungsstörungen entstehen. Das Tragen von geschlossenem Schuhwerk in betroffenen Regionen sowie das Vermeiden von Barfußlaufen auf sandigem Boden stellen die wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen dar.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Tungiasis (Sandflohbefall): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wo kommt der Sandfloh vor?
Vor allem in sandigen, trockenen Böden warmer Länder Mittel- und Südamerikas, der Karibik sowie Teilen Afrikas.
Warum ist der kleine schwarze Punkt in der Hautveränderung charakteristisch?
Er entspricht dem Hinterleibsende des in die Haut eingegrabenen Flohweibchens.
Wie wird der Sandfloh behandelt?
Durch eine vorsichtige, vollständige operative Entfernung samt der Eier unter sterilen Bedingungen, um Rückstände und eine anhaltende Entzündung zu vermeiden.
Wie kann man sich vor einem Sandflohbefall schützen?
Durch das Tragen von geschlossenem Schuhwerk in betroffenen Regionen und das Vermeiden von Barfußlaufen auf sandigem Boden.
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