Trichotillomanie
Die Trichotillomanie bezeichnet eine Störung der Impulskontrolle, bei der die betroffene Person trotz wiederholter Versuche, dieses Verhalten zu unterlassen, immer wieder eigene Haare, am häufigsten der Kopfhaut, seltener auch der Augenbrauen, Wimpern oder anderer Körperbehaarung, ausreißt, wodurch im Verlauf sichtbarer, oft unregelmäßig begrenzter Haarverlust entsteht. Dem Ausreißen der Haare geht bei vielen Betroffenen ein zunehmendes Spannungsgefühl voraus, das sich durch das Ausreißen der Haare vorübergehend deutlich löst, gefolgt von einem Gefühl der Erleichterung, dem jedoch häufig Scham- sowie Schuldgefühle über das eigene, als unkontrollierbar erlebte Verhalten folgen. Die Trichotillomanie beginnt häufig bereits im Kindes- oder Jugendalter und kann für die Betroffenen mit einer erheblichen Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls sowie sozialer Aktivitäten verbunden sein, insbesondere wenn der entstandene Haarverlust äußerlich sichtbar ist.
Ursachen
Die genaue Ursache der Trichotillomanie ist nicht abschließend geklärt, wobei eine erhöhte, mitunter erblich mitbedingte Neigung zur Regulation innerer Anspannung durch bestimmte, sich wiederholende Verhaltensweisen als möglicher zugrunde liegender Mechanismus diskutiert wird. Belastende Lebensereignisse sowie familiärer oder schulischer Stress werden bei einem Teil der Betroffenen als auslösender oder verstärkender Faktor für den Beginn des Haareausreißens identifiziert, wobei bei einem anderen Teil der Betroffenen kein eindeutig identifizierbarer auslösender Faktor festgestellt werden kann. Ein Zusammenhang mit anderen, ebenfalls durch wiederholte, schwer kontrollierbare Verhaltensweisen gekennzeichneten Störungen, insbesondere der Zwangsstörung, wird diskutiert, da beide Erkrankungen gemeinsame zugrunde liegende Mechanismen aufweisen könnten.
Symptome
Die Trichotillomanie äußert sich durch ein wiederholtes, trotz eigenen Bemühens nur unzureichend kontrollierbares Ausreißen eigener Haare, dem bei vielen Betroffenen ein zunehmendes, unangenehmes Spannungsgefühl vorausgeht, das sich durch das Ausreißen der Haare vorübergehend deutlich löst. Als Folge des wiederholten Haareausreißens entwickeln sich sichtbare, häufig unregelmäßig begrenzte Areale mit Haarverlust, die überwiegend die Kopfhaut, seltener die Augenbrauen, Wimpern oder andere Körperregionen betreffen. Viele Betroffene entwickeln als Reaktion auf den sichtbaren Haarverlust ausgeprägte Scham- sowie Schuldgefühle sowie versuchen, den entstandenen Haarverlust durch bestimmte Frisuren, Kopfbedeckungen oder Make-up zu verbergen, was mit einer erheblichen zusätzlichen psychischen Belastung verbunden sein kann.
Diagnostik
Die Diagnose der Trichotillomanie wird durch eine ausführliche psychiatrische Anamnese gestellt, bei der das charakteristische, wiederholte sowie nur unzureichend kontrollierbare Haareausreißen sowie das damit verbundene Spannungs- sowie Erleichterungsgefühl sorgfältig erfasst werden. Eine dermatologische Untersuchung der betroffenen Hautareale kann das charakteristische, unregelmäßig begrenzte sowie durch unterschiedlich lange nachwachsende Haare gekennzeichnete Verteilungsmuster des Haarverlusts zeigen, das sich von anderen, körperlich bedingten Ursachen eines Haarausfalls in aller Regel deutlich unterscheidet. Eine sorgfältige Abgrenzung von anderen körperlichen Ursachen eines umschriebenen Haarausfalls sowie von begleitenden psychischen Erkrankungen, insbesondere einer Zwangsstörung, ist von Bedeutung für die weitere Behandlungsplanung.
Behandlung
Die Behandlung der Trichotillomanie erfolgt in erster Linie durch eine gezielte Verhaltenstherapie, wobei das sogenannte Habit-Reversal-Training als besonders wirksame Methode gilt, bei der die betroffene Person lernt, das zunehmende Spannungsgefühl vor dem Haareausreißen frühzeitig wahrzunehmen sowie durch eine alternative, mit dem Haareausreißen körperlich unvereinbare Handlung gezielt zu ersetzen. Eine begleitende psychotherapeutische Bearbeitung möglicher zugrunde liegender belastender Lebensumstände kann die Behandlung zusätzlich unterstützen. Bei einem Teil der Betroffenen, insbesondere bei begleitenden zwanghaften Symptomen, kann eine ergänzende medikamentöse Behandlung erwogen werden, wobei die Verhaltenstherapie insgesamt als wirksamste Behandlungssäule gilt.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Trichotillomanie ist bei konsequenter Durchführung einer gezielten Verhaltenstherapie, insbesondere des Habit-Reversal-Trainings, gut, wobei sich das Haareausreißen bei einem erheblichen Teil der Betroffenen deutlich reduzieren oder vollständig beenden lässt. Unbehandelt neigt die Erkrankung bei einem Teil der Betroffenen zu einem chronischen, über viele Jahre anhaltenden Verlauf mit wiederkehrenden Phasen unterschiedlicher Ausprägung. Der bereits entstandene Haarverlust bildet sich nach erfolgreicher Beendigung des Haareausreißens bei den meisten Betroffenen im Verlauf mehrerer Monate vollständig zurück, sofern keine dauerhafte Schädigung der Haarwurzeln durch ein sehr lange anhaltendes, wiederholtes Ausreißen eingetreten ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Trichotillomanie: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Welches Gefühl geht dem Haareausreißen häufig voraus?
Ein zunehmendes, unangenehmes Spannungsgefühl, das sich durch das Ausreißen vorübergehend löst.
In welchem Alter beginnt die Erkrankung häufig?
Bereits im Kindes- oder Jugendalter.
Was ist die wirksamste Behandlungsmethode?
Eine gezielte Verhaltenstherapie, insbesondere das sogenannte Habit-Reversal-Training.
Bildet sich der entstandene Haarverlust nach erfolgreicher Behandlung zurück?
Bei den meisten Betroffenen ja, im Verlauf mehrerer Monate, sofern keine dauerhafte Schädigung der Haarwurzeln eingetreten ist.
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