Strychninvergiftung
Die Strychninvergiftung bezeichnet eine seltene, jedoch akut lebensbedrohliche Vergiftung durch das aus bestimmten Pflanzensamen gewonnene Nervengift Strychnin, das früher als Schädlingsbekämpfungsmittel, insbesondere zur Bekämpfung von Nagetieren, weit verbreitet eingesetzt wurde sowie den natürlichen Hemmmechanismus des Rückenmarks blockiert, der im gesunden Zustand für eine kontrollierte, koordinierte Muskelaktivität sorgt. Durch diese Blockade kommt es bei einer Strychninvergiftung zu einer unkontrollierten, gleichzeitigen Anspannung sämtlicher Muskelgruppen des Körpers, die sich in ausgeprägten, äußerst schmerzhaften Krampfanfällen äußert sowie unbehandelt durch eine Lähmung der Atemmuskulatur rasch tödlich verlaufen kann. Die Strychninvergiftung ist heute aufgrund strenger Einschränkungen der Verfügbarkeit dieses Giftstoffes insgesamt selten geworden, tritt jedoch weiterhin gelegentlich als versehentliche oder beabsichtigte Vergiftung auf.
Ursachen
Die Strychninvergiftung entsteht durch die Aufnahme des Nervengiftes Strychnin, das aus den Samen bestimmter tropischer Pflanzen gewonnen wird sowie früher weit verbreitet als Schädlingsbekämpfungsmittel, insbesondere zur Bekämpfung von Nagetieren, eingesetzt wurde. Aufgrund der erheblichen Gefährlichkeit dieses Giftstoffes ist seine Verfügbarkeit heute in den meisten Ländern streng eingeschränkt, weshalb eine Vergiftung überwiegend durch einen versehentlichen Kontakt mit noch vorhandenen, älteren Restbeständen entsprechender Schädlingsbekämpfungsmittel oder, seltener, im Rahmen einer beabsichtigten Vergiftung auftritt. In bestimmten Weltregionen wird Strychnin zudem gelegentlich unwissentlich mit anderen, illegalen Drogen vermischt, was zu unerwarteten, schweren Vergiftungen führen kann.
Symptome
Die Strychninvergiftung äußert sich typischerweise innerhalb von 15 bis 30 Minuten nach der Giftaufnahme durch eine zunehmende Steifigkeit der Muskulatur, gefolgt von äußerst schmerzhaften, den gesamten Körper betreffenden Krampfanfällen, bei denen sich sämtliche Muskelgruppen gleichzeitig sowie unkontrolliert anspannen. Ein charakteristisches Merkmal dieser Krampfanfälle ist ein durch die gleichzeitige Anspannung der Gesichtsmuskulatur verursachter, grimassenartiger Gesichtsausdruck, der als sogenanntes Risus sardonicus bezeichnet wird. Zwischen den einzelnen Krampfanfällen bleibt die betroffene Person bei vollem Bewusstsein sowie erlebt die äußerst schmerzhaften Muskelkrämpfe bewusst mit, wobei bereits geringste äußere Reize, etwa Berührung, Licht oder Geräusche, einen erneuten Krampfanfall auslösen können.
Diagnostik
Die Diagnose der Strychninvergiftung wird anhand des sehr charakteristischen klinischen Erscheinungsbildes mit den typischen, den gesamten Körper betreffenden Muskelkrämpfen bei erhaltenem Bewusstsein sowie dem charakteristischen Risus sardonicus gestellt, wobei angesichts der akuten Lebensbedrohung keine Zeit für eine ausgedehnte weiterführende Diagnostik besteht. Eine gezielte toxikologische Untersuchung des Blutes oder Urins kann das Vorhandensein von Strychnin zur nachträglichen Bestätigung der Diagnose nachweisen, wobei dieses Ergebnis in der akuten Behandlungssituation nicht abgewartet werden kann. Eine sorgfältige Anamnese möglicher Expositionsquellen, insbesondere eines möglichen Kontakts mit älteren Schädlingsbekämpfungsmitteln, unterstützt die rasche klinische Diagnosestellung.
Behandlung
Die Behandlung der Strychninvergiftung erfordert eine unverzügliche notfallmedizinische Versorgung, wobei die betroffene Person zunächst in einer möglichst reizarmen Umgebung gelagert wird, um weitere, durch äußere Reize ausgelöste Krampfanfälle zu vermeiden. Bestimmte, krampflösende Medikamente werden gezielt eingesetzt, um die schmerzhaften Muskelkrämpfe zu durchbrechen sowie die betroffene Person zu beruhigen, wobei bei besonders schweren, anders nicht beherrschbaren Krampfanfällen eine künstliche Beatmung unter tiefer Sedierung notwendig werden kann. Ein spezifisches Gegenmittel, das die Wirkung des Strychnins unmittelbar aufheben könnte, existiert nicht, weshalb die Behandlung überwiegend unterstützend erfolgt.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Strychninvergiftung hängt entscheidend von der aufgenommenen Giftmenge sowie der Geschwindigkeit ab, mit der eine geeignete notfallmedizinische Behandlung eingeleitet wird, wobei eine unbehandelte, schwere Vergiftung durch eine Lähmung der Atemmuskulatur bereits innerhalb weniger Stunden tödlich verlaufen kann. Bei rechtzeitiger, konsequenter notfallmedizinischer Behandlung, einschließlich einer reizarmen Umgebung sowie gezielter krampflösender Medikamente, kann die Prognose deutlich verbessert werden, wobei Betroffene, die die akute Vergiftungsphase überstehen, in aller Regel eine vollständige Erholung ohne bleibende Schäden erreichen. Eine konsequente Kontrolle sowie sichere Entsorgung alter, strychninhaltiger Schädlingsbekämpfungsmittel wird zur Vorbeugung dringend empfohlen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Strychninvergiftung: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wofür wurde Strychnin früher eingesetzt?
Als Schädlingsbekämpfungsmittel, insbesondere zur Bekämpfung von Nagetieren.
Was ist der charakteristische Gesichtsausdruck bei dieser Vergiftung?
Ein grimassenartiger Gesichtsausdruck, das sogenannte Risus sardonicus.
Bleibt die betroffene Person während der Krampfanfälle bei Bewusstsein?
Ja, sie erlebt die schmerzhaften Muskelkrämpfe bewusst mit.
Gibt es ein spezifisches Gegenmittel?
Nein, die Behandlung erfolgt überwiegend unterstützend.
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