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Psyche & Nervensystem

Störung mit sozialer Ängstlichkeit des Kindesalters

Die Störung mit sozialer Ängstlichkeit des Kindesalters bezeichnet eine kinderpsychiatrische Störung, bei der Kinder eine deutlich über das altersübliche Maß hinausgehende Angst, Verlegenheit oder Vermeidung gegenüber fremden Personen oder neuen sozialen Situationen zeigen, die den Aufbau altersgemäßer sozialer Kontakte, insbesondere zu Gleichaltrigen, erheblich erschwert. Während eine gewisse Zurückhaltung gegenüber Fremden in bestimmten Entwicklungsphasen, insbesondere im Kleinkindalter, als normaler Bestandteil der Entwicklung gilt, geht die soziale Ängstlichkeit bei dieser Störung deutlich über dieses altersgemäße Maß hinaus, hält über einen längeren Zeitraum an und führt zu erheblichem Leidensdruck sowie Beeinträchtigungen bei der sozialen und schulischen Entwicklung des Kindes.

Ursachen

Die Entstehung der Störung mit sozialer Ängstlichkeit des Kindesalters wird als Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung zu Ängstlichkeit, einem von früh an zurückhaltenden, gehemmten Temperament sowie Umweltfaktoren verstanden. Eine familiäre Häufung von Angststörungen weist auf eine bedeutsame erbliche Komponente hin. Belastende oder beschämende Erfahrungen in sozialen Situationen, etwa Zurückweisung oder Hänseleien durch Gleichaltrige, können zur Entstehung oder Verstärkung der sozialen Ängstlichkeit beitragen. Auch ein überbehütender Erziehungsstil, der dem Kind wenig Gelegenheit gibt, eigenständige soziale Erfahrungen zu sammeln, sowie das Beobachten ängstlicher oder zurückhaltender Reaktionen bei wichtigen Bezugspersonen gelten als begünstigende Faktoren für die Entwicklung einer ausgeprägten sozialen Ängstlichkeit.

Symptome

Betroffene Kinder zeigen in neuen sozialen Situationen oder im Kontakt mit fremden Personen eine ausgeprägte Angst, Verlegenheit oder Zurückhaltung, die sich in Vermeidungsverhalten, Erröten, Verstummen, Anklammern an vertraute Bezugspersonen oder körperlichen Symptomen wie Bauchschmerzen äußern kann. Die soziale Ängstlichkeit betrifft insbesondere den Kontakt zu Gleichaltrigen, wodurch der Aufbau altersgemäßer Freundschaften erheblich erschwert wird. Viele betroffene Kinder vermeiden aktiv soziale Situationen, etwa Geburtstagsfeiern, Gruppenaktivitäten oder den Beginn im Kindergarten oder in der Schule, und zeigen in diesen Situationen deutliches Unwohlsein bis hin zu ausgeprägter Angst. Innerhalb der vertrauten Familie zeigen die Kinder in der Regel keine oder nur geringe Auffälligkeiten.

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Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt durch eine ausführliche kinderpsychiatrische oder entwicklungspsychologische Untersuchung, in der die charakteristische soziale Ängstlichkeit, ihre Auslöser sowie die Auswirkungen auf die soziale und schulische Entwicklung des Kindes sorgfältig erfasst werden. Wichtig ist die Einbeziehung von Eltern sowie gegebenenfalls Erzieherinnen und Erziehern oder Lehrkräften, um die Symptomatik in unterschiedlichen sozialen Kontexten zu erfassen. Entscheidend für die Diagnose ist, dass die soziale Ängstlichkeit deutlich über das für das jeweilige Alter übliche Maß hinausgeht, sich insbesondere im Kontakt zu Gleichaltrigen zeigt, über einen bedeutsamen Zeitraum anhält und zu erheblicher Beeinträchtigung der sozialen Entwicklung führt. Die Abgrenzung zu altersgemäßer, vorübergehender Zurückhaltung ist wichtiger Bestandteil der diagnostischen Einordnung.

Behandlung

Die Behandlung der Störung mit sozialer Ängstlichkeit des Kindesalters stützt sich vor allem auf verhaltenstherapeutische Ansätze, die eine schrittweise, kindgerecht gestaltete Annäherung an soziale Situationen fördern und dem Kind helfen, positive soziale Erfahrungen zu sammeln und Vertrauen in die eigene Bewältigungsfähigkeit aufzubauen. Die Einbindung der Eltern ist von zentraler Bedeutung, etwa durch die Vermittlung, wie sie ihr Kind in sozialen Situationen unterstützend, aber nicht überbehütend begleiten können. Spielerische, gruppenbasierte Angebote, die dem Kind unter fachlicher Anleitung positive soziale Erfahrungen ermöglichen, können ebenfalls hilfreich sein. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Familie, Kindergarten oder Schule sowie therapeutischen Fachkräften unterstützt den Behandlungserfolg.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf der Störung mit sozialer Ängstlichkeit des Kindesalters ist bei frühzeitiger, gezielter Behandlung insgesamt günstig, viele Kinder zeigen mit verhaltenstherapeutischer Unterstützung sowie der Einbindung der Familie eine deutliche Verbesserung ihrer sozialen Kompetenzen und eine Reduktion der Ängstlichkeit. Ohne angemessene Behandlung besteht jedoch das Risiko, dass die soziale Ängstlichkeit über einen längeren Zeitraum bestehen bleibt und die soziale sowie schulische Entwicklung des Kindes erheblich beeinträchtigt. Bei einem Teil der Betroffenen besteht zudem ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer sozialen Phobie im späteren Leben. Eine frühzeitige Erkennung sowie eine unterstützende, aber nicht überbehütende Begleitung durch die Familie verbessern die langfristige Prognose deutlich.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Ist Zurückhaltung gegenüber Fremden bei kleinen Kindern normal?

Ein gewisses Maß an Zurückhaltung gegenüber Fremden gilt insbesondere im Kleinkindalter als normaler Bestandteil der Entwicklung; eine Störung liegt erst vor, wenn die Ängstlichkeit deutlich über das altersübliche Maß hinausgeht.

Wie äußert sich die soziale Ängstlichkeit im Alltag?

Betroffene Kinder zeigen häufig Vermeidungsverhalten, Erröten, Verstummen oder körperliche Symptome wie Bauchschmerzen in neuen sozialen Situationen oder im Kontakt mit fremden Personen.

Können sich betroffene Kinder innerhalb der Familie normal verhalten?

Ja, innerhalb der vertrauten Familie zeigen die Kinder in der Regel keine oder nur geringe Auffälligkeiten, die soziale Ängstlichkeit tritt vor allem in neuen oder unbekannten sozialen Situationen auf.

Besteht ein Risiko für spätere Angststörungen?

Bei einem Teil der Betroffenen besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer sozialen Phobie im späteren Leben, weshalb eine frühzeitige Behandlung wichtig ist.

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