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Psyche & Nervensystem

Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem, aufsässigem Verhalten

Die Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem, aufsässigem Verhalten ist eine kinderpsychiatrische Unterform der Störungen des Sozialverhaltens, die vor allem bei jüngeren Kindern auftritt und durch ein durchgängiges Muster von trotzigem, aufsässigem und regelverletzendem Verhalten gekennzeichnet ist, ohne dass es zu den schwerwiegenderen aggressiven oder dissozialen Verhaltensweisen kommt, die für andere Unterformen der Störung des Sozialverhaltens charakteristisch sind. Betroffene Kinder zeigen häufig ausgeprägten Widerstand gegen Anweisungen von Erwachsenen, häufige Wutausbrüche sowie eine Neigung, andere für eigenes Fehlverhalten verantwortlich zu machen. Die Störung beginnt typischerweise bereits im Vorschul- oder frühen Grundschulalter und unterscheidet sich von normaler kindlicher Trotzphase durch das Ausmaß, die Häufigkeit und die Dauer der Verhaltensauffälligkeiten.

Ursachen

Die Entstehung der Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem, aufsässigem Verhalten wird als Zusammenspiel aus kindlichem Temperament, familiären Erziehungsfaktoren und Umweltbedingungen verstanden. Ein von früh an schwieriges Temperament mit hoher Reizbarkeit und geringer Frustrationstoleranz kann die Entwicklung begünstigen, insbesondere wenn dies auf einen inkonsistenten, wenig strukturierten Erziehungsstil trifft. Häufige familiäre Konflikte, ein Mangel an klaren, verlässlichen Regeln sowie ein Erziehungsverhalten, das trotziges Verhalten unbeabsichtigt verstärkt, etwa durch Nachgeben in Konfliktsituationen, gelten als bedeutsame Risikofaktoren. Auch belastende familiäre Lebensumstände wie chronischer Stress der Eltern oder psychische Erkrankungen im familiären Umfeld können zur Entstehung beitragen. Im Unterschied zu schwereren Unterformen der Störung des Sozialverhaltens fehlen bei dieser Form in der Regel ausgeprägte aggressive oder dissoziale Verhaltensmuster.

Symptome

Charakteristisch für diese Störung sind ein häufiges, über das übliche kindliche Maß hinausgehendes trotziges und aufsässiges Verhalten gegenüber Erwachsenen, häufige Wutausbrüche, eine ausgeprägte Widerspenstigkeit gegenüber Regeln und Anweisungen sowie eine Neigung, Erwachsene absichtlich zu provozieren oder zu ärgern. Betroffene Kinder machen häufig andere für eigene Fehler oder ihr eigenes Fehlverhalten verantwortlich und zeigen eine geringe Fähigkeit, Verantwortung für ihr eigenes Verhalten zu übernehmen. Im Unterschied zu anderen Unterformen der Störung des Sozialverhaltens fehlen ausgeprägte aggressive Handlungen gegenüber Menschen oder Tieren, schwere Sachbeschädigung, Diebstahl oder andere dissoziale Verhaltensweisen. Die Symptomatik zeigt sich häufig vor allem im familiären Umfeld, kann sich aber auch auf Kindergarten oder Schule ausweiten und führt dort häufig zu erheblichen Konflikten.

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Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt durch eine ausführliche kinderpsychiatrische oder entwicklungspsychologische Untersuchung, in der das Verhalten des Kindes in verschiedenen Lebensbereichen, etwa Familie, Kindergarten oder Schule, sorgfältig erfasst wird. Wichtig ist die Einbeziehung von Eltern, Erzieherinnen und Erziehern sowie gegebenenfalls Lehrkräften, um ein vollständiges Bild des Verhaltens zu erhalten. Entscheidend für die Diagnose ist, dass das trotzige und aufsässige Verhalten deutlich über das für das jeweilige Alter übliche Maß hinausgeht, über einen bedeutsamen Zeitraum anhält und zu erheblichen Beeinträchtigungen im familiären oder schulischen Umfeld führt. Die sorgfältige Abgrenzung zu schwereren Unterformen der Störung des Sozialverhaltens, bei denen zusätzlich aggressive oder dissoziale Verhaltensweisen bestehen, ist wesentlicher Bestandteil der diagnostischen Einordnung.

Behandlung

Im Zentrum der Behandlung stehen verhaltenstherapeutisch orientierte Elterntrainings, die Eltern dabei unterstützen, einen konsistenten, klar strukturierten Erziehungsstil zu entwickeln, angemessenes Verhalten gezielt zu verstärken und auf herausforderndes Verhalten ruhig und konsequent zu reagieren. Auch die direkte Arbeit mit dem Kind, etwa zur Förderung von Frustrationstoleranz, Problemlösefähigkeiten und alternativen Verhaltensweisen im Umgang mit Ärger, kann sinnvoll sein. Eine frühzeitige Behandlung ist besonders wichtig, da sich das Störungsbild ohne Intervention verfestigen und in schwerere Formen der Störung des Sozialverhaltens übergehen kann. Die Einbindung von Kindergarten oder Schule in ein einheitliches, konsistentes Vorgehen unterstützt den Behandlungserfolg zusätzlich.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf der Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem, aufsässigem Verhalten ist bei frühzeitiger, konsequenter Intervention insgesamt günstig, viele Kinder zeigen mit gezielter Unterstützung der Eltern und des Kindes eine deutliche Verbesserung ihres Verhaltens. Ohne angemessene Unterstützung besteht jedoch das Risiko, dass sich die Symptomatik verfestigt und sich im weiteren Verlauf zu einer schwereren Form der Störung des Sozialverhaltens mit ausgeprägteren aggressiven oder dissozialen Verhaltensweisen entwickelt. Eine frühzeitige Erkennung sowie ein konsequenter, unterstützender Erziehungsstil im familiären und schulischen Umfeld sind entscheidende Faktoren für einen günstigen langfristigen Verlauf.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Worin unterscheidet sich diese Störung von normaler kindlicher Trotzigkeit?

Entscheidend ist das Ausmaß, die Häufigkeit und die Dauer des trotzigen Verhaltens, das bei dieser Störung deutlich über das für das jeweilige Alter übliche Maß hinausgeht und zu erheblichen Beeinträchtigungen führt.

Zeigen betroffene Kinder auch aggressives Verhalten?

Im Unterschied zu schwereren Unterformen der Störung des Sozialverhaltens fehlen bei dieser Form in der Regel ausgeprägte aggressive Handlungen gegenüber Menschen oder Tieren sowie schwere dissoziale Verhaltensweisen.

Welche Behandlung ist am wirksamsten?

Verhaltenstherapeutisch orientierte Elterntrainings, die einen konsistenten Erziehungsstil fördern, gelten als besonders wirksam, ergänzt durch direkte Arbeit mit dem Kind zur Förderung alternativer Verhaltensweisen.

Kann sich die Störung verschlimmern, wenn sie nicht behandelt wird?

Ja, ohne angemessene Unterstützung besteht das Risiko, dass sich die Symptomatik verfestigt und in eine schwerere Form der Störung des Sozialverhaltens übergeht.

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