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Psyche & Nervensystem

Sexuelle Aversion und mangelnde sexuelle Befriedigung

Sexuelle Aversion und mangelnde sexuelle Befriedigung sind zwei verwandte sexuelle Funktionsstörungen, die unter einer gemeinsamen diagnostischen Kategorie erfasst werden. Bei der sexuellen Aversion ist die Aussicht auf eine sexuelle Interaktion mit dem Partner oder der Partnerin mit derart ausgeprägter Abneigung, Angst oder Ekel verbunden, dass sexuelle Aktivität aktiv vermieden wird. Bei der mangelnden sexuellen Befriedigung hingegen laufen die körperlichen sexuellen Reaktionen normal ab, das subjektive Erleben von Lust und Befriedigung während der sexuellen Aktivität bleibt jedoch aus. Beide Störungsbilder können erhebliche partnerschaftliche Belastungen sowie einen deutlichen Leidensdruck bei der betroffenen Person verursachen und erfordern eine einfühlsame, sachliche diagnostische Abklärung.

Ursachen

Die Ursachen sexueller Aversion und mangelnder sexueller Befriedigung sind vielfältig und umfassen psychologische, partnerschaftliche sowie biografische Faktoren. Frühere belastende oder traumatische sexuelle Erfahrungen, etwa sexueller Missbrauch, können zur Entstehung einer ausgeprägten sexuellen Aversion beitragen. Auch eine restriktive, angstbesetzte sexuelle Erziehung, ungelöste partnerschaftliche Konflikte, ein vermindertes Selbstwertgefühl bezogen auf den eigenen Körper oder die eigene Sexualität sowie allgemeine psychische Belastungen wie Stress oder depressive Verstimmungen können zur Entwicklung beider Störungsbilder beitragen. Bei der mangelnden sexuellen Befriedigung wird zudem diskutiert, dass eine übermäßige Fokussierung auf die körperliche Funktion während sexueller Aktivität die Fähigkeit beeinträchtigen kann, das eigentliche Lusterleben bewusst wahrzunehmen und zu genießen.

Symptome

Bei der sexuellen Aversion erleben Betroffene bei der Aussicht auf sexuelle Aktivität eine ausgeprägte, oft angstbesetzte Abneigung, die zu aktiver Vermeidung sexueller Situationen führt, teilweise begleitet von körperlichen Symptomen wie Übelkeit oder Herzrasen bei entsprechender Konfrontation. Bei der mangelnden sexuellen Befriedigung hingegen verlaufen die körperlichen sexuellen Reaktionen, etwa Erregung, in der Regel unauffällig, das subjektive Erleben von Lust, Befriedigung oder Orgasmusgefühl bleibt jedoch aus oder ist deutlich abgeschwächt, ohne dass hierfür körperliche Gründe erkennbar sind. Beide Störungsbilder führen häufig zu erheblichem partnerschaftlichem Leidensdruck sowie zu einem verminderten Selbstwertgefühl der betroffenen Person in Bezug auf die eigene Sexualität.

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Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt durch ein einfühlsames, sachliches klinisches Gespräch, in dem die charakteristischen Symptome, ihre Auslöser, die partnerschaftliche Situation sowie mögliche belastende biografische Erfahrungen sorgfältig erfasst werden. Wichtig ist der Ausschluss körperlicher Ursachen sowie die Abgrenzung zu anderen sexuellen Funktionsstörungen. Bei der sexuellen Aversion ist die Erfassung des Ausmaßes der Vermeidung sowie begleitender Angstsymptome wichtig, während bei der mangelnden sexuellen Befriedigung die Diskrepanz zwischen unauffälliger körperlicher Reaktion und fehlendem subjektivem Lusterleben im Vordergrund steht. Eine vertrauensvolle, nicht wertende Gesprächsatmosphäre ist bei der Diagnostik sexueller Funktionsstörungen von besonderer Bedeutung, da Betroffene ihre Beschwerden aus Scham häufig nur zögerlich ansprechen.

Behandlung

Die Behandlung stützt sich vor allem auf eine sexualtherapeutische beziehungsweise psychotherapeutische Begleitung, die auf die Bearbeitung zugrunde liegender Ängste, belastender Erfahrungen oder partnerschaftlicher Konflikte abzielt. Bei der sexuellen Aversion können verhaltenstherapeutische Ansätze zur schrittweisen, behutsamen Reduktion der Angst vor sexueller Nähe hilfreich sein. Bei der mangelnden sexuellen Befriedigung stehen Ansätze zur Verbesserung der bewussten Körperwahrnehmung sowie zum Abbau leistungsbezogenen Denkens während sexueller Aktivität im Vordergrund. Die Einbindung des Partners oder der Partnerin in Form einer Paartherapie kann bei beiden Störungsbildern besonders hilfreich sein, um partnerschaftliche Belastungen gemeinsam zu bearbeiten und Verständnis füreinander zu entwickeln.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf sexueller Aversion und mangelnder sexueller Befriedigung ist bei gezielter sexualtherapeutischer oder psychotherapeutischer Behandlung insgesamt günstig, viele Betroffene erreichen eine deutliche Verbesserung ihres sexuellen Erlebens und eine Reduktion des partnerschaftlichen Leidensdrucks. Ohne Behandlung können beide Störungsbilder über längere Zeit bestehen bleiben und die partnerschaftliche Beziehung erheblich belasten. Eine frühzeitige, offene Ansprache der Beschwerden sowie die Einbindung des Partners oder der Partnerin in die Behandlung verbessern die Prognose deutlich. Die Bereitschaft, sich mit zugrunde liegenden belastenden Erfahrungen oder Ängsten auseinanderzusetzen, ist ein wichtiger Faktor für einen erfolgreichen Behandlungsverlauf.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Worin unterscheiden sich sexuelle Aversion und mangelnde sexuelle Befriedigung?

Bei der sexuellen Aversion wird sexuelle Aktivität aus ausgeprägter Abneigung oder Angst aktiv vermieden, während bei der mangelnden sexuellen Befriedigung die körperliche Reaktion normal abläuft, das subjektive Lusterleben jedoch ausbleibt.

Können frühere Erfahrungen die Entstehung begünstigen?

Ja, insbesondere belastende oder traumatische sexuelle Erfahrungen sowie eine restriktive sexuelle Erziehung gelten als bedeutsame Risikofaktoren für die Entstehung dieser Störungsbilder.

Sollte der Partner oder die Partnerin in die Behandlung einbezogen werden?

Eine Einbindung in Form einer Paartherapie kann bei beiden Störungsbildern besonders hilfreich sein, um partnerschaftliche Belastungen gemeinsam zu bearbeiten.

Warum sprechen Betroffene diese Beschwerden oft nur zögerlich an?

Aufgrund von Scham fällt es vielen Betroffenen schwer, über sexuelle Beschwerden zu sprechen, weshalb eine vertrauensvolle, nicht wertende Gesprächsatmosphäre besonders wichtig ist.

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