Sadomasochismus
Sadomasochismus bezeichnet eine sexuelle Präferenz für Aktivitäten, bei denen Schmerz, Erniedrigung oder Fesselung zugefügt oder empfangen werden, um sexuelle Erregung zu erzeugen. Der Begriff setzt sich aus Sadismus, der Präferenz, solche Handlungen anderen zuzufügen, und Masochismus, der Präferenz, sie selbst zu empfangen, zusammen, wobei viele Betroffene Elemente aus beiden Bereichen bevorzugen. Wichtig für die fachliche Einordnung ist, dass sadomasochistische Praktiken, die zwischen einwilligungsfähigen erwachsenen Personen einvernehmlich, im gegenseitigen Respekt und unter Wahrung der körperlichen Unversehrtheit ausgelebt werden, keinen Krankheitswert besitzen. Ein klinisch bedeutsamer Krankheitswert liegt erst vor, wenn die Präferenz mit erheblichem eigenem Leidensdruck verbunden ist oder außerhalb einvernehmlicher Vereinbarungen gegen den Willen anderer Personen ausgelebt wird.
Ursachen
Die Ursachen sadomasochistischer sexueller Präferenzen sind nicht abschließend geklärt und werden als Ergebnis individueller psychosexueller Entwicklungsprozesse verstanden, bei denen bestimmte Erfahrungen von Kontrolle, Hingabe oder intensiven körperlichen Empfindungen mit sexueller Erregung verknüpft wurden. Diese Präferenz gilt bei vielen Menschen als eine von mehreren möglichen Ausprägungen der menschlichen Sexualität, ohne dass hierfür eine spezifische, krankhafte Ursache angenommen werden muss. Ein klinisch bedeutsamer Krankheitswert entsteht in der Regel nicht durch die Präferenz selbst, sondern durch begleitende Faktoren wie erheblichen eigenen Leidensdruck bezüglich der Präferenz oder Schwierigkeiten, diese in einvernehmlicher, sicherer Form auszuleben.
Symptome
Bei der klinisch unauffälligen, einvernehmlich ausgelebten Form bestehen keine behandlungsbedürftigen Symptome; die betroffenen Personen erleben ihre Präferenz als selbstbestimmten, befriedigenden Teil ihrer Sexualität. Ein klinisch bedeutsamer Krankheitswert zeigt sich, wenn Betroffene unter ihrer eigenen Präferenz erheblich leiden, etwa durch ausgeprägte Scham- oder Schuldgefühle, oder wenn die Präferenz außerhalb einvernehmlicher Vereinbarungen gegen den Willen anderer Personen ausgelebt wird, was eine Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung darstellt. Auch wenn die Präferenz mit einem Verlust der Fähigkeit einhergeht, sexuelle Befriedigung außerhalb sadomasochistischer Praktiken zu erleben, und dies als belastend empfunden wird, kann dies klinisch relevant sein.
Diagnostik
Die Diagnostik erfolgt durch ein sachliches, nicht wertendes klinisches Gespräch, in dem zunächst sorgfältig geklärt wird, ob die Präferenz einvernehmlich zwischen erwachsenen, einwilligungsfähigen Personen ausgelebt wird und keinen erheblichen eigenen Leidensdruck verursacht, in welchem Fall kein Krankheitswert vorliegt. Erst wenn erheblicher eigener Leidensdruck besteht oder die Präferenz außerhalb einvernehmlicher Vereinbarungen gegen den Willen anderer Personen ausgelebt wird, wird eine klinisch bedeutsame Störung diagnostiziert. Eine wertfreie, respektvolle Gesprächsführung, die die grundsätzliche Bandbreite menschlicher Sexualität anerkennt, ist bei dieser Diagnostik von besonderer Bedeutung.
Behandlung
Eine Behandlung ist nur bei Vorliegen eines klinisch bedeutsamen Krankheitswerts angezeigt, nicht bei einer einvernehmlich ausgelebten, unproblematischen sadomasochistischen Präferenz. Bei erheblichem eigenem Leidensdruck steht eine unterstützende, wertschätzende Psychotherapie im Vordergrund, die der betroffenen Person hilft, Scham- und Schuldgefühle zu bearbeiten und einen selbstbestimmten, akzeptierenden Umgang mit der eigenen Sexualität zu entwickeln. Wird die Präferenz außerhalb einvernehmlicher Vereinbarungen gegen den Willen anderer Personen ausgelebt, stehen verhaltenstherapeutische Ansätze zum Aufbau von Impulskontrolle sowie zur Entwicklung alternativer, einvernehmlicher Formen sexueller Befriedigung im Vordergrund.
Verlauf und Prognose
Bei einer einvernehmlich ausgelebten, unproblematischen sadomasochistischen Präferenz ohne eigenen Leidensdruck ist keine besondere Prognoseaussage erforderlich, da kein Krankheitswert vorliegt. Bei Vorliegen eines klinisch bedeutsamen eigenen Leidensdrucks ist die Prognose mit unterstützender psychotherapeutischer Behandlung insgesamt günstig, viele Betroffene erreichen einen entspannteren, selbstbestimmteren Umgang mit ihrer Sexualität. Bei nicht einvernehmlich ausgelebten Formen ist eine konsequente, spezialisierte Behandlung zum Aufbau von Impulskontrolle wichtig, um die sexuelle Selbstbestimmung anderer Menschen zu schützen und rechtliche Konsequenzen für die betroffene Person zu vermeiden.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Störungen der Sexualpräferenz: Einordnung und Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Ist Sadomasochismus immer eine Krankheit?
Nein, eine einvernehmlich zwischen erwachsenen Personen ausgelebte sadomasochistische Präferenz besitzt keinen Krankheitswert; ein Krankheitswert liegt erst bei erheblichem eigenem Leidensdruck oder nicht einvernehmlicher Ausübung vor.
Was ist der Unterschied zwischen Sadismus und Masochismus?
Sadismus bezeichnet die Präferenz, entsprechende Handlungen anderen zuzufügen, Masochismus die Präferenz, sie selbst zu empfangen, wobei viele Betroffene Elemente aus beiden Bereichen bevorzugen.
Wann ist eine Behandlung angezeigt?
Eine Behandlung ist angezeigt, wenn die Präferenz erheblichen eigenen Leidensdruck verursacht oder außerhalb einvernehmlicher Vereinbarungen gegen den Willen anderer Personen ausgelebt wird.
Welche Behandlung hilft bei eigenem Leidensdruck bezüglich der Präferenz?
Eine unterstützende, wertschätzende Psychotherapie, die Scham- und Schuldgefühle bearbeitet und einen selbstbestimmten Umgang mit der eigenen Sexualität fördert, gilt als hilfreich.
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