Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
Die rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, beschreibt den Zustand einer Person, bei der bereits mindestens eine frühere depressive Episode in der Vorgeschichte bestand und die aktuelle, erneut aufgetretene Episode in mittelgradiger Ausprägung verläuft. Die aktuelle Episode ist durch mehrere depressive Kernsymptome in deutlich ausgeprägter Form gekennzeichnet, die zu einer spürbaren Beeinträchtigung der sozialen, häuslichen und beruflichen Funktionsfähigkeit führen. Da es sich um eine wiederholt aufgetretene Erkrankung handelt, ist neben der Behandlung der aktuellen Episode auch die langfristige Betrachtung des Krankheitsverlaufs und das Risiko künftiger Episoden von besonderer Bedeutung für die Behandlungsplanung.
Ursachen
Die Ursachen der rezidivierenden depressiven Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Episode entsprechen im Grundsatz denen depressiver Erkrankungen insgesamt, wobei bei wiederholtem Auftreten von einer ausgeprägten biologischen und psychosozialen Vulnerabilität für depressive Episoden ausgegangen wird. Eine familiäre Veranlagung, anhaltende Veränderungen im Botenstoffhaushalt des Gehirns sowie wiederkehrende belastende Lebensumstände tragen zur Entstehung erneuter Episoden bei. Insbesondere eine unzureichende oder zu früh abgebrochene Behandlung früherer Episoden sowie das Fehlen einer langfristigen Rückfallprophylaxe können das Risiko für das erneute Auftreten einer mittelgradig ausgeprägten Episode erhöhen. Auch neue, zusätzliche belastende Lebensereignisse können unabhängig vom Verlauf früherer Episoden zur aktuellen Symptomausprägung beitragen.
Symptome
Bei der aktuellen mittelgradigen Episode bestehen mehrere depressive Kernsymptome in deutlich ausgeprägter Form, etwa anhaltend gedrückte Stimmung, ausgeprägter Interessenverlust, deutlich verminderter Antrieb sowie Schlaf- und Appetitveränderungen. Die Symptomatik führt zu erheblichen Schwierigkeiten, alltägliche Aufgaben in Beruf, Haushalt oder sozialen Beziehungen fortzuführen. Da Betroffene bereits frühere Episoden erlebt haben, können zusätzlich Sorgen vor einem ähnlichen oder schwereren Verlauf wie in der Vergangenheit sowie ein Gefühl der Resignation angesichts der wiederholten Erkrankung hinzukommen. Manche Betroffene berichten, die aktuelle Episode aufgrund der Erfahrung mit früheren Phasen in ihrem Muster wiederzuerkennen, was die diagnostische Einordnung mitunter erleichtert.
Diagnostik
Die Diagnostik erfolgt durch ein ausführliches klinisches Gespräch, in dem sowohl die aktuelle mittelgradige Symptomatik als auch die Vorgeschichte früherer depressiver Episoden sorgfältig erfasst werden. Entscheidend für die Diagnose ist der Nachweis mindestens einer früheren depressiven Episode zusätzlich zur aktuellen Episode, deren Schweregrad anhand der allgemeinen Kriterien für mittelgradige depressive Episoden eingeordnet wird. Eine sorgfältige Erfassung von Häufigkeit, Dauer, Schweregrad und Behandlungsverlauf früherer Episoden ist wichtig, um die aktuelle Behandlung sowie eine mögliche langfristige Rückfallprophylaxe angemessen zu planen. Auch die Erfassung des aktuellen Suizidrisikos ist fester Bestandteil der diagnostischen Abklärung.
Behandlung
Die Behandlung der aktuellen mittelgradigen Episode umfasst in der Regel eine Kombination aus Psychotherapie und medikamentöser antidepressiver Behandlung, entsprechend den allgemeinen Behandlungsprinzipien mittelgradiger depressiver Episoden. Aufgrund des rezidivierenden Krankheitsverlaufs wird häufig zusätzlich eine längerfristige Erhaltungstherapie in Erwägung gezogen, die über die Rückbildung der akuten Symptomatik hinaus fortgeführt wird, um das Risiko weiterer Episoden zu verringern. Auch eine psychotherapeutische Auseinandersetzung mit wiederkehrenden belastenden Denkmustern oder Lebensumständen, die zu früheren Episoden beigetragen haben könnten, kann sinnvoll sein. Eine kontinuierliche fachärztliche Begleitung unterstützt sowohl die aktuelle Behandlung als auch die langfristige Rückfallprophylaxe.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf der aktuellen mittelgradigen Episode ist bei angemessener Behandlung insgesamt günstig, viele Betroffene erreichen innerhalb mehrerer Wochen bis Monate eine deutliche Besserung. Da es sich um eine rezidivierende Erkrankung handelt, besteht jedoch ein erhöhtes Risiko für das erneute Auftreten weiterer depressiver Episoden, wobei dieses Risiko mit der Anzahl bereits durchlebter Episoden tendenziell zunimmt. Eine konsequente Behandlung der aktuellen Episode sowie eine anschließende längerfristige vorbeugende Begleitung können das Risiko künftiger Episoden jedoch deutlich reduzieren. Eine kontinuierliche Nachsorge sowie die frühzeitige Erkennung erster Anzeichen einer erneuten Episode verbessern die langfristige Prognose erheblich.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Depression: Symptome, Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich diese Episode von einer erstmaligen mittelgradigen Depression?
Der wesentliche Unterschied liegt in der Vorgeschichte: Bei dieser Diagnose ist bereits mindestens eine frühere depressive Episode aufgetreten, was auf eine grundsätzliche Neigung zu wiederkehrenden Episoden hinweist.
Erhöht sich das Risiko für weitere Episoden mit jeder durchlebten Episode?
Ja, statistisch nimmt das Risiko für weitere Episoden tendenziell mit der Anzahl bereits durchlebter Episoden zu, weshalb eine langfristige Rückfallprophylaxe wichtig ist.
Wird bei rezidivierendem Verlauf eine längere Behandlung empfohlen?
Häufig wird eine über die Rückbildung der akuten Episode hinausgehende Erhaltungstherapie in Erwägung gezogen, um das Risiko weiterer Episoden zu verringern.
Kann sich die aktuelle Episode von früheren Episoden im Schweregrad unterscheiden?
Ja, der Schweregrad einzelner Episoden kann sich im Verlauf einer rezidivierenden depressiven Störung deutlich unterscheiden und unabhängig von früheren Episoden verlaufen.
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