Puerperalfieber (Kindbettfieber)
Das Puerperalfieber, umgangssprachlich Kindbettfieber genannt, bezeichnet eine fieberhafte bakterielle Infektion der Gebärmutter, des Geburtskanals oder angrenzender Strukturen, die im Wochenbett, also in den Wochen nach der Geburt, auftritt. Historisch zählte das Kindbettfieber zu den häufigsten Todesursachen bei Wöchnerinnen, bevor die Bedeutung der Hygiene bei der Geburtshilfe erkannt und konsequent umgesetzt wurde; dank moderner Hygienestandards und wirksamer Antibiotika ist die Erkrankung in Ländern mit gutem Gesundheitssystem heute deutlich seltener und in der überwiegenden Mehrheit der Fälle gut behandelbar. Die Infektion entsteht meist durch Bakterien, die während oder nach der Geburt über die Wundfläche an der ehemaligen Ansatzstelle der Plazenta oder über Verletzungen des Geburtskanals in die Gebärmutter aufsteigen. Typische Anzeichen sind Fieber, ein Druckschmerz der Gebärmutter sowie ein übelriechender Wochenfluss.
Ursachen
Ein Puerperalfieber entsteht meist durch das Aufsteigen von Bakterien aus der Scheide oder von außen in die Gebärmutter, wo sie insbesondere an der großen Wundfläche, die nach der Ablösung der Plazenta zurückbleibt, eine Infektion auslösen können. Begünstigende Faktoren sind eine lange Geburtsdauer mit vorzeitigem Blasensprung, häufige vaginale Untersuchungen während der Geburt, zurückgebliebene Plazenta- oder Eihautreste in der Gebärmutter, eine Schnittentbindung sowie Verletzungen des Geburtskanals, die als Eintrittspforte für Bakterien dienen können. Auch ein geschwächtes Immunsystem der Mutter, etwa durch Blutarmut, Mangelernährung oder Erschöpfung nach einer schwierigen Geburt, erhöht das Infektionsrisiko. In Regionen mit unzureichenden hygienischen Bedingungen bei der Geburtshilfe stellt das Puerperalfieber weiterhin eine bedeutende Ursache mütterlicher Erkrankung und Sterblichkeit dar.
Symptome
Charakteristisch ist Fieber, das typischerweise innerhalb der ersten zehn Tage nach der Geburt auftritt und oft von Schüttelfrost begleitet wird. Betroffene Frauen berichten häufig über einen Druckschmerz im Unterbauch, insbesondere im Bereich der Gebärmutter, die sich bei der Untersuchung vergrößert und druckempfindlich zeigt. Der Wochenfluss, also der normale Ausfluss aus der Gebärmutter nach der Geburt, verändert sich häufig, wird stärker, übelriechend oder eitrig-blutig. Begleitend können ein allgemeines Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, ein beschleunigter Puls sowie, bei fortschreitender Infektion, Anzeichen einer beginnenden Blutvergiftung wie ausgeprägte Schwäche, Verwirrtheit oder ein Blutdruckabfall auftreten. Bei Beteiligung des Bauchfells können zusätzlich starke, diffuse Bauchschmerzen mit einer Abwehrspannung der Bauchdecke hinzukommen.
Diagnostik
Die Diagnose stützt sich auf die charakteristische Kombination aus Fieber im Wochenbett, einem druckschmerzhaften Gebärmutterbefund sowie einem auffälligen Wochenfluss. Eine gynäkologische Untersuchung dient der Beurteilung von Größe, Konsistenz und Druckschmerzhaftigkeit der Gebärmutter sowie der Suche nach möglichen Verletzungen des Geburtskanals als Eintrittspforte der Infektion. Blutuntersuchungen zeigen häufig erhöhte Entzündungswerte und eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen. Ein Abstrich aus der Gebärmutter oder eine Blutkultur kann zur gezielten Erregerbestimmung beitragen und die Wahl der antibiotischen Behandlung unterstützen. Eine Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter kann helfen, zurückgebliebene Plazenta- oder Eihautreste als mögliche Ursache oder aufrechterhaltenden Faktor der Infektion zu erkennen.
Behandlung
Die Behandlung des Puerperalfiebers erfolgt mit einer gezielten Antibiotikatherapie, die je nach Schweregrad zunächst als Breitbandtherapie begonnen und nach Vorliegen des Erregernachweises gegebenenfalls angepasst wird. Bei zurückgebliebenen Plazenta- oder Eihautresten in der Gebärmutter ist häufig eine operative Entfernung dieser Gewebereste notwendig, um die Infektionsquelle zu beseitigen und eine vollständige Ausheilung zu ermöglichen. Bei schwereren Verläufen mit Anzeichen einer beginnenden Blutvergiftung ist eine intensivmedizinische Überwachung mit Kreislaufstabilisierung und intravenöser Antibiotikagabe erforderlich. Bei Verletzungen des Geburtskanals als Infektionsquelle wird die entsprechende Wunde zusätzlich chirurgisch versorgt. Eine frühzeitige Erkennung und der rasche Beginn der Behandlung sind entscheidend, um ein Fortschreiten der Infektion zu verhindern.
Verlauf und Prognose
Mit einer rechtzeitigen und angemessenen antibiotischen Behandlung heilt das Puerperalfieber in der überwiegenden Mehrheit der Fälle innerhalb weniger Tage bis Wochen folgenlos aus. Wird die Erkrankung nicht rechtzeitig erkannt oder unzureichend behandelt, kann sich die Infektion ausbreiten und zu ernsten Komplikationen wie einer Bauchfellentzündung, einer Beckenvenenthrombose oder einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung fortschreiten. Dank moderner Hygienestandards in der Geburtshilfe sowie der Verfügbarkeit wirksamer Antibiotika ist die Erkrankung in Ländern mit gutem Gesundheitssystem deutlich seltener geworden und verläuft bei rechtzeitiger Behandlung überwiegend gutartig. Nach überstandener Infektion sind bleibende Folgen für die Fruchtbarkeit selten, insbesondere wenn die Behandlung frühzeitig eingeleitet wurde.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Puerperalfieber: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was ist Puerperalfieber?
Eine fieberhafte bakterielle Infektion der Gebärmutter oder des Geburtskanals, die im Wochenbett, also in den Wochen nach der Geburt, auftritt und typischerweise mit Fieber, Unterbauchschmerzen und verändertem Wochenfluss einhergeht.
Warum war Kindbettfieber historisch so gefürchtet?
Weil vor der Entdeckung der Bedeutung von Hygiene in der Geburtshilfe viele Wöchnerinnen an dieser Infektion verstarben. Erst die Einführung konsequenter Hygienemaßnahmen und später wirksamer Antibiotika senkte die Sterblichkeit erheblich.
Woran erkennt man ein mögliches Puerperalfieber?
An Fieber innerhalb der ersten Tage nach der Geburt, einem Druckschmerz im Bereich der Gebärmutter sowie einem veränderten, oft übelriechenden Wochenfluss. Bei solchen Anzeichen sollte umgehend ärztliche Hilfe gesucht werden.
Wie wird Puerperalfieber behandelt?
In erster Linie mit Antibiotika; bei zurückgebliebenen Plazenta- oder Eihautresten in der Gebärmutter ist häufig zusätzlich eine operative Entfernung dieser Gewebereste notwendig, um die Infektionsquelle zu beseitigen.
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