Psychische und Verhaltensstörungen durch Halluzinogene
Halluzinogene sind eine Gruppe von Substanzen wie LSD, Psilocybin-haltige Pilze oder bestimmte synthetische Wirkstoffe, die nach ihrem Konsum ausgeprägte Veränderungen der Wahrnehmung, des Denkens und des Gefühlslebens hervorrufen können, häufig begleitet von optischen und akustischen Trugwahrnehmungen sowie einem veränderten Zeit- und Selbstgefühl. Im Unterschied zu vielen anderen Suchtstoffen entwickeln Halluzinogene in der Regel keine ausgeprägte körperliche Abhängigkeit, ihr Konsum ist jedoch mit dem Risiko akuter psychischer Krisen sowie, bei einem kleineren Teil der Konsumenten, mit langanhaltenden Wahrnehmungsstörungen verbunden. Die Wirkung ist stark von der individuellen psychischen Verfassung, der Dosis sowie den äußeren Umständen des Konsums abhängig, was die Vorhersehbarkeit der Reaktion erheblich erschwert und das Risiko für unangenehme oder angstbesetzte Erfahrungen erhöht.
Ursachen
Halluzinogene entfalten ihre Wirkung überwiegend über eine Beeinflussung des Serotoninsystems im Gehirn, das für die Regulation von Stimmung, Wahrnehmung und Denken eine zentrale Rolle spielt, wodurch die charakteristischen Veränderungen der Sinneswahrnehmung und des Bewusstseins entstehen. Der Konsum erfolgt meist aus Neugier, im Rahmen sozialer oder spiritueller Kontexte oder in der Erwartung einer intensiven, bewusstseinserweiternden Erfahrung. Eine akute psychische Krise während oder nach dem Konsum, umgangssprachlich als schlechter Trip bezeichnet, wird durch Faktoren wie eine hohe Dosis, eine bereits bestehende psychische Vorbelastung, eine ungünstige, unsichere Umgebung sowie eine negative innere Erwartungshaltung begünstigt. Bei Menschen mit einer Veranlagung zu psychotischen Erkrankungen kann der Konsum von Halluzinogenen unter Umständen eine bereits angelegte psychotische Störung auslösen oder vorzeitig zum Ausbruch bringen.
Symptome
Während der akuten Wirkung kommt es zu ausgeprägten Veränderungen der Sinneswahrnehmung, etwa intensivierten Farben, optischen Trugbildern, einem veränderten Zeitgefühl sowie einer veränderten, oft als intensiv erlebten Gefühlswelt, die von starker Euphorie bis zu intensiver Angst reichen kann. Eine akute psychische Krise äußert sich durch überwältigende Angst, Panik, Verwirrtheit sowie das Gefühl, die Kontrolle über die eigene Wahrnehmung oder Identität zu verlieren, was für Betroffene sehr belastend sein kann. Bei einem kleineren Teil der Konsumenten können nach Abklingen der akuten Wirkung wiederkehrende, spontane Wahrnehmungsstörungen auftreten, die Wochen bis Jahre nach dem letzten Konsum in Form kurzer, unwillkürlicher Rückblenden der ursprünglichen Wahrnehmungsveränderungen wieder auftreten können, ein Phänomen, das als Halluzinogen-persistierende Wahrnehmungsstörung bezeichnet wird. Bei entsprechender Veranlagung kann der Konsum zudem eine länger anhaltende psychotische Episode auslösen.
Diagnostik
Die Diagnose einer akuten Intoxikation stützt sich auf die typische Krankengeschichte mit berichtetem Substanzkonsum sowie das charakteristische klinische Bild veränderter Wahrnehmung, wobei bei Bedarf ein Drogenscreening im Urin oder Blut zur Bestätigung durchgeführt werden kann. Bei einer akuten psychischen Krise steht zunächst die Unterscheidung von anderen ernsten Ursachen einer akuten Verwirrtheit im Vordergrund, um behandelbare organische Ursachen nicht zu übersehen. Bei anhaltenden Wahrnehmungsstörungen oder Hinweisen auf eine ausgelöste psychotische Episode erfolgt eine ausführliche psychiatrische Untersuchung, die auch die individuelle Vorgeschichte psychischer Erkrankungen und eine mögliche familiäre Veranlagung zu psychotischen Störungen erfasst, da diese für die weitere Einschätzung und Behandlung von Bedeutung sind.
Behandlung
Eine akute psychische Krise während der Wirkung von Halluzinogenen wird in erster Linie durch eine beruhigende, unterstützende Begleitung in einer sicheren, reizarmen Umgebung behandelt, verbunden mit der wiederholten Versicherung, dass die Wirkung vorübergehend ist und wieder abklingen wird. Nur bei sehr ausgeprägter Angst oder Erregung kommen kurzfristig beruhigende Medikamente zum Einsatz. Eine körperliche Abhängigkeit im klassischen Sinne, die eine spezifische Entzugsbehandlung erfordern würde, entwickelt sich bei Halluzinogenen in der Regel nicht, weshalb der Behandlungsschwerpunkt bei wiederholtem, problematischem Konsum auf einer psychotherapeutischen Aufarbeitung der zugrunde liegenden Beweggründe liegt. Bei einer durch den Konsum ausgelösten, länger anhaltenden psychotischen Episode ist eine fachpsychiatrische Behandlung notwendig, die sich an den etablierten Behandlungsprinzipien für psychotische Störungen orientiert.
Verlauf und Prognose
Eine akute psychische Krise während des Konsums klingt in den allermeisten Fällen innerhalb weniger Stunden vollständig ab, sobald die Wirkung der Substanz nachlässt, insbesondere wenn eine ruhige, unterstützende Begleitung erfolgt. Die selten auftretende Halluzinogen-persistierende Wahrnehmungsstörung mit wiederkehrenden kurzen Wahrnehmungsepisoden kann über Monate bis Jahre bestehen bleiben, wobei sich die Beschwerden bei vielen Betroffenen im Laufe der Zeit abschwächen. Wird durch den Konsum bei entsprechender Veranlagung eine psychotische Episode ausgelöst, richtet sich der weitere Verlauf nach dem Verlauf dieser Erkrankung, der individuell sehr unterschiedlich sein kann. Menschen mit einer bekannten Veranlagung zu psychotischen Erkrankungen oder einer familiären Belastung wird generell vom Konsum von Halluzinogenen abgeraten, da das Risiko einer schwerwiegenden, langanhaltenden Reaktion bei ihnen deutlich erhöht ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Psychische und Verhaltensstörungen durch Halluzinogene: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Machen Halluzinogene körperlich abhängig?
Nein, im Unterschied zu vielen anderen Suchtstoffen entwickelt sich bei Halluzinogenen in der Regel keine ausgeprägte körperliche Abhängigkeit, wohl aber das Risiko akuter psychischer Krisen und, selten, langanhaltender Wahrnehmungsstörungen.
Was ist ein schlechter Trip?
Eine akute psychische Krise während der Wirkung von Halluzinogenen, die sich durch überwältigende Angst, Panik und Kontrollverlust äußert und meist innerhalb weniger Stunden mit beruhigender Begleitung abklingt.
Was ist eine Halluzinogen-persistierende Wahrnehmungsstörung?
Eine seltene Folge, bei der Wochen bis Jahre nach dem letzten Konsum kurze, unwillkürliche Rückblenden der ursprünglichen Wahrnehmungsveränderungen wieder auftreten können.
Warum wird Menschen mit psychotischer Veranlagung vom Konsum abgeraten?
Weil der Konsum von Halluzinogenen bei entsprechender Veranlagung eine bereits angelegte psychotische Störung auslösen oder vorzeitig zum Ausbruch bringen kann.
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