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Psyche & Nervensystem

Psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide

Psychische und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide bezeichnen eine übergeordnete diagnostische Kategorie, die das Spektrum psychischer Beeinträchtigungen umfasst, das durch den Konsum von Cannabis und verwandten Substanzen verursacht wird. Dazu zählen die akute Cannabiswirkung mit ihren typischen Effekten auf Wahrnehmung, Stimmung und Denken, der schädliche Gebrauch mit erkennbaren gesundheitlichen oder sozialen Folgen, die Entwicklung einer Cannabisabhängigkeit sowie in selteneren, aber klinisch bedeutsamen Fällen cannabisinduzierte psychotische Störungen. Die Kategorie berücksichtigt, dass Cannabis trotz seiner in Teilen der Bevölkerung verbreiteten, gesellschaftlich unterschiedlich bewerteten Nutzung ein relevantes Potenzial für psychische Beeinträchtigungen besitzt, insbesondere bei regelmäßigem, hochdosiertem oder frühem Konsumbeginn.

Ursachen

Die im Cannabis enthaltenen Wirkstoffe, insbesondere Tetrahydrocannabinol, wirken auf spezifische Rezeptorsysteme im Gehirn, die an der Regulation von Stimmung, Wahrnehmung, Gedächtnis und Angstverarbeitung beteiligt sind. Ein regelmäßiger, insbesondere hochdosierter Konsum kann zu Anpassungsprozessen im Gehirn führen, die Toleranzentwicklung und eine psychische, seltener auch körperliche Abhängigkeit begünstigen. Als Risikofaktoren für die Entwicklung psychischer Verhaltensstörungen durch Cannabinoide gelten ein früher Konsumbeginn im Jugendalter, da sich das Gehirn in dieser Lebensphase noch in einer sensiblen Entwicklungsphase befindet, eine genetische Vulnerabilität für psychische Erkrankungen, insbesondere für psychotische Störungen, sowie ein hoher Wirkstoffgehalt der konsumierten Produkte. Auch belastende Lebensumstände und der Konsum als Bewältigungsstrategie bei bestehenden psychischen Belastungen erhöhen das Risiko.

Symptome

Die akute Wirkung von Cannabis äußert sich häufig in veränderter Wahrnehmung, gehobener oder gedrückter Stimmung, verändertem Zeitempfinden, verstärktem Appetit sowie Beeinträchtigungen der Konzentration und des Kurzzeitgedächtnisses. Bei regelmäßigem, problematischem Konsum können sich ein starkes Verlangen nach der Substanz, ein zunehmender Kontrollverlust über Konsummenge und -häufigkeit sowie eine Vernachlässigung anderer Lebensbereiche zugunsten des Konsums entwickeln. Entzugserscheinungen bei Reduktion oder Absetzen können sich in Reizbarkeit, Schlafstörungen, vermindertem Appetit und innerer Unruhe zeigen. In selteneren, schwereren Fällen können bei besonders vulnerablen Personen oder nach sehr hochdosiertem Konsum akute psychotische Symptome wie Wahnvorstellungen oder Sinnestäuschungen auftreten.

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Diagnostik

Die diagnostische Einordnung erfolgt durch ein ausführliches klinisches Gespräch, in dem Konsummuster, Konsummenge, mögliche Kontrollverluste sowie psychische und soziale Auswirkungen des Cannabiskonsums erfasst werden. Standardisierte Fragebögen können bei der Einschätzung des Schweregrads unterstützen. Wichtig ist die Abgrenzung zwischen einem gelegentlichen, risikoarmen Konsum, einem schädlichen Gebrauch mit erkennbaren negativen Folgen und einer manifesten Abhängigkeit. Bei Hinweisen auf psychotische Symptome ist eine sorgfältige psychiatrische Abklärung erforderlich, um cannabisinduzierte Zustände von eigenständigen psychotischen Erkrankungen abzugrenzen, die durch den Konsum lediglich ausgelöst oder verstärkt worden sein können. Auch begleitende psychische Erkrankungen sollten im Rahmen der Diagnostik mit erfasst werden.

Behandlung

Die Behandlung psychischer und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide orientiert sich am individuellen Schweregrad und den vorherrschenden Beschwerden. Bei problematischem Konsum oder einer Abhängigkeit stehen psychotherapeutische Verfahren im Vordergrund, insbesondere verhaltenstherapeutische und motivationsfördernde Ansätze, die auf eine Reduktion oder Beendigung des Konsums sowie den Aufbau alternativer Bewältigungsstrategien abzielen. Suchtberatungsstellen bieten niedrigschwellige Unterstützung und Begleitung im Veränderungsprozess. Bei akuten psychotischen Symptomen ist häufig eine zeitnahe fachärztliche, gegebenenfalls stationäre Behandlung notwendig, um die Symptomatik zu stabilisieren. Begleitende psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder depressive Verstimmungen sollten parallel behandelt werden, da sie den Konsum häufig aufrechterhalten oder verstärken können.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf ist sehr unterschiedlich und hängt von Konsummenge, Konsumdauer, dem Zeitpunkt des Konsumbeginns sowie individuellen Vulnerabilitätsfaktoren ab. Bei vielen Betroffenen bildet sich ein gelegentlicher oder moderater Konsum ohne bleibende psychische Folgen zurück, insbesondere wenn er im Erwachsenenalter beginnt und zeitlich begrenzt bleibt. Bei regelmäßigem, hochdosiertem Konsum, besonders wenn er bereits im Jugendalter beginnt, besteht ein erhöhtes Risiko für anhaltende kognitive Beeinträchtigungen sowie für die Manifestation psychotischer Störungen bei entsprechender Veranlagung. Mit konsequenter therapeutischer Unterstützung lässt sich der Konsum bei den meisten Betroffenen deutlich reduzieren oder beenden, wobei ein früher Behandlungsbeginn die Prognose deutlich verbessert.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Macht Cannabis körperlich abhängig?

Cannabis führt vor allem zu einer psychischen Abhängigkeit, körperliche Entzugserscheinungen wie Reizbarkeit oder Schlafstörungen können bei regelmäßigem, hochdosiertem Konsum jedoch ebenfalls auftreten.

Warum ist ein früher Konsumbeginn besonders riskant?

Das jugendliche Gehirn befindet sich noch in einer sensiblen Entwicklungsphase, weshalb ein früher, regelmäßiger Konsum das Risiko für anhaltende kognitive Beeinträchtigungen und psychotische Störungen erhöhen kann.

Kann Cannabiskonsum eine Psychose auslösen?

Bei entsprechender individueller Veranlagung kann insbesondere hochdosierter oder regelmäßiger Konsum das Risiko für das Auftreten psychotischer Symptome erhöhen oder eine bestehende Vulnerabilität verstärken.

Welche Behandlung hilft bei problematischem Cannabiskonsum?

Bewährt haben sich verhaltenstherapeutische und motivationsfördernde psychotherapeutische Ansätze, ergänzt durch die Unterstützung von Suchtberatungsstellen und, bei Bedarf, die Behandlung begleitender psychischer Erkrankungen.

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