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Nervensystem & Gehirn

Progressive Supranukleäre Blickparese (PSP)

Die progressive supranukleäre Blickparese, auch Steele-Richardson-Olszewski-Syndrom genannt, ist eine seltene, fortschreitende Erkrankung des Gehirns, bei der Nervenzellen in mehreren tief liegenden Hirnregionen zugrunde gehen. Sie zählt zu den atypischen Parkinson-Syndromen und ist gekennzeichnet durch eine Kombination aus Gleichgewichtsstörungen mit frühen Stürzen und einer zunehmenden Einschränkung der willkürlichen Augenbewegungen.

Ursachen

Ursächlich ist eine fortschreitende Ablagerung eines krankhaft veränderten Eiweißes namens Tau-Protein in Nervenzellen mehrerer, für Bewegungssteuerung und Blicksteuerung wichtiger Hirnregionen. Die genauen Auslöser dieser Eiweißablagerung sind bislang nicht bekannt. Im Unterschied zur klassischen Parkinson-Krankheit sind bei der progressiven supranukleären Blickparese von Beginn an auch Hirnregionen betroffen, die für die Steuerung der Augenbewegungen zuständig sind.

Symptome

Kennzeichnend sind früh im Krankheitsverlauf auftretende, oft nach hinten gerichtete Stürze durch eine ausgeprägte Gleichgewichtsstörung, noch bevor sich deutliche Bewegungsverlangsamung oder Muskelsteifheit zeigen. Charakteristisch ist außerdem eine zunehmende Einschränkung der willkürlichen Blickbewegungen, insbesondere nach unten, während unwillkürliche Augenbewegungen, etwa beim Kopfdrehen, meist länger erhalten bleiben. Im Verlauf kommen häufig eine Sprech- und Schluckstörung sowie Veränderungen von Persönlichkeit und Denkvermögen hinzu.

Diagnostik

Die Diagnose stützt sich auf die charakteristische Kombination aus frühen Stürzen und der zunehmenden Einschränkung insbesondere der Abwärtsblickbewegung bei der neurologischen Untersuchung. Eine Magnetresonanztomografie des Gehirns kann eine typische Verkleinerung des Mittelhirns zeigen, die bildlich mit einem Kolibri oder Pinguin verglichen wird. Das ausbleibende oder nur sehr schwache Ansprechen auf Levodopa liefert einen zusätzlichen diagnostischen Hinweis und hilft, die Erkrankung von der klassischen Parkinson-Krankheit abzugrenzen.

Behandlung

Eine ursächliche Behandlung, die das Fortschreiten der Erkrankung aufhält, existiert bisher nicht. Levodopa wird dennoch versucht, da ein kleiner Teil der Betroffenen zumindest zeitweise leicht davon profitiert. Physiotherapie zur Sturzprophylaxe, Logopädie bei Sprech- und Schluckstörungen sowie Hilfsmittel wie spezielle Prismenbrillen zum Ausgleich der Blickeinschränkung stehen im Vordergrund der Behandlung.

Verlauf und Prognose

Die progressive supranukleäre Blickparese schreitet in der Regel rasch fort, mit zunehmender Sturzgefahr, Pflegebedürftigkeit und Schluckstörungen meist innerhalb weniger Jahre nach den ersten Symptomen. Die Lebenserwartung ist deutlich verkürzt, wobei Lungenentzündungen infolge von Schluckstörungen eine häufige Komplikation darstellen. Eine frühzeitige, interdisziplinäre Betreuung mit besonderem Augenmerk auf Sturzprophylaxe kann schwere Verletzungen verhindern und die Lebensqualität verbessern.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Warum stürzen Betroffene schon früh im Krankheitsverlauf?

Weil die Gleichgewichtsstörung bei dieser Erkrankung besonders früh auftritt, oft noch bevor sich andere Bewegungsstörungen deutlich zeigen, wodurch das Sturzrisiko frühzeitig erhöht ist.

Warum lässt sich der Blick nach unten kaum noch bewegen?

Weil die für die willkürliche Blicksteuerung zuständigen Hirnregionen bei dieser Erkrankung besonders betroffen sind, während unwillkürliche Augenbewegungen länger erhalten bleiben.

Hilft Levodopa bei dieser Erkrankung?

Meist nur sehr eingeschränkt oder gar nicht, ein Behandlungsversuch wird dennoch häufig unternommen, da ein kleiner Teil der Betroffenen leicht profitiert.

Was kann das Sturzrisiko im Alltag senken?

Physiotherapie zur gezielten Sturzprophylaxe sowie eine Anpassung des Wohnumfelds, etwa durch das Entfernen von Stolperfallen, können das Verletzungsrisiko deutlich verringern.

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