Ein Angebot von Personal Paramedic e.K. · DGUV-anerkannte Ausbildungsstätte (8.2018)
Psyche & Nervensystem

Posttraumatische Belastungsstörung

Die posttraumatische Belastungsstörung, häufig auch als PTBS abgekürzt, ist eine psychische Erkrankung, die sich als Reaktion auf ein außergewöhnlich bedrohliches oder katastrophales Ereignis entwickeln kann, etwa nach schweren Unfällen, Gewalterfahrungen, Naturkatastrophen, Kriegserlebnissen oder sexuellem Missbrauch. Charakteristisch sind wiederkehrende, ungewollte Erinnerungen an das belastende Ereignis, die häufig in Form lebendiger, oft als sogenannte Flashbacks bezeichneter Nacherlebensepisoden auftreten, begleitet von einer ausgeprägten Vermeidung von Situationen, Orten oder Gesprächen, die an das Ereignis erinnern. Zusätzlich zeigen Betroffene häufig eine anhaltend erhöhte innere Anspannung, Reizbarkeit und Schreckhaftigkeit. Die posttraumatische Belastungsstörung kann sich unmittelbar nach dem belastenden Ereignis oder auch mit deutlicher zeitlicher Verzögerung entwickeln und stellt eine erhebliche Belastung für die Betroffenen und ihr Umfeld dar.

Ursachen

Ursache der posttraumatischen Belastungsstörung ist das Erleben oder Miterleben eines außergewöhnlich bedrohlichen oder katastrophalen Ereignisses, das nahezu bei jedem Menschen tiefgreifende Verzweiflung auslösen würde. Nicht jede Person, die ein solches Ereignis erlebt, entwickelt jedoch eine posttraumatische Belastungsstörung, weshalb zusätzliche individuelle Risikofaktoren eine wichtige Rolle spielen. Dazu zählen die Schwere und Dauer des traumatischen Erlebnisses, das Vorliegen mehrfacher oder wiederholter Traumatisierungen, eine geringere soziale Unterstützung nach dem Ereignis, frühere belastende Lebenserfahrungen sowie eine individuelle biologische und psychische Vulnerabilität. Auch das Fehlen einer Möglichkeit, das Erlebte unmittelbar zu verarbeiten, sowie zusätzliche Belastungen im Nachgang des Ereignisses, etwa rechtliche Auseinandersetzungen oder anhaltende Unsicherheit, können das Risiko einer Chronifizierung erhöhen.

Symptome

Zu den Kernsymptomen zählen das wiederholte, ungewollte Wiedererleben des traumatischen Ereignisses in Form aufdringlicher Erinnerungen, Albträume oder intensiver Flashbacks, bei denen sich Betroffene vorübergehend so fühlen, als würden sie das Ereignis erneut durchleben. Begleitend zeigt sich eine ausgeprägte Vermeidung von Gedanken, Gefühlen, Orten oder Aktivitäten, die mit dem Trauma in Verbindung stehen, sowie häufig ein Gefühl der emotionalen Taubheit und Entfremdung von anderen Menschen. Zusätzlich bestehen Symptome erhöhter Anspannung wie Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, übermäßige Schreckhaftigkeit und ständige Wachsamkeit gegenüber möglichen Gefahren. Viele Betroffene entwickeln zudem negative Veränderungen in Denken und Stimmung, etwa anhaltende Schuld- oder Schamgefühle, ein vermindertes Interesse an früher wichtigen Aktivitäten oder ein verzerrtes Bild von sich selbst und der Welt.

Anzeige

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt durch ein ausführliches, einfühlsames klinisches Gespräch, in dem das belastende Ereignis, die charakteristischen Symptome des Wiedererlebens, der Vermeidung und der erhöhten Anspannung sowie deren zeitlicher Verlauf sorgfältig erfasst werden. Entscheidend für die Diagnose ist, dass die Symptomatik in unmittelbarem Zusammenhang mit einem tatsächlich erlebten oder miterlebten außergewöhnlich bedrohlichen Ereignis steht und über einen bedeutsamen Zeitraum anhält. Strukturierte klinische Interviews und standardisierte Fragebögen können die Diagnostik unterstützen. Aufgrund der häufig bestehenden Scham- und Vermeidungstendenzen ist eine besonders behutsame, vertrauensvolle Gesprächsführung wichtig, damit Betroffene über das Erlebte sprechen können, ohne retraumatisiert zu werden. Auch begleitende psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen sollten im Rahmen der Diagnostik mit erfasst werden.

Behandlung

Im Zentrum der Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung stehen spezialisierte traumafokussierte psychotherapeutische Verfahren, die auf eine strukturierte Verarbeitung des belastenden Erlebnisses abzielen. Bewährt haben sich unter anderem traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie sowie spezielle Verfahren zur Verarbeitung belastender Erinnerungen, die eine schrittweise, kontrollierte Annäherung an das traumatische Material ermöglichen, ohne die betroffene Person zu überfordern. Ziel der Behandlung ist es, die belastenden Erinnerungen in die eigene Lebensgeschichte zu integrieren, Vermeidungsverhalten abzubauen und die innere Anspannung zu reduzieren. Bei ausgeprägten Begleitsymptomen wie schweren Schlafstörungen oder Depressionen kann eine ergänzende medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Eine stabile therapeutische Beziehung sowie ein unterstützendes soziales Umfeld sind für den Behandlungserfolg von großer Bedeutung.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf der posttraumatischen Belastungsstörung ist individuell unterschiedlich: Bei einem Teil der Betroffenen klingen die Symptome innerhalb einiger Monate nach dem belastenden Ereignis von selbst ab, insbesondere bei ausreichender sozialer Unterstützung. Bei anderen Betroffenen kann sich die Symptomatik chronifizieren und über Jahre bestehen bleiben, wenn keine angemessene Behandlung erfolgt. Mit spezialisierter, traumafokussierter Psychotherapie erreichen jedoch viele Betroffene eine deutliche Reduktion der Symptomatik und eine erhebliche Verbesserung ihrer Lebensqualität, selbst wenn das belastende Ereignis bereits lange zurückliegt. Eine frühzeitige Behandlung sowie eine stabile soziale Unterstützung verbessern die Prognose deutlich, wobei auch bei chronifizierten Verläufen eine spätere erfolgreiche Behandlung möglich ist.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Anzeige
FAQ

Häufige Fragen

Entwickelt jeder Mensch nach einem traumatischen Ereignis eine PTBS?

Nein, viele Menschen verarbeiten belastende Ereignisse ohne bleibende psychische Folgen, individuelle Faktoren wie Schwere des Ereignisses, soziale Unterstützung und persönliche Vulnerabilität beeinflussen jedoch das Risiko.

Was sind Flashbacks?

Flashbacks sind intensive, lebendige Nacherlebensepisoden, bei denen Betroffene sich vorübergehend so fühlen, als würden sie das traumatische Ereignis erneut durchleben.

Kann sich die Störung auch verzögert nach dem Ereignis entwickeln?

Ja, die Symptomatik kann sich unmittelbar nach dem Ereignis, aber auch erst mit deutlicher zeitlicher Verzögerung von Monaten bis Jahren entwickeln.

Welche Behandlung ist am wirksamsten?

Spezialisierte, traumafokussierte psychotherapeutische Verfahren gelten als besonders wirksam, da sie eine strukturierte Verarbeitung des belastenden Erlebnisses ermöglichen.

Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen

Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.

Kurs finden Inhouse anfragen