Postpolio-Syndrom
Das Postpolio-Syndrom bezeichnet eine neue oder zunehmende Muskelschwäche, Erschöpfung und Schmerzen, die Jahrzehnte nach einer überstandenen Poliomyelitis (Kinderlähmung) bei einem Teil der Betroffenen auftreten können. Es betrifft Menschen, die die akute Viruserkrankung meist Jahrzehnte zuvor durchgemacht haben und sich danach über lange Zeit stabil oder sogar mit weiterer Verbesserung erlebten. Da die Polio-Erkrankung in vielen Ländern dank Impfung selten geworden ist, wird das Postpolio-Syndrom heute überwiegend bei älteren Menschen beobachtet, die vor Einführung der Polio-Impfung erkrankten.
Ursachen
Die ursprüngliche Poliomyelitis zerstört einen Teil der Nervenzellen im Rückenmark, die für die Ansteuerung der Muskulatur zuständig sind. Überlebende Nervenzellen übernehmen die Versorgung zusätzlicher Muskelfasern und kompensieren so über Jahrzehnte den ursprünglichen Ausfall. Man nimmt an, dass diese über lange Zeit überlasteten Nervenzellen im Alter selbst allmählich erschöpfen oder absterben, wodurch die zuvor kompensierte Muskelschwäche erneut zunimmt.
Symptome
Typisch ist eine langsam fortschreitende, neue oder verstärkte Muskelschwäche und -ermüdbarkeit, die meist die bereits von der ursprünglichen Polio betroffenen Muskelgruppen betrifft, gelegentlich aber auch zuvor unbeteiligte Bereiche. Begleitend treten häufig eine ausgeprägte allgemeine Erschöpfung, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Kälteempfindlichkeit der betroffenen Gliedmaßen auf. Bei einem Teil der Betroffenen verschlechtert sich zusätzlich die Atemfunktion, wenn ursprünglich die Atemmuskulatur mitbetroffen war.
Diagnostik
Die Diagnose wird anhand der Krankengeschichte mit einer früheren, gut dokumentierten Polioerkrankung, einer langen stabilen Phase von mindestens 15 Jahren und dem anschließenden Auftreten neuer, sonst nicht erklärbarer Beschwerden gestellt. Andere Ursachen für die zunehmende Muskelschwäche, etwa altersbedingte Gelenkverschleißerscheinungen oder andere neurologische Erkrankungen, müssen sorgfältig ausgeschlossen werden, da es keinen spezifischen Labortest für das Postpolio-Syndrom gibt.
Behandlung
Eine ursächliche Behandlung existiert nicht. Im Vordergrund steht eine angepasste, nicht überlastende körperliche Aktivität, da sowohl völlige Schonung als auch Überanstrengung die Beschwerden verschlimmern können; ein individuell abgestimmtes, moderates Bewegungsprogramm unter fachkundiger Anleitung wird empfohlen. Hilfsmittel wie Gehstützen, Orthesen oder Rollstühle können helfen, die vorhandene Muskelkraft zu schonen und den Alltag zu erleichtern. Schmerzmittel und eine Anpassung der Lebens- und Arbeitsgewohnheiten unterstützen zusätzlich.
Verlauf und Prognose
Das Postpolio-Syndrom verläuft meist langsam über viele Jahre und führt bei den meisten Betroffenen zu einer allmählichen, aber begrenzten Verschlechterung, nicht zu einem raschen, schweren Fortschreiten wie bei manchen anderen neurodegenerativen Erkrankungen. Mit angepasster Aktivität, Hilfsmitteln und einer Anpassung der Lebensweise lässt sich die Lebensqualität bei den meisten Betroffenen über lange Zeit gut erhalten.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Postpolio-Syndrom: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Ist das Postpolio-Syndrom ansteckend?
Nein, es ist keine erneute Virusinfektion, sondern eine Spätfolge der ursprünglichen Poliomyelitis, verursacht durch die Erschöpfung überlasteter Nervenzellen im Alter.
Warum verschlechtert Überanstrengung die Beschwerden?
Weil die verbliebenen, bereits überlasteten Nervenzellen durch zusätzliche Belastung schneller erschöpfen können, weshalb ein ausgewogenes, angepasstes Aktivitätsniveau empfohlen wird.
Wie viele Jahre nach der ursprünglichen Erkrankung tritt es auf?
Meist erst Jahrzehnte, häufig 15 bis 40 Jahre, nach der ursprünglichen Poliomyelitis, nach einer langen, stabilen beschwerdearmen Phase.
Warum ist diese Erkrankung heute seltener?
Weil die Polio-Impfung die ursprüngliche Erkrankung in vielen Ländern nahezu ausgerottet hat, weshalb heute überwiegend ältere Menschen betroffen sind, die vor Einführung der Impfung erkrankten.
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