Osteochondrose der Wirbelsäule
Die Osteochondrose der Wirbelsäule bezeichnet einen fortschreitenden, verschleißbedingten Umbauprozess, bei dem sich infolge eines Bandscheibenschadens auch die angrenzenden Deck- und Grundplatten der Wirbelkörper krankhaft verändern. Wenn eine Bandscheibe im Laufe des Lebens an Höhe und Elastizität verliert, wird die Belastung anders auf die benachbarten Wirbelkörper übertragen, was dort zu knöchernen Umbauvorgängen, einer Sklerosierung des Knochens und im weiteren Verlauf mitunter zur Bildung von Randzacken, sogenannten Osteophyten, führen kann. Die Erkrankung tritt am häufigsten in der Lendenwirbelsäule auf, kann aber auch die Hals- und Brustwirbelsäule betreffen, und findet sich besonders häufig bei Menschen mittleren und höheren Alters. Viele Betroffene bemerken die Veränderungen zunächst gar nicht, da sie auf Röntgen- oder MRT-Bildern sichtbar sein können, ohne wesentliche Beschwerden zu verursachen; bei anderen führt die Osteochondrose zu belastungsabhängigen Rückenschmerzen und einer zunehmenden Steifigkeit der Wirbelsäule.
Ursachen
Grundlage der Osteochondrose ist der natürliche altersbedingte Verschleiß der Bandscheiben, bei dem der Wassergehalt des inneren Gallertkerns mit den Jahren abnimmt und die Bandscheibe dadurch an Höhe und Pufferfunktion verliert. Diese veränderte Druckverteilung führt zu einer erhöhten mechanischen Belastung der angrenzenden Wirbelkörperdeckplatten, die daraufhin mit knöchernen Umbauprozessen reagieren. Begünstigt wird dieser Prozess durch eine langjährige Fehl- oder Überbelastung der Wirbelsäule, etwa durch schweres Heben, einseitige Körperhaltungen im Beruf oder starkes Übergewicht, das die Bandscheiben zusätzlich belastet. Auch eine schwach ausgeprägte Rumpfmuskulatur, die die Wirbelsäule weniger gut stabilisiert, sowie genetische Faktoren, die die Widerstandsfähigkeit des Bandscheibengewebes beeinflussen, spielen eine begünstigende Rolle. Rauchen wird ebenfalls als ein die Bandscheibendegeneration beschleunigender Faktor diskutiert, da es die Durchblutung des ohnehin gefäßarmen Bandscheibengewebes zusätzlich beeinträchtigen kann.
Symptome
Das Beschwerdebild reicht von einem völlig beschwerdefreien Zufallsbefund in der Bildgebung bis hin zu chronischen, belastungsabhängigen Rückenschmerzen, die sich bei längerem Sitzen, Stehen oder bestimmten Bewegungen verstärken und sich durch Schonung häufig bessern. Viele Betroffene berichten über eine morgendliche Anlaufsteifigkeit der Wirbelsäule, die sich im Laufe des Tages mit zunehmender Bewegung bessert. Im fortgeschrittenen Stadium kann die Beweglichkeit des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts spürbar eingeschränkt sein. Kommt es zusätzlich zu einer Einengung des Wirbelkanals oder der Nervenaustrittsöffnungen durch begleitende knöcherne Anbauten, können ausstrahlende Schmerzen, Kribbeln oder ein Schwächegefühl in Armen oder Beinen hinzutreten, je nachdem, welcher Wirbelsäulenabschnitt betroffen ist. Die Schmerzintensität korreliert dabei nicht immer mit dem Ausmaß der sichtbaren Veränderungen in der Bildgebung.
Diagnostik
Die Diagnose stützt sich auf die klinische Untersuchung mit Prüfung von Beweglichkeit, Muskelkraft und möglichen Druckschmerzpunkten entlang der Wirbelsäule sowie auf bildgebende Verfahren. Röntgenaufnahmen können die charakteristischen Zeichen wie eine verminderte Bandscheibenhöhe, eine Sklerosierung der Deckplatten und knöcherne Randanbauten sichtbar machen. Bei Verdacht auf eine begleitende Nervenwurzel- oder Rückenmarkbeteiligung wird häufig ergänzend eine Magnetresonanztomographie durchgeführt, die auch die Weichteilstrukturen wie Bandscheiben und Nerven detailliert darstellt. Da bildgebende Veränderungen bei vielen Menschen ohne jede Beschwerdesymptomatik nachweisbar sind, ist es wichtig, den bildgebenden Befund stets im Zusammenhang mit den tatsächlichen klinischen Beschwerden zu bewerten, um eine Überbehandlung reiner Zufallsbefunde zu vermeiden.
Behandlung
Im Mittelpunkt der Behandlung steht in den allermeisten Fällen ein konservatives Vorgehen. Dazu gehören eine bedarfsgerechte Schmerzbehandlung, physiotherapeutische Übungen zur Kräftigung der Rumpf- und Rückenmuskulatur, Maßnahmen zur Verbesserung der Beweglichkeit sowie eine Anleitung zu einem rückenschonenden Verhalten im Alltag und am Arbeitsplatz. Wärmeanwendungen und moderate körperliche Aktivität, etwa Schwimmen oder Radfahren, werden häufig empfohlen, da Bewegung den Rücken in der Regel stärker entlastet als längere Schonung. Bei ausgeprägten Beschwerden mit begleitender Nervenwurzelreizung können ergänzend Infiltrationen mit entzündungshemmenden Medikamenten in die Nähe der betroffenen Nervenwurzel erwogen werden. Eine Operation ist bei der reinen Osteochondrose nur in Ausnahmefällen notwendig, etwa wenn eine ausgeprägte Einengung des Wirbelkanals mit relevanten neurologischen Ausfällen vorliegt.
Verlauf und Prognose
Die Osteochondrose der Wirbelsäule ist ein schleichender, grundsätzlich nicht umkehrbarer Verschleißprozess, dessen Fortschreiten sich jedoch durch eine gute Rumpfmuskulatur, ein angepasstes Bewegungsverhalten und die Vermeidung übermäßiger Belastung deutlich verlangsamen lässt. Viele Betroffene erreichen mit konsequenter konservativer Behandlung eine deutliche Beschwerdelinderung und eine gute Alltagsfähigkeit, auch wenn die zugrunde liegenden strukturellen Veränderungen bestehen bleiben. Bei einem Teil der Menschen können sich die Beschwerden im Laufe der Jahre dennoch langsam verstärken, insbesondere wenn begünstigende Faktoren wie Übergewicht oder eine schwache Rückenmuskulatur nicht angegangen werden. Eine relevante Einengung von Nervenstrukturen mit anhaltenden neurologischen Ausfällen stellt die Ausnahme dar, sollte bei entsprechenden Anzeichen aber zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Osteochondrose der Wirbelsäule: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Ist Osteochondrose der Wirbelsäule dasselbe wie ein Bandscheibenvorfall?
Nein, auch wenn beide Zustände miteinander zusammenhängen. Die Osteochondrose beschreibt die begleitenden knöchernen Veränderungen an den Wirbelkörpern infolge eines langjährigen Bandscheibenverschleißes, während ein Bandscheibenvorfall den akuten Austritt von Bandscheibengewebe bezeichnet.
Muss jede im Röntgenbild sichtbare Osteochondrose behandelt werden?
Nein, viele Menschen haben entsprechende Veränderungen ohne jegliche Beschwerden. Eine Behandlung richtet sich nach den tatsächlichen klinischen Symptomen, nicht allein nach dem bildgebenden Befund.
Hilft Schonung oder Bewegung besser bei Osteochondrose-bedingten Rückenschmerzen?
In den meisten Fällen ist moderate, regelmäßige Bewegung günstiger als längere Schonung, da sie die Rückenmuskulatur kräftigt und die Wirbelsäule dadurch besser stabilisiert und entlastet.
Kann sich der Verschleiß der Wirbelsäule wieder zurückbilden?
Die strukturellen Veränderungen selbst sind nicht umkehrbar, das Fortschreiten lässt sich jedoch durch eine kräftige Rumpfmuskulatur, gesundes Körpergewicht und ein rückenschonendes Verhalten deutlich verlangsamen.
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