Nierenagenesie und sonstige Reduktionsdefekte der Niere
Als Nierenagenesie wird das vollständige Fehlen einer Niere aufgrund einer gestörten Anlage während der frühen Embryonalentwicklung bezeichnet, während sonstige Reduktionsdefekte der Niere ein unvollständiges oder in seiner Größe und Struktur vermindertes Wachstum einer angelegten Niere beschreiben. Ist nur eine Niere betroffen, spricht man von einer einseitigen Nierenagenesie beziehungsweise einem einseitigen Reduktionsdefekt, während bei einem beidseitigen Fehlen beider Nieren eine schwerwiegende, mit dem Leben nach der Geburt nicht vereinbare Situation vorliegt, da die Nieren für die Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen sowie für die Regulation des Wasser- und Elektrolythaushalts unverzichtbar sind. Eine einseitige Nierenagenesie hingegen bleibt bei vielen Betroffenen zeitlebens folgenlos, da die verbleibende, gesunde Niere die Funktion beider Nieren übernehmen kann.
Ursachen
Eine Nierenagenesie oder ein Reduktionsdefekt der Niere entsteht durch eine Störung während der frühen embryonalen Entwicklung der Nieren, bei der sich das entsprechende Nierengewebe entweder gar nicht oder nur unvollständig anlegt. Genetische Faktoren spielen eine wichtige Rolle, wobei bestimmte Genveränderungen mit einem erhöhten Risiko für Nierenfehlbildungen einhergehen können. Auch bestimmte Erkrankungen der Mutter, etwa ein unzureichend eingestellter Diabetes mellitus, sowie die Einnahme bestimmter Medikamente während der Schwangerschaft werden als mögliche begünstigende Faktoren diskutiert. Eine einseitige Nierenagenesie tritt häufig als vereinzeltes Ereignis ohne erkennbare zugrunde liegende Ursache auf, während eine beidseitige Nierenagenesie sowie ausgeprägte Reduktionsdefekte häufiger im Rahmen eines umfassenderen genetischen Fehlbildungssyndroms auftreten.
Symptome
Eine einseitige Nierenagenesie verursacht bei der betroffenen Person häufig keine eigenen Symptome und wird oft zufällig im Rahmen einer aus anderem Grund durchgeführten Bildgebung entdeckt, da die verbleibende, gesunde Niere die Ausscheidungsfunktion in der Regel vollständig übernehmen kann. Eine beidseitige Nierenagenesie führt hingegen bereits während der Schwangerschaft zu einer stark verminderten Fruchtwassermenge, da die kindlichen Nieren wesentlich zur Fruchtwasserbildung beitragen, was wiederum zu einer unzureichenden Entwicklung der kindlichen Lunge führen kann. Nach der Geburt zeigt ein Kind mit beidseitiger Nierenagenesie schwere Atemprobleme sowie ein vollständiges Fehlen der Urinausscheidung. Bei einem einseitigen, ausgeprägten Reduktionsdefekt kann die betroffene Niere im Laufe des Lebens ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck oder eine eingeschränkte Nierenfunktion aufweisen.
Diagnostik
Eine Nierenagenesie oder ein ausgeprägter Reduktionsdefekt kann bereits während der Schwangerschaft durch eine Ultraschalluntersuchung erkannt werden, bei der das Fehlen oder die verminderte Größe einer oder beider Nieren sowie, bei beidseitiger Betroffenheit, eine stark verminderte Fruchtwassermenge sichtbar werden. Nach der Geburt wird die Diagnose durch eine Ultraschalluntersuchung der Nieren des Neugeborenen bestätigt, die auch bei zunächst unauffälligem Verdacht routinemäßig im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen empfohlen wird. Bei einer einseitigen Nierenagenesie wird zusätzlich die Funktion und Struktur der verbliebenen Niere sorgfältig beurteilt, um deren Gesundheit sicherzustellen. Bei Verdacht auf ein zugrunde liegendes genetisches Syndrom wird eine humangenetische Abklärung angeboten.
Behandlung
Eine einseitige Nierenagenesie ohne begleitende Auffälligkeiten der verbliebenen Niere erfordert in der Regel keine spezifische Behandlung, jedoch werden regelmäßige Kontrollen der Nierenfunktion sowie des Blutdrucks empfohlen, um eine mögliche Mehrbelastung der einzigen Niere frühzeitig zu erkennen. Bei einer beidseitigen Nierenagenesie steht aufgrund der fehlenden Vereinbarkeit mit dem Leben nach der Geburt eine palliative, das heißt auf Schmerzfreiheit und Begleitung ausgerichtete Versorgung des betroffenen Kindes im Vordergrund. Bei einem einseitigen Reduktionsdefekt mit eingeschränkter Funktion der betroffenen Niere wird auf eine Schonung dieser Niere sowie eine besonders sorgfältige Überwachung der Gesamtnierenfunktion geachtet. Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko für die verbliebene Niere werden bei Kindern mit nur einer funktionsfähigen Niere häufig zurückhaltend beurteilt.
Verlauf und Prognose
Menschen mit einer einseitigen Nierenagenesie ohne Begleiterkrankungen haben in der Regel eine normale Lebenserwartung und können ein weitgehend unauffälliges Leben führen, wobei ein etwas erhöhtes langfristiges Risiko für Bluthochdruck und eine eingeschränkte Nierenfunktion im höheren Lebensalter besteht, weshalb regelmäßige Kontrollen empfohlen werden. Eine beidseitige Nierenagenesie ist, wie bereits während der Schwangerschaft erkennbar, mit dem Leben nach der Geburt nicht vereinbar. Bei einem einseitigen, ausgeprägten Reduktionsdefekt hängt die langfristige Prognose vom Ausmaß der noch vorhandenen Nierenfunktion ab. Eine sorgfältige, lebenslange nephrologische Betreuung von Menschen mit nur einer funktionsfähigen Niere trägt wesentlich dazu bei, die Nierengesundheit möglichst lange zu erhalten.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Nierenagenesie und sonstige Reduktionsdefekte der Niere: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Kann man mit nur einer Niere ein normales Leben führen?
Ja, Menschen mit einer einseitigen Nierenagenesie ohne Begleiterkrankungen haben in der Regel eine normale Lebenserwartung, da die verbleibende Niere die Funktion beider Nieren übernehmen kann. Regelmäßige Kontrollen werden dennoch empfohlen.
Warum ist eine beidseitige Nierenagenesie mit dem Leben nicht vereinbar?
Weil die Nieren für die Ausscheidung harnpflichtiger Substanzen sowie die Regulation des Wasser- und Elektrolythaushalts unverzichtbar sind und ihr vollständiges Fehlen zudem bereits während der Schwangerschaft zu einer unzureichenden Lungenentwicklung des Kindes führt.
Wird eine einseitige Nierenagenesie meist zufällig entdeckt?
Häufig ja, da sie in der Regel keine eigenen Symptome verursacht und oft im Rahmen einer aus anderem Grund durchgeführten Bildgebung oder einer routinemäßigen Ultraschalluntersuchung des Neugeborenen entdeckt wird.
Sollten Kinder mit nur einer Niere auf bestimmte Sportarten verzichten?
Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko für die verbliebene Niere werden bei Kindern mit nur einer funktionsfähigen Niere häufig zurückhaltend beurteilt, die genaue Empfehlung wird jedoch individuell getroffen.
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