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Verletzungen des Bewegungsapparats

Neurom des Amputationsstumpfes

Das Neurom des Amputationsstumpfes bezeichnet eine gutartige, jedoch mitunter erheblich schmerzhafte Wucherung von Nervenfasern, die sich im Verlauf mehrerer Wochen bis Monate nach einer Amputation an den durchtrennten Enden der betroffenen Nerven bildet, da diese fortwährend den natürlichen, jedoch bei durchtrennten Nerven fehlgeleiteten Versuch unternehmen, wieder mit ihrem ursprünglichen Zielgewebe Kontakt aufzunehmen. Diese knotige Nervenwucherung kann bei mechanischer Reizung, etwa durch Druck der Beinprothese oder durch alltägliche Berührung des Stumpfes, zu einem ausgeprägten, teils elektrisierend empfundenen Schmerz führen, der die Belastbarkeit des Amputationsstumpfes sowie den erfolgreichen Umgang mit einer Prothese erheblich beeinträchtigen kann. Ein Neurom des Amputationsstumpfes entwickelt sich bei einem erheblichen Teil der Menschen nach einer Amputation, wobei nur ein Teil der Betroffenen dadurch tatsächlich bedeutsame Beschwerden entwickelt.

Ursachen

Das Neurom des Amputationsstumpfes entsteht durch den natürlichen, jedoch bei einem durchtrennten Nerv fehlgeleiteten biologischen Versuch der Nervenfaser, nach der Verletzung wieder mit ihrem ursprünglichen Zielgewebe Kontakt aufzunehmen, wobei sich die nachwachsenden Nervenfasern mangels eines geeigneten Wegs innerhalb des Stumpfgewebes zu einer knotigen, ungeordneten Struktur zusammenlagern. Diese Neurombildung ist eine praktisch unvermeidbare, natürliche Folge jeder Nervendurchtrennung, wobei das Ausmaß der resultierenden Beschwerden maßgeblich von der genauen Lage des entstehenden Neuroms innerhalb des Stumpfgewebes sowie dem Ausmaß der mechanischen Belastung dieser Stelle abhängt. Eine ungünstige, das entstehende Neurom direkt belastende Operationstechnik bei der ursprünglichen Amputation kann das Risiko für bedeutsame Beschwerden zusätzlich erhöhen.

Symptome

Das Neurom des Amputationsstumpfes äußert sich durch einen lokal begrenzten, häufig elektrisierend oder stechend empfundenen Schmerz an einer bestimmten Stelle des Amputationsstumpfes, der sich bei direktem Druck oder Berührung dieser Stelle, etwa beim Anlegen einer Prothese, deutlich verstärkt. Viele Betroffene beschreiben zusätzlich ein ausstrahlendes Kribbeln oder Brennen, das vom betroffenen Neurom ausgeht sowie sich mitunter über eine größere Fläche des Stumpfes ausbreiten kann. Diese Beschwerden können die tägliche Nutzung einer Prothese erheblich einschränken, da der durch die Prothese ausgeübte Druck auf das betroffene Neurom die Schmerzen deutlich verstärken kann, was für viele Betroffene mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Mobilität sowie Lebensqualität verbunden ist.

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Diagnostik

Die Diagnose des Neuroms des Amputationsstumpfes wird durch eine klinische Untersuchung gestellt, bei der sich ein charakteristischer, lokal eng begrenzter Druckschmerz sowie ein bei leichtem Beklopfen der betroffenen Stelle auslösbares, elektrisierendes Schmerzgefühl direkt nachweisen lässt. Eine Ultraschalluntersuchung oder Magnetresonanztomografie des betroffenen Stumpfgewebes kann das Neurom als umschriebene, knotige Verdickung des betroffenen Nervenendes direkt sichtbar machen sowie zur Planung einer möglichen weiterführenden Behandlung beitragen. Eine sorgfältige Abgrenzung von anderen, ebenfalls den Amputationsstumpf betreffenden Schmerzursachen, insbesondere einer unzureichend angepassten Prothese, ist für die weitere Behandlungsplanung von Bedeutung.

Behandlung

Die Behandlung des Neuroms des Amputationsstumpfes beginnt bei den meisten Betroffenen mit konservativen Maßnahmen, insbesondere einer gezielten Anpassung der Prothese zur Entlastung der betroffenen Stelle sowie einer speziellen physiotherapeutischen Desensibilisierungsbehandlung, bei der die betroffene Hautregion durch gezielte, gesteigerte Berührungsreize schrittweise an eine normale Belastung gewöhnt wird. Bei anhaltenden, konservativ nicht ausreichend beherrschbaren Beschwerden kann eine gezielte örtliche Injektionsbehandlung mit einem entzündungshemmenden oder betäubenden Medikament zu einer deutlichen, wenn auch mitunter nur vorübergehenden Schmerzlinderung beitragen. Bei besonders hartnäckigen Beschwerden steht eine operative Entfernung des Neuroms als weitere Behandlungsoption zur Verfügung, wobei spezialisierte operative Techniken das Risiko einer erneuten, schmerzhaften Neurombildung an gleicher Stelle reduzieren können.

Verlauf und Prognose

Die Prognose des Neuroms des Amputationsstumpfes ist bei konsequenter Anwendung der verfügbaren Behandlungsmaßnahmen bei einem erheblichen Teil der Betroffenen gut, wobei sich die Beschwerden durch eine Kombination aus Prothesenanpassung sowie gezielter Desensibilisierungsbehandlung bei vielen Betroffenen deutlich lindern lassen. Eine vollständige operative Entfernung des Neuroms führt bei einem Teil der Betroffenen zu einer dauerhaften Beschwerdefreiheit, wobei angesichts des natürlichen Nachwachsversuchs durchtrennter Nervenfasern ein erneutes Auftreten eines Neuroms an derselben oder benachbarter Stelle grundsätzlich möglich bleibt. Eine langfristige, spezialisierte Betreuung in einem auf die Versorgung von Amputationsstümpfen ausgerichteten Zentrum wird bei anhaltenden, bedeutsamen Beschwerden empfohlen, um die bestmögliche Prothesennutzung sowie Lebensqualität der betroffenen Person zu erreichen.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Warum entsteht ein Neurom nach jeder Amputation praktisch unvermeidbar?

Weil es der natürliche, jedoch fehlgeleitete biologische Versuch der durchtrennten Nervenfaser ist, wieder mit ihrem Zielgewebe Kontakt aufzunehmen.

Wie äußert sich ein schmerzhaftes Neurom typischerweise?

Durch einen lokal begrenzten, elektrisierend oder stechend empfundenen Schmerz, der sich bei Druck deutlich verstärkt.

Was ist eine wichtige konservative Behandlungsmaßnahme?

Eine physiotherapeutische Desensibilisierungsbehandlung mit gezielten, gesteigerten Berührungsreizen.

Kann ein Neurom nach operativer Entfernung erneut auftreten?

Grundsätzlich ja, angesichts des natürlichen Nachwachsversuchs durchtrennter Nervenfasern.

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