Lymphozytäre Choriomeningitis
Die lymphozytäre Choriomeningitis ist eine durch das lymphozytäre Choriomeningitis-Virus verursachte Entzündung der Hirnhäute, die von Nagetieren, insbesondere Hausmäusen, auf den Menschen übertragen wird und bei den meisten Betroffenen einen vergleichsweise milden, grippeähnlichen Verlauf nimmt. Das natürliche Reservoir des Virus sind Hausmäuse, die das Virus lebenslang in sich tragen und über ihren Urin, Kot und Speichel ausscheiden können, ohne selbst erkennbar zu erkranken. Der Mensch infiziert sich meist durch das Einatmen virushaltiger Staubpartikel, die durch getrockneten Mäusekot oder -urin in der Umgebung entstehen, oder seltener durch den direkten Kontakt mit infizierten Tieren. Während die Erkrankung bei den meisten gesunden Erwachsenen folgenlos ausheilt, stellt eine Infektion während der Schwangerschaft eine ernste Gefahr für das ungeborene Kind dar, da das Virus die Plazentaschranke überwinden und schwere Fehlbildungen verursachen kann.
Ursachen
Die lymphozytäre Choriomeningitis wird durch das gleichnamige Virus verursacht, dessen natürliches Reservoir Hausmäuse sind, die das Virus lebenslang, meist ohne selbst zu erkranken, in sich tragen und über Urin, Kot und Speichel ausscheiden. Der Mensch infiziert sich am häufigsten durch das Einatmen von virushaltigem Staub, der durch das Austrocknen von Mäuseurin oder -kot in schlecht belüfteten Innenräumen, etwa in Kellern, Scheunen oder bei der Reinigung befallener Gebäude, entsteht. Auch der direkte Kontakt mit infizierten Nagetieren oder deren Ausscheidungen, etwa bei Personen, die Nagetiere als Heimtiere halten oder beruflich mit Versuchstieren arbeiten, kann zu einer Übertragung führen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist mit Ausnahme der Übertragung von einer schwangeren Frau auf ihr ungeborenes Kind sowie im Rahmen von Organtransplantationen äußerst selten.
Symptome
Die lymphozytäre Choriomeningitis verläuft bei vielen infizierten Menschen zunächst mit uncharakteristischen, grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen sowie einem allgemeinen Krankheitsgefühl, die nach wenigen Tagen zunächst wieder abklingen können. Bei einem Teil der Betroffenen folgt nach einer kurzen beschwerdefreien Phase eine zweite Krankheitsphase mit erneutem Fieber sowie Anzeichen einer Hirnhautentzündung, insbesondere starken Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit. In selteneren Fällen kann sich zusätzlich eine Beteiligung des Gehirngewebes selbst mit Bewusstseinsstörungen oder neurologischen Ausfallerscheinungen entwickeln. Wird eine Frau während der Schwangerschaft infiziert, kann das Virus auf das ungeborene Kind übertragen werden und zu schweren Fehlbildungen des Gehirns sowie zu einer Schädigung der Augen führen.
Diagnostik
Die Diagnose der lymphozytären Choriomeningitis wird durch eine Untersuchung des Nervenwassers mittels Lumbalpunktion gestellt, in der sich bei bestehender Hirnhautentzündung eine charakteristische, deutliche Vermehrung bestimmter weißer Blutkörperchen, der Lymphozyten, zeigt, was der Erkrankung ihren Namen gegeben hat. Der endgültige Nachweis des Virus erfolgt durch spezifische Blutuntersuchungen, bei denen Antikörper gegen das Virus nachgewiesen werden, sowie durch molekularbiologische Verfahren, mit denen das Erbgut des Virus direkt im Nervenwasser oder Blut nachgewiesen werden kann. Eine sorgfältige Anamnese mit Frage nach möglichem Kontakt zu Nagetieren oder deren Ausscheidungen liefert wichtige zusätzliche Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache der Beschwerden.
Behandlung
Eine spezifische, ursächliche antivirale Behandlung der lymphozytären Choriomeningitis steht für die üblichen Verlaufsformen bei Erwachsenen nicht zur Verfügung, weshalb die Behandlung überwiegend unterstützend und symptomlindernd erfolgt, mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr, fiebersenkenden und schmerzlindernden Medikamenten. Bei schwererem Verlauf mit deutlicher Beteiligung des Gehirns kann eine stationäre Behandlung mit engmaschiger Überwachung notwendig werden. Schwangere Frauen mit bestätigter oder vermuteter Infektion sollten umgehend in einem spezialisierten pränatalmedizinischen Zentrum betreut werden, in dem das ungeborene Kind engmaschig auf mögliche Anzeichen einer Schädigung überwacht wird. Vorbeugende Maßnahmen wie eine sorgfältige Hygiene im Umgang mit Nagetieren sowie eine gute Belüftung beim Reinigen möglicherweise befallener Räume tragen wesentlich zur Vermeidung der Erkrankung bei.
Verlauf und Prognose
Bei den meisten gesunden Erwachsenen verläuft die lymphozytäre Choriomeningitis mild und heilt innerhalb weniger Wochen folgenlos aus, wobei auch bei begleitender Hirnhautentzündung die Prognose in der Regel günstig ist. Eine schwerere Beteiligung des Gehirngewebes selbst ist selten, kann jedoch in Einzelfällen zu bleibenden neurologischen Beeinträchtigungen führen. Die größte Gefahr der Erkrankung liegt in einer Infektion während der Schwangerschaft, bei der das Virus schwere, teils bleibende Fehlbildungen des Gehirns sowie Schädigungen der Augen beim ungeborenen Kind verursachen kann, weshalb schwangere Frauen besonderen Wert auf die Vermeidung von Kontakt zu Nagetieren und deren Ausscheidungen legen sollten. Eine frühzeitige spezialisierte Betreuung bei einer während der Schwangerschaft aufgetretenen Infektion kann dazu beitragen, mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Lymphozytäre Choriomeningitis: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Welches Tier ist das natürliche Reservoir des Virus?
Hausmäuse, die das Virus lebenslang in sich tragen und über Urin, Kot und Speichel ausscheiden, ohne selbst erkennbar zu erkranken.
Wie stecken sich Menschen meist an?
Am häufigsten durch das Einatmen von virushaltigem Staub, der durch getrockneten Mäusekot oder -urin in schlecht belüfteten Innenräumen entsteht.
Warum ist die Erkrankung während der Schwangerschaft besonders gefährlich?
Weil das Virus die Plazentaschranke überwinden und beim ungeborenen Kind schwere Fehlbildungen des Gehirns sowie Schädigungen der Augen verursachen kann.
Wie verläuft die Erkrankung bei gesunden Erwachsenen meist?
Meist mild, mit grippeähnlichen Beschwerden, die innerhalb weniger Wochen folgenlos ausheilen.
Weiterlesen
Sprech- und Sprachstörungen
Verschiedene Beeinträchtigungen der Lautbildung oder des Sprachvermögens, die angeboren oder erworben sein können und von leichten Aussprachefehlern bis zu einem vollständigen Verlust der Sprachfähigkeit reichen.
Weiterlesen →SymptomeHautausschlag und sonstige unspezifische Hauteruptionen
Plötzlich auftretende, in Form und Ausdehnung sehr unterschiedliche Hautveränderungen, die als unspezifisches Symptom auf zahlreiche mögliche Ursachen hinweisen können und eine differenzierte Betrachtung erfordern.
Weiterlesen →Innere MedizinHashimoto-Thyreoiditis
Hashimoto-Thyreoiditis: die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion in Deutschland.
Weiterlesen →Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen
Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.