Kraniosynostose
Die Kraniosynostose ist eine angeborene Fehlbildung, bei der sich eine oder mehrere der bindegewebigen Nähte zwischen den Schädelknochen bereits vor der Geburt oder in den ersten Lebensmonaten vorzeitig knöchern verschließen. Da das Gehirn in dieser Zeit noch stark wächst, kann der Schädel an der verschlossenen Naht nicht mehr wachsen und weicht stattdessen in andere Richtungen aus, was zu einer charakteristischen, von der Lage der betroffenen Naht abhängigen Kopfform führt.
Ursachen
Bei den meisten Betroffenen tritt die Kraniosynostose isoliert auf, ohne dass eine eindeutige Ursache gefunden wird. Bei einem kleineren Teil der Kinder liegt eine erbliche, genetisch bedingte Form vor, die im Rahmen eines Syndroms mit weiteren Fehlbildungen des Gesichts, der Hände oder Füße auftreten kann. Ein vorzeitiger Nahtverschluss kann grundsätzlich eine oder mehrere der Schädelnähte betreffen, wobei einzelne Nähte deutlich häufiger betroffen sind als andere.
Symptome
Je nachdem, welche Schädelnaht betroffen ist, entwickelt sich eine charakteristische, meist bereits bei der Geburt oder in den ersten Lebensmonaten auffällige Kopfform, etwa ein länglicher, ein spitz zulaufender oder ein besonders breiter Schädel. Im Unterschied zur harmlosen Lagerungsplagiozephalie lässt sich die Kopfform bei einer Kraniosynostose durch veränderte Lagerung nicht beeinflussen. Bei ausgeprägtem Befall mehrerer Nähte kann der eingeschränkte Wachstumsraum den Druck im Schädelinneren erhöhen.
Diagnostik
Die körperliche Untersuchung mit Abtasten der Schädelnähte und Beurteilung der Kopfform liefert bereits wichtige Hinweise und dient auch der Abgrenzung von der häufigeren, harmlosen Lagerungsplagiozephalie. Eine Computertomografie des Schädels stellt die betroffenen Nähte und deren vorzeitigen Verschluss eindeutig dar und ist wichtig für die Operationsplanung. Bei Verdacht auf eine syndromale Form wird zusätzlich eine genetische Untersuchung angeboten.
Behandlung
Bei den meisten Formen der Kraniosynostose wird eine operative Korrektur empfohlen, bei der die betroffene, verknöcherte Naht chirurgisch wiedereröffnet wird, um dem wachsenden Gehirn ausreichend Platz zu verschaffen und die Kopfform zu normalisieren. Der Eingriff wird idealerweise in den ersten Lebensmonaten durchgeführt, da der Schädel dann noch besonders formbar ist. Nach der Operation kann ergänzend ein Helm zur weiteren Formkorrektur des wachsenden Schädels getragen werden.
Verlauf und Prognose
Bei rechtzeitiger operativer Behandlung erreichen die meisten Kinder eine normale oder nahezu normale Kopfform sowie eine unbeeinträchtigte Gehirnentwicklung. Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann der eingeschränkte Wachstumsraum im Schädel in seltenen, schweren Fällen zu einem erhöhten Hirndruck und einer Beeinträchtigung der Entwicklung führen. Bei syndromalen Formen richtet sich die langfristige Prognose zusätzlich nach den begleitenden Fehlbildungen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Kraniosynostose: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet man Kraniosynostose von der harmlosen Lagerungsplagiozephalie?
Bei der Kraniosynostose lässt sich die Kopfform durch veränderte Lagerung nicht beeinflussen, und die betroffene Schädelnaht ist bei der Untersuchung bereits knöchern verschlossen und nicht mehr tastbar beweglich.
Muss jede Kraniosynostose operiert werden?
Bei den meisten Formen wird eine operative Korrektur empfohlen, um dem wachsenden Gehirn ausreichend Platz zu verschaffen und die Kopfform zu normalisieren.
Warum wird möglichst früh operiert?
Weil der Schädel in den ersten Lebensmonaten noch besonders formbar ist und sich dadurch bessere Ergebnisse erzielen lassen.
Kann die Erkrankung die Gehirnentwicklung beeinträchtigen?
Bei rechtzeitiger Behandlung in der Regel nicht; unbehandelt kann in seltenen, schweren Fällen ein erhöhter Hirndruck die Entwicklung beeinträchtigen.
Weiterlesen
Still-Syndrom des Erwachsenen
Diese seltene entzündliche Erkrankung kombiniert hohes, wiederkehrendes Fieber mit einem flüchtigen Hautausschlag und Gelenkentzündungen und ist oft schwer von anderen Fieberursachen zu unterscheiden.
Weiterlesen →Orthopädie & BewegungsapparatKaschin-Beck-Krankheit
Diese seltene, regional gehäuft auftretende Gelenkerkrankung schädigt den Gelenkknorpel bereits im Kindes- und Jugendalter und kann zu bleibenden Wachstums- und Gelenkschäden führen.
Weiterlesen →Nervensystem & GehirnAlkoholbedingte Kleinhirndegeneration
Bei langjährigem, hohem Alkoholkonsum kann ein bestimmter Teil des Kleinhirns dauerhaft geschädigt werden, was zu einer zunehmenden Gang- und Standunsicherheit führt.
Weiterlesen →Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen
Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.