Knochenzysten
Knochenzysten sind gutartige, meist mit Flüssigkeit gefüllte Hohlraumbildungen innerhalb des Knochens, die überwiegend im Kindes- und Jugendalter auftreten und durch ihre Lage im Knocheninneren die Stabilität des betroffenen Knochens erheblich schwächen können. Man unterscheidet zwischen der häufigeren solitären, also einkammerigen Knochenzyste, die meist im Bereich des Oberarmknochens oder des Oberschenkelknochens nahe dem Wachstumsbereich auftritt, sowie der selteneren, aneurysmatischen Knochenzyste, die durch mit Blut gefüllte, mehrkammerige Hohlräume gekennzeichnet ist und ein etwas aggressiveres, rascheres Wachstum zeigen kann. Da Knochenzysten selbst in der Regel keine Beschwerden verursachen, werden sie bei vielen betroffenen Kindern erst zufällig oder im Rahmen der Abklärung eines durch die Zyste begünstigten Knochenbruchs entdeckt, der bereits nach geringfügigen Krafteinwirkungen auftreten kann.
Ursachen
Die genaue Ursache der Entstehung solitärer Knochenzysten ist nicht abschließend geklärt, es wird jedoch eine Störung des venösen Blutabflusses im betroffenen Knochenabschnitt während des Wachstums angenommen, die zu einer lokalen Druckerhöhung sowie zur Ansammlung von Flüssigkeit im Knocheninneren führt. Sie entstehen bevorzugt in Knochenregionen mit besonders aktivem Längenwachstum, weshalb sie überwiegend bei Kindern und Jugendlichen auftreten und sich mit Abschluss des Knochenwachstums seltener neu bilden. Die aneurysmatische Knochenzyste hingegen wird heute als eigenständige, gutartige Knochengeschwulst verstanden, die durch eine spezifische genetische Veränderung in den zystenbildenden Zellen gekennzeichnet ist und in einem Teil der Fälle auch als Begleitveränderung im Rahmen anderer, bereits vorbestehender gutartiger Knochenveränderungen entsteht.
Symptome
Eine solitäre Knochenzyste verursacht in aller Regel keine eigenständigen Beschwerden und bleibt daher häufig über lange Zeit unentdeckt, bis sie entweder zufällig im Rahmen einer Röntgenuntersuchung aus anderem Anlass auffällt oder sich ein Knochenbruch an der geschwächten Stelle ereignet, der bereits nach einer vergleichsweise geringfügigen Krafteinwirkung auftreten kann, die bei einem gesunden Knochen keinen Bruch verursacht hätte. Die aneurysmatische Knochenzyste verursacht aufgrund ihres rascheren Wachstums häufiger eigenständige Beschwerden wie einen zunehmenden, lokal begrenzten Schmerz sowie gegebenenfalls eine tastbare Auftreibung des betroffenen Knochens, auch ohne dass bereits ein Bruch eingetreten ist. Bei Lokalisation in der Nähe eines Gelenks kann eine Bewegungseinschränkung des betroffenen Gelenks hinzukommen.
Diagnostik
Die Diagnose einer Knochenzyste wird durch eine Röntgenaufnahme des betroffenen Knochens gestellt, in der sich eine solitäre Zyste als scharf begrenzter, aufgehellter, meist einkammeriger Hohlraum mit dünner, umgebender Knochenrandzone darstellt, während sich die aneurysmatische Knochenzyste typischerweise als mehrkammerige, den Knochen deutlicher auftreibende Struktur zeigt. Bei untypischem Erscheinungsbild oder Unsicherheit in der Abgrenzung von anderen, ernsteren Knochenveränderungen wird ergänzend eine Magnetresonanztomographie durchgeführt, die insbesondere bei der aneurysmatischen Knochenzyste die charakteristischen, mit Blut gefüllten Hohlräume gut darstellen kann. In Zweifelsfällen, insbesondere bei der aneurysmatischen Form, kann eine Gewebeprobe zur endgültigen Diagnosesicherung sowie zum sicheren Ausschluss einer bösartigen Knochenveränderung notwendig werden.
Behandlung
Kleinere, beschwerdefreie solitäre Knochenzysten ohne bereits eingetretenen Knochenbruch können zunächst durch regelmäßige röntgenologische Verlaufskontrollen beobachtet werden, da sich ein Teil der Zysten mit fortschreitendem Wachstum des Kindes im Verlauf von selbst zurückbildet. Bei größeren Zysten mit erhöhtem Bruchrisiko sowie nach bereits eingetretenem Knochenbruch kommen verschiedene Behandlungsverfahren zum Einsatz, etwa die Injektion knochenaufbauender Substanzen oder Kortisonpräparate direkt in den Zystenhohlraum, die das Wachstum von gesundem Knochengewebe in den Hohlraum hinein anregen sollen. Bei ausgedehnteren Zysten sowie bei der aneurysmatischen Knochenzyste, die aufgrund ihres aggressiveren Wachstums häufiger eine aktive Behandlung erfordert, kann eine operative Ausräumung des Zysteninhalts mit Auffüllung des entstandenen Hohlraums durch körpereigenes oder körperfremdes Knochenersatzmaterial notwendig werden.
Verlauf und Prognose
Die Prognose solitärer Knochenzysten ist insgesamt sehr gut, da sich ein erheblicher Teil im Laufe des weiteren Wachstums des Kindes von selbst zurückbildet, insbesondere sobald sich die Zyste durch das fortschreitende Knochenwachstum von der besonders aktiven Wachstumszone entfernt. Nach einem durch die Zyste begünstigten Knochenbruch heilt dieser in der Regel regelrecht aus, wobei die Heilung des Bruchs bei manchen Kindern sogar zu einer teilweisen spontanen Rückbildung der Zyste selbst beitragen kann. Die aneurysmatische Knochenzyste weist ein etwas höheres Rückfallrisiko nach der Behandlung auf als die solitäre Form, weshalb regelmäßige Nachkontrollen empfohlen werden. Insgesamt handelt es sich bei beiden Formen um gutartige Veränderungen ohne bösartiges Entartungsrisiko, sodass die langfristige Prognose bei angemessener Behandlung und Nachsorge sehr gut ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Knochenzysten: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum werden Knochenzysten oft erst nach einem Knochenbruch entdeckt?
Weil sie selbst in der Regel keine Beschwerden verursachen und die Diagnose häufig erst durch die Röntgenuntersuchung eines durch die Zyste begünstigten Knochenbruchs gestellt wird.
Was ist der Unterschied zwischen solitärer und aneurysmatischer Knochenzyste?
Die solitäre Form ist einkammerig und flüssigkeitsgefüllt, während die aneurysmatische Form mehrkammerig, mit Blut gefüllt ist und ein rascheres Wachstum zeigt.
Muss jede Knochenzyste operiert werden?
Nein, kleinere, beschwerdefreie Zysten ohne Bruch können zunächst beobachtet werden, da sie sich häufig mit fortschreitendem Knochenwachstum von selbst zurückbilden.
Sind Knochenzysten bösartig?
Nein, es handelt sich um gutartige Veränderungen ohne bösartiges Entartungsrisiko.
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