Hypersalivation
Die Hypersalivation bezeichnet einen übermäßigen Speichelfluss aus dem Mund, der entweder durch eine tatsächlich gesteigerte Speichelproduktion der Speicheldrüsen oder, deutlich häufiger, durch eine gestörte Kontrolle des Schluckvorgangs sowie eine unzureichende Lippenmuskelspannung entsteht, wodurch der normal produzierte Speichel nicht ausreichend geschluckt oder im Mund zurückgehalten werden kann. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist ein vermehrter Speichelfluss im Rahmen des Zahnens sowie der noch unreifen Schluckkoordination ein normaler, vorübergehender Entwicklungsschritt, während eine anhaltende Hypersalivation im späteren Kindes- oder Erwachsenenalter häufig auf eine zugrunde liegende neurologische Erkrankung mit gestörter Muskelkoordination im Mund- und Rachenbereich hinweist und daher einer gezielten Abklärung bedarf.
Ursachen
Bei Säuglingen und Kleinkindern ist ein vermehrter Speichelfluss überwiegend entwicklungsbedingt und hängt mit dem Zahnen sowie der im frühen Kindesalter noch nicht vollständig ausgereiften Koordination des Schluckvorgangs zusammen, wobei sich diese physiologische Form des vermehrten Speichelflusses in der Regel bis zum Ende des Kleinkindalters von selbst zurückbildet. Bei älteren Kindern sowie bei Erwachsenen entsteht eine anhaltende Hypersalivation überwiegend durch eine gestörte Kontrolle der am Schluckvorgang sowie am Mundschluss beteiligten Muskulatur, wie sie im Rahmen verschiedener neurologischer Erkrankungen auftreten kann, etwa bei einer infantilen Zerebralparese, einer Parkinson-Erkrankung, nach einem Schlaganfall oder bei fortgeschrittenen neurodegenerativen Erkrankungen. Seltener liegt der Hypersalivation eine tatsächlich gesteigerte Speichelproduktion zugrunde, etwa als Nebenwirkung bestimmter Medikamente oder im Rahmen einer örtlichen Reizung der Mundschleimhaut.
Symptome
Die Hypersalivation äußert sich durch einen unwillkürlichen Austritt von Speichel aus dem Mund, der von einem gelegentlichen, geringfügigen Speichelaustritt bis zu einem anhaltenden, starken Speichelfluss mit durchnässter Kleidung reichen kann. Bei Kindern mit einer zugrunde liegenden neurologischen Erkrankung tritt die Hypersalivation häufig gemeinsam mit weiteren Beeinträchtigungen der Mund- und Gesichtsmuskulatur auf, etwa einer erschwerten Nahrungsaufnahme oder Sprachbildung. Die anhaltende Feuchtigkeit im Mund- und Kinnbereich kann zu einer erheblichen Reizung sowie Entzündung der umliegenden Haut führen. Über die rein körperlichen Beschwerden hinaus stellt eine ausgeprägte Hypersalivation für viele Betroffene sowie ihre Familien eine erhebliche soziale Belastung dar, da der sichtbare Speichelfluss häufig als stigmatisierend empfunden wird und die soziale Teilhabe beeinträchtigen kann.
Diagnostik
Die Diagnose der Hypersalivation wird zunächst durch eine sorgfältige klinische Beobachtung sowie eine ausführliche Anamnese gestellt, bei der insbesondere nach dem zeitlichen Verlauf, dem Ausmaß des Speichelflusses sowie nach möglichen zugrunde liegenden neurologischen Erkrankungen oder eingenommenen Medikamenten gefragt wird. Eine neurologische Untersuchung dient der Beurteilung der Mund-, Zungen- und Schluckmuskulatur sowie der Suche nach Hinweisen auf eine zugrunde liegende neurologische Funktionsstörung. Bei Verdacht auf eine tatsächlich gesteigerte Speichelproduktion kann in speziellen Fällen eine gezielte Messung der Speichelmenge erfolgen. Eine logopädische Funktionsuntersuchung des Schluckvorgangs liefert wichtige zusätzliche Informationen über das Ausmaß der zugrunde liegenden Koordinationsstörung und ist für die Planung gezielter therapeutischer Maßnahmen von Bedeutung.
Behandlung
Die Behandlung der Hypersalivation richtet sich nach dem Ausmaß der Beschwerden sowie der zugrunde liegenden Ursache. Bei leichteren Formen steht zunächst eine logopädische Behandlung im Vordergrund, die auf eine Verbesserung der Mundmotorik, des Lippenschlusses sowie der Schluckkoordination abzielt. Bei ausgeprägterer, den Alltag erheblich beeinträchtigender Hypersalivation kommen Medikamente zum Einsatz, die die Speichelproduktion gezielt reduzieren, wobei deren Anwendung sorgfältig gegen mögliche Nebenwirkungen wie eine übermäßige Mundtrockenheit abgewogen werden muss. Eine gezielte Injektion von Botulinumtoxin in die großen Speicheldrüsen kann die Speichelproduktion für mehrere Monate wirksam reduzieren und wird bei unzureichendem Ansprechen auf andere Maßnahmen eingesetzt. Bei schwersten, therapieresistenten Formen kann in Einzelfällen ein operativer Eingriff an den Speicheldrüsen oder deren Ausführungsgängen erwogen werden.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Hypersalivation hängt wesentlich von der zugrunde liegenden Ursache ab. Die entwicklungsbedingte Hypersalivation im Säuglings- und Kleinkindalter bildet sich in aller Regel spontan und folgenlos zurück, sobald die Koordination des Schluckvorgangs ausreichend ausgereift ist. Bei einer durch eine neurologische Erkrankung bedingten Hypersalivation ist der Verlauf eng an den Verlauf der zugrunde liegenden Erkrankung gekoppelt, wobei durch eine gezielte, individuell angepasste Behandlung bei vielen Betroffenen eine deutliche Verbesserung der Beschwerden sowie der sozialen Teilhabe erreicht werden kann. Eine kontinuierliche, interdisziplinäre Betreuung unter Einbeziehung der Neurologie, Logopädie sowie gegebenenfalls der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde wird für Betroffene mit anhaltender, ausgeprägter Hypersalivation empfohlen, um die Behandlung im Verlauf an die individuelle Situation anzupassen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Hypersalivation: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Ist vermehrter Speichelfluss bei Kleinkindern normal?
Ja, im Rahmen des Zahnens sowie der noch unreifen Schluckkoordination ist dies bei Säuglingen und Kleinkindern ein normaler, vorübergehender Entwicklungsschritt.
Was ist die häufigste Ursache einer anhaltenden Hypersalivation bei Erwachsenen?
Meist eine gestörte Kontrolle der am Schluckvorgang beteiligten Muskulatur im Rahmen einer zugrunde liegenden neurologischen Erkrankung.
Wie kann Botulinumtoxin bei Hypersalivation helfen?
Eine gezielte Injektion in die großen Speicheldrüsen kann die Speichelproduktion für mehrere Monate wirksam reduzieren.
Welche Berufsgruppe unterstützt bei der Verbesserung der Schluckkoordination?
Die Logopädie, die gezielt an Mundmotorik, Lippenschluss und Schluckkoordination arbeitet.
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