Hyperimmunglobulin-E-Syndrom
Das Hyperimmunglobulin-E-Syndrom, auch Job-Syndrom genannt, ist ein seltener angeborener Immundefekt, der durch eine stark erhöhte Konzentration des Antikörpertyps Immunglobulin E im Blut sowie durch eine Kombination aus wiederkehrenden bakteriellen Haut- und Lungeninfektionen, einem chronischen, ekzemartigen Hautausschlag sowie charakteristischen Auffälligkeiten des Gesichts und des Skeletts gekennzeichnet ist. Die Erkrankung wurde nach der biblischen Figur Hiob benannt, dessen Körper in der Erzählung von zahlreichen Geschwüren befallen war, was der wiederkehrenden Abszessbildung bei den betroffenen Menschen ähnelt. Die häufigste Form der Erkrankung wird autosomal-dominant vererbt und betrifft mehrere Organsysteme gleichzeitig, weshalb sie auch als multisystemische Erkrankung mit vorherrschendem Immundefekt bezeichnet wird.
Ursachen
Die häufigste Form des Hyperimmunglobulin-E-Syndroms wird durch Veränderungen in einem Gen verursacht, das für ein Eiweiß kodiert, das an der Signalübertragung innerhalb verschiedener Zellen des Immunsystems beteiligt ist, wodurch sowohl die Immunabwehr gegen bestimmte Bakterien und Pilze als auch die normale Entwicklung von Bindegewebe, Skelett und Zähnen beeinträchtigt wird. Diese Form wird meist autosomal-dominant vererbt, wobei ein erheblicher Teil der Fälle auch durch eine spontan, also neu bei dem betroffenen Kind aufgetretene genetische Veränderung entsteht, ohne dass die Eltern selbst betroffen sind. Seltenere Formen der Erkrankung werden autosomal-rezessiv vererbt und betreffen andere, ebenfalls für die Immunfunktion wichtige Gene, wobei diese Formen mit einem etwas anderen klinischen Erscheinungsbild einhergehen können.
Symptome
Das Hyperimmunglobulin-E-Syndrom äußert sich durch wiederkehrende, häufig ungewöhnlich schmerzarme Hautabszesse, die als sogenannte kalte Abszesse bezeichnet werden, da sie trotz erheblicher Eiterbildung nicht die üblichen Entzündungszeichen wie ausgeprägte Rötung und Schmerz zeigen. Wiederkehrende Lungenentzündungen können zu bleibenden strukturellen Veränderungen des Lungengewebes führen. Ein chronischer, ekzemartiger Hautausschlag ist bereits im Säuglingsalter häufig auffällig. Charakteristische Gesichtsmerkmale wie eine ausgeprägte Stirn, eine breite Nase sowie eine grobe Gesichtshaut entwickeln sich meist erst im Verlauf der Kindheit. Zusätzlich zeigen viele Betroffene Skelettauffälligkeiten, eine verzögerte Ausfallzeit der Milchzähne mit persistierenden Doppelzahnreihen sowie eine erhöhte Neigung zu Knochenbrüchen bei geringfügigen Verletzungen.
Diagnostik
Die Diagnose des Hyperimmunglobulin-E-Syndroms wird durch eine Kombination aus dem charakteristischen klinischen Erscheinungsbild sowie einer stark erhöhten Immunglobulin-E-Konzentration im Blut, die deutlich über den bei anderen allergischen Erkrankungen üblichen Werten liegt, nahegelegt. Ein Bewertungssystem, das verschiedene klinische Merkmale wie die Häufigkeit von Hautabszessen, Lungenentzündungen sowie charakteristische Gesichts- und Skelettmerkmale zusammenfasst, unterstützt die klinische Einschätzung der Wahrscheinlichkeit der Erkrankung. Die endgültige Bestätigung der Diagnose erfolgt durch eine molekulargenetische Untersuchung, bei der die zugrunde liegende genetische Veränderung nachgewiesen wird. Diese genetische Diagnostik ist auch für die Unterscheidung zwischen der häufigeren autosomal-dominanten und den selteneren autosomal-rezessiven Formen von Bedeutung.
Behandlung
Die Behandlung des Hyperimmunglobulin-E-Syndroms erfolgt überwiegend symptomatisch und vorbeugend, da eine ursächliche Behandlung der genetischen Grunderkrankung nicht zur Verfügung steht. Eine langfristige, vorbeugende antibiotische Behandlung wird häufig eingesetzt, um die Häufigkeit bakterieller Infektionen zu reduzieren. Bereits aufgetretene Hautabszesse werden durch eine gezielte chirurgische Eröffnung und Entlastung sowie eine begleitende antibiotische Behandlung versorgt. Eine konsequente Hautpflege trägt zur Kontrolle des chronischen Ekzems bei. Bei besonders schwer betroffenen Patientinnen und Patienten mit ausgeprägten Immundefekten kann in Einzelfällen eine Stammzelltransplantation erwogen werden, deren Stellenwert bei dieser Erkrankung jedoch noch Gegenstand fortlaufender medizinischer Bewertung ist.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf des Hyperimmunglobulin-E-Syndroms ist chronisch und erfordert eine lebenslange, spezialisierte medizinische Betreuung, wobei die Prognose maßgeblich vom Ausmaß und der Häufigkeit der wiederkehrenden Infektionen sowie von möglichen bleibenden Organschäden, insbesondere der Lunge, abhängt. Bei konsequenter vorbeugender Behandlung sowie rascher Versorgung akuter Infektionen können viele Betroffene ein relativ stabiles Leben führen, wenngleich wiederholte Lungeninfektionen im Laufe der Zeit zu einer fortschreitenden Einschränkung der Lungenfunktion führen können. Zudem besteht bei Betroffenen ein leicht erhöhtes Risiko für die Entwicklung bestimmter bösartiger Erkrankungen des lymphatischen Systems, weshalb regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen im Rahmen der langfristigen Nachsorge empfohlen werden.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Hyperimmunglobulin-E-Syndrom: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum werden die Hautabszesse als 'kalte Abszesse' bezeichnet?
Weil sie trotz erheblicher Eiterbildung nicht die üblichen Entzündungszeichen wie ausgeprägte Rötung und Schmerz zeigen.
Woher stammt der Name Job-Syndrom?
Von der biblischen Figur Hiob (englisch Job), dessen Körper der Erzählung nach von zahlreichen Geschwüren befallen war.
Welche Organsysteme sind außer dem Immunsystem noch betroffen?
Bindegewebe, Skelett und Zähne, was zu charakteristischen Gesichtsmerkmalen, Skelettauffälligkeiten und verzögertem Milchzahnausfall führt.
Gibt es eine ursächliche Heilung für das Hyperimmunglobulin-E-Syndrom?
Nein, eine ursächliche Behandlung steht nicht routinemäßig zur Verfügung, die Behandlung erfolgt überwiegend symptomatisch und vorbeugend.
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