Hoher Scheidenriss unter der Geburt
Der hohe Scheidenriss unter der Geburt bezeichnet einen Einriss der Scheidenwand, der sich im oberen, tief innen gelegenen Bereich der Scheide befindet, im Unterschied zu den deutlich häufigeren, weiter außen gelegenen Verletzungen im Bereich des Damms sowie des unteren Scheidendrittels. Diese Lage macht den hohen Scheidenriss aufgrund seiner erschwerten Einsehbarkeit sowie Zugänglichkeit zu einer besonderen diagnostischen sowie therapeutischen Herausforderung, wobei ein unerkannt gebliebener hoher Scheidenriss zu einer erheblichen, mitunter zunächst nicht offensichtlichen Blutung führen kann. Ein hoher Scheidenriss entsteht meist durch dieselben Kräfte, die auch zu anderen Geburtsverletzungen führen können, insbesondere bei einer instrumentellen Entbindung oder einer besonders raschen Geburt.
Ursachen
Der hohe Scheidenriss entsteht durch eine übermäßige Dehnung oder direkte Verletzung der oberen Scheidenwand während der Austreibungsphase der Geburt, wobei eine instrumentelle Entbindung mittels Zange oder Saugglocke, eine ungewöhnlich rasch verlaufende Geburt sowie ein ungewöhnlich großer kindlicher Kopf zu den häufigsten Ursachen zählen. Eine bereits vorbestehende Verengung oder Vernarbung der Scheide sowie eine ungünstige Kindslage können das Risiko für einen hohen Scheidenriss zusätzlich erhöhen. Der Riss kann sich sowohl isoliert als auch gemeinsam mit einer Verletzung des Gebärmutterhalses entwickeln, da beide Strukturen unmittelbar ineinander übergehen.
Symptome
Der hohe Scheidenriss äußert sich durch eine anhaltende, hellrote Blutung nach der Geburt, die trotz einer gut kontrahierten, festen Gebärmutter sowie einer unauffälligen äußeren Untersuchung des Damms fortbesteht, was auf eine tiefer innen gelegene Verletzungsquelle hinweist. Aufgrund der schwer einsehbaren Lage des Risses kann sich die Blutung zunächst als unklar oder nicht eindeutig lokalisierbar darstellen, wobei sich bei einem ausgedehnten Riss zusätzlich eine erhebliche mütterliche Kreislaufinstabilität entwickeln kann, wenn die Blutungsquelle nicht rechtzeitig identifiziert wird.
Diagnostik
Die Diagnose des hohen Scheidenrisses erfordert eine sorgfältige, systematische Untersuchung der gesamten Scheidenwand mittels spezieller Spekula sowie einer guten Beleuchtung, wobei aufgrund der schwer einsehbaren Lage im oberen Scheidenbereich eine besonders gründliche sowie mitunter zeitaufwendige Untersuchung notwendig ist. Diese Untersuchung wird bei jeder anhaltenden, unklar lokalisierbaren Blutung nach der Geburt trotz gut kontrahierter Gebärmutter sowie unauffälligem äußerem Befund durchgeführt, um die tatsächliche Blutungsquelle sicher zu identifizieren.
Behandlung
Die Behandlung des hohen Scheidenrisses besteht in einer operativen Naht des Risses, die angesichts der schwer zugänglichen Lage häufig eine Verlegung in den Operationssaal mit besserer Beleuchtung, Instrumentierung sowie gegebenenfalls einer Vollnarkose oder Regionalanästhesie erfordert. Eine sorgfältige, schichtweise Naht ist notwendig, um die Blutung wirksam zum Stillstand zu bringen sowie eine regelrechte Wundheilung zu ermöglichen. Eine begleitende Kreislaufstabilisierung mittels Flüssigkeits- oder Bluttransfusion wird bei einem bereits eingetretenen, relevanten Blutverlust zusätzlich durchgeführt.
Verlauf und Prognose
Die Prognose des hohen Scheidenrisses ist bei einer rechtzeitig erkannten sowie fachgerecht versorgten Verletzung sehr gut, wobei die Naht in aller Regel innerhalb weniger Wochen folgenlos verheilt. Ein unerkannt gebliebener hoher Scheidenriss stellt dagegen ein erhebliches Risiko dar, da die anhaltende, schwer lokalisierbare Blutung zu einem erheblichen, mitunter lebensbedrohlichen Blutverlust führen kann, weshalb bei jeder unklaren, anhaltenden Blutung nach der Geburt eine besonders sorgfältige sowie vollständige Untersuchung der gesamten Scheide durchgeführt werden muss.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Hoher Scheidenriss unter der Geburt: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wo liegt der hohe Scheidenriss?
Im oberen, tief innen gelegenen Bereich der Scheide, im Unterschied zu weiter außen gelegenen Verletzungen.
Warum ist er besonders schwer zu erkennen?
Wegen seiner schwer einsehbaren, tief innen liegenden Lage.
Was ist ein wichtiges Warnzeichen?
Eine anhaltende, hellrote Blutung trotz gut kontrahierter Gebärmutter sowie unauffälligem äußerem Befund.
Wo wird die operative Naht häufig durchgeführt?
Im Operationssaal, aufgrund der schwer zugänglichen Lage.
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