Hereditäre Ataxie
Hereditäre Ataxien sind eine Gruppe seltener, erblich bedingter Erkrankungen, bei denen Nervenzellen im Kleinhirn, im Rückenmark oder in den damit verbundenen Nervenbahnen fortschreitend geschädigt werden. Die Folge ist eine zunehmende Störung der Bewegungskoordination (Ataxie), die Gang, Sprache und Feinmotorik betrifft. Es gibt zahlreiche genetisch unterschiedliche Formen mit unterschiedlichem Erbgang, Beginn und Verlauf, die häufigste in Europa ist die Friedreich-Ataxie.
Ursachen
Jede Form der hereditären Ataxie beruht auf einer spezifischen Genveränderung, die die Struktur oder Funktion von Nervenzellen in Kleinhirn und Rückenmark beeinträchtigt. Je nach Form wird die Erkrankung autosomal-dominant, autosomal-rezessiv oder, seltener, X-chromosomal vererbt. Bei der häufigen Friedreich-Ataxie liegt eine rezessiv vererbte Veränderung im sogenannten Frataxin-Gen vor, wodurch beide Elternteile unbemerkte Träger der Genveränderung sein können, ohne selbst erkrankt zu sein.
Symptome
Kennzeichnend ist eine langsam fortschreitende Gangunsicherheit mit breitbeinigem, unsicherem Gangbild, die sich meist im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter erstmals bemerkbar macht. Im Verlauf kommen eine verwaschene, skandierende Sprache, unsichere, ungenaue Bewegungen der Arme und Hände sowie, bei manchen Formen, Augenbewegungsstörungen hinzu. Je nach zugrunde liegender Form können zusätzlich Herzmuskelschädigung, Diabetes mellitus oder eine Verkrümmung der Wirbelsäule auftreten.
Diagnostik
Eine neurologische Untersuchung mit typischen Ausfallmustern liefert erste wichtige Hinweise. Eine Magnetresonanztomografie des Gehirns kann die für viele Formen charakteristische Schrumpfung des Kleinhirns zeigen. Die endgültige Diagnose und genaue Einordnung in eine spezifische Form gelingt durch eine genetische Untersuchung, die auch für die Beratung von Familienangehörigen zum Vererbungsrisiko wichtig ist.
Behandlung
Eine ursächliche Heilung existiert für die meisten Formen bisher nicht. Die Behandlung ist überwiegend symptomatisch und unterstützend: Physiotherapie und Ergotherapie helfen, Beweglichkeit und Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten, Logopädie unterstützt bei Sprech- und Schluckstörungen. Begleiterkrankungen wie eine Herzmuskelschädigung oder Diabetes werden eigenständig mitbehandelt. Für einzelne, sehr seltene Unterformen sind mittlerweile erste spezifische Medikamente zugelassen oder in Entwicklung.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf ist je nach zugrunde liegender genetischer Form sehr unterschiedlich und erstreckt sich meist über Jahrzehnte, mit allmählich zunehmender Einschränkung der Beweglichkeit und Selbstständigkeit. Bei manchen Formen, etwa der Friedreich-Ataxie, kann eine begleitende Herzmuskelschädigung die Lebenserwartung zusätzlich beeinflussen. Eine frühzeitige, koordinierte, multidisziplinäre Betreuung verbessert die Lebensqualität und den Erhalt der Selbstständigkeit über den Krankheitsverlauf deutlich.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Hereditäre Ataxie: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Sind alle hereditären Ataxien gleich?
Nein, es handelt sich um eine sehr vielfältige Gruppe genetisch unterschiedlicher Erkrankungen mit unterschiedlichem Erbgang, Beginn und Verlauf, die eine genaue genetische Einordnung erfordern.
Können gesunde Eltern ein betroffenes Kind bekommen?
Ja, bei den häufigen rezessiv vererbten Formen wie der Friedreich-Ataxie können beide Elternteile unbemerkte Träger sein und ohne eigene Erkrankung ein betroffenes Kind bekommen.
Gibt es eine Heilung?
Für die meisten Formen bisher nicht, die Behandlung zielt auf die Linderung von Beschwerden und den möglichst langen Erhalt von Beweglichkeit und Selbstständigkeit ab; für einzelne seltene Formen gibt es erste spezifische Therapieansätze.
Warum ist eine genetische Untersuchung wichtig?
Sie ermöglicht die genaue Einordnung der Erkrankung, eine Einschätzung des erwarteten Verlaufs sowie eine fundierte Beratung von Familienangehörigen zum Vererbungsrisiko.
Weiterlesen
Kryptokokkose der Lunge
Diese durch einen Hefepilz verursachte Lungeninfektion verläuft bei gesundem Immunsystem meist mild, kann bei Immungeschwächten aber schwer und lebensbedrohlich werden.
Weiterlesen →FrauengesundheitSalpingitis und Oophoritis (Eileiter- und Eierstockentzündung)
Eine aufsteigende Infektion der weiblichen Geschlechtsorgane kann Eileiter und Eierstöcke befallen und unbehandelt die Fruchtbarkeit dauerhaft beeinträchtigen.
Weiterlesen →FrauengesundheitBartholin-Zyste und -Abszess
Eine verstopfte Drüse am Scheideneingang kann zu einer schmerzlosen Zyste oder, bei Infektion, zu einem sehr schmerzhaften Abszess anschwellen.
Weiterlesen →Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen
Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.