Hämatokolpos
Der Hämatokolpos bezeichnet eine Ansammlung von Menstruationsblut innerhalb der Scheide, die entsteht, wenn der Abfluss des Blutes nach außen durch eine Verlegung im Bereich des Scheideneingangs behindert ist. Die mit Abstand häufigste Ursache ist ein sogenannter fester Hymenalring, bei dem das Jungfernhäutchen von Geburt an keine ausreichende Öffnung aufweist, durch die das Menstruationsblut abfließen kann, obwohl die inneren Geschlechtsorgane regelrecht angelegt sind. Da sich das monatlich anfallende Blut bei bestehender Verlegung zunächst in der Scheide und bei fortbestehender Ansammlung auch in der darüber gelegenen Gebärmutter sammelt, macht sich die Erkrankung typischerweise erst mit dem Einsetzen der ersten Regelblutung in der Pubertät durch charakteristische, zyklisch wiederkehrende Beschwerden bemerkbar.
Veröffentlicht: 8. Sep. 2026 · Redaktion: Personal Paramedic e.K.
Ursachen
Die häufigste Ursache des Hämatokolpos ist ein fester Hymenalring, bei dem das Jungfernhäutchen keine oder nur eine unzureichende Öffnung aufweist, sodass das Menstruationsblut nach dem Einsetzen der ersten Regelblutung nicht nach außen abfließen kann, obwohl die inneren Geschlechtsorgane normal angelegt sind. Seltener liegt eine sogenannte Scheidenquerscheidewand oder eine andere angeborene Fehlbildung der Scheide zugrunde, bei der die Scheide durch eine quer verlaufende Gewebeschicht in ihrem Verlauf unterbrochen ist. Diese Fehlbildungen entstehen während der frühen embryonalen Entwicklung des weiblichen Genitaltraktes und werden häufig erst mit dem Einsetzen der Pubertät bemerkt, da sie zuvor keine Beschwerden verursachen. Eine familiäre Häufung solcher Fehlbildungen wird gelegentlich beobachtet, ein eindeutiger erblicher Zusammenhang ist jedoch nicht in allen Fällen nachgewiesen.
Symptome
Der Hämatokolpos äußert sich bei betroffenen Mädchen durch das Ausbleiben der erwarteten ersten Regelblutung trotz sonst regelrecht verlaufener körperlicher Entwicklung und normal ausgebildeter Brustentwicklung sowie Schambehaarung, was zunächst häufig zu Verunsicherung führt. Begleitend treten zunehmende, zyklisch wiederkehrende Unterbauchschmerzen auf, die durch die monatliche Ansammlung von Blut in der verschlossenen Scheide entstehen und sich mit jedem weiteren Menstruationszyklus verstärken können. Bei stärkerer Ausdehnung kann eine tastbare, teils deutlich sichtbare Vorwölbung im Bereich des unteren Bauches entstehen, die durch die stark gefüllte Scheide sowie gegebenenfalls die mitbetroffene Gebärmutter bedingt ist. Bei der Untersuchung des äußeren Genitalbereichs zeigt sich charakteristischerweise eine bläulich durchschimmernde, vorgewölbte Struktur im Bereich des Jungfernhäutchens, die dem dahinter angesammelten Blut entspricht.
Diagnostik
Die Diagnose des Hämatokolpos wird meist bereits durch die charakteristische Inspektion des äußeren Genitalbereichs nahegelegt, bei der sich die bläulich durchschimmernde, vorgewölbte Struktur des Jungfernhäutchens direkt erkennen lässt. Eine Ultraschalluntersuchung des Beckens bestätigt die Diagnose und zeigt die deutlich erweiterte, mit echoreichem Inhalt gefüllte Scheide, wobei auch eine mögliche zusätzliche Beteiligung der Gebärmutter dargestellt werden kann. Bei Verdacht auf eine kompliziertere Fehlbildung, etwa eine Scheidenquerscheidewand, kann eine Magnetresonanztomographie des Beckens zur genaueren anatomischen Darstellung sowie zur Planung der operativen Behandlung sinnvoll sein. Eine sorgfältige, einfühlsame Untersuchung ist bei der Diagnostik dieser Erkrankung bei jungen Mädchen von besonderer Bedeutung.
Behandlung
Die Behandlung des Hämatokolpos bei zugrunde liegendem festem Hymenalring erfolgt durch eine kleine, unkomplizierte operative Eröffnung des Jungfernhäutchens, durch die das angesammelte Blut umgehend abfließen kann und sich die Beschwerden in der Regel unmittelbar deutlich bessern. Bei einer zugrunde liegenden Scheidenquerscheidewand ist meist ein etwas ausgedehnterer operativer Eingriff notwendig, um die Scheide vollständig durchgängig zu machen und einen normalen Abfluss des Menstruationsblutes dauerhaft zu gewährleisten. Nach der operativen Behandlung wird üblicherweise eine kurzzeitige Nachkontrolle durchgeführt, um eine regelrechte Abheilung sowie einen normalen weiteren Zyklusverlauf sicherzustellen. Eine begleitende psychologische Unterstützung kann für betroffene Mädchen und ihre Familien während dieser mitunter beunruhigenden Situation hilfreich sein.
Verlauf und Prognose
Die Prognose des Hämatokolpos ist nach rechtzeitiger operativer Behandlung sehr gut, wobei sich die Beschwerden nach der Eröffnung des Jungfernhäutchens oder der operativen Korrektur einer Scheidenfehlbildung in der Regel rasch und vollständig zurückbilden. Die spätere Regelblutung sowie die Fruchtbarkeit sind nach erfolgreicher Behandlung in den meisten Fällen normal. Wird die Abflussbehinderung nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann sich das angesammelte Blut über die Scheide hinaus in die Gebärmutter und schließlich in die Eileiter zurückstauen, was zu Verwachsungen und einer möglichen Beeinträchtigung der späteren Fruchtbarkeit führen kann, weshalb eine zeitnahe Diagnosestellung bei entsprechenden Beschwerden wichtig ist. Nach erfolgreicher Behandlung ist eine regelmäßige, unauffällige weitere gynäkologische Entwicklung zu erwarten.
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Häufige Fragen
Was ist die häufigste Ursache des Hämatokolpos?
Ein fester Hymenalring, bei dem das Jungfernhäutchen keine ausreichende Öffnung für den Abfluss des Menstruationsblutes aufweist.
Woran erkennt man die Erkrankung bei der Untersuchung?
An einer charakteristischen, bläulich durchschimmernden, vorgewölbten Struktur im Bereich des Jungfernhäutchens.
Wie wird der Hämatokolpos behandelt?
Durch eine kleine, unkomplizierte operative Eröffnung des Jungfernhäutchens, durch die das angesammelte Blut abfließen kann.
Beeinträchtigt die Erkrankung die spätere Fruchtbarkeit?
Bei rechtzeitiger Behandlung in der Regel nicht, bei verzögerter Diagnosestellung kann sich das Blut jedoch bis in die Eileiter zurückstauen und Verwachsungen verursachen.
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