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Verdauung & Magen-Darm

Gallensteinileus

Der Gallensteinileus bezeichnet eine seltene, jedoch ernstzunehmende Form des mechanischen Darmverschlusses, bei der ein großer Gallenstein über eine abnorme, entzündungsbedingte Verbindung zwischen der Gallenblase und einem benachbarten Darmabschnitt, meist dem Zwölffingerdarm, in den Verdauungstrakt gelangt und sich an einer engeren Stelle des Dünndarms festsetzt. Diese Erkrankung stellt eine besondere Komplikation einer langjährigen, wiederholt entzündeten Gallenblase mit Gallensteinen dar und betrifft überwiegend ältere Frauen, bei denen die zugrunde liegende Gallenblasenerkrankung häufig über Jahre bestanden hat, bevor sich diese seltene, aber schwerwiegende Komplikation entwickelt.

Ursachen

Der Gallensteinileus entsteht als Spätfolge einer langjährigen, wiederholt entzündeten Gallenblase mit vorhandenen Gallensteinen, bei der ein größerer Stein über lange Zeit dauerhaft gegen die Gallenblasenwand drückt und diese zunehmend schädigt, bis sich schließlich eine abnorme Verbindung, eine sogenannte Gallenblasenfistel, zum unmittelbar benachbarten Zwölffingerdarm bildet. Über diese neu entstandene Verbindung kann ein ausreichend großer Gallenstein aus der Gallenblase direkt in den Darm wandern, wo er sich, sofern er groß genug ist, an einer physiologisch engen Stelle des Dünndarms, meist im Bereich des unteren Dünndarms kurz vor dem Übergang zum Dickdarm, festsetzt und den Darm dadurch mechanisch verlegt. Betroffen sind überwiegend ältere Frauen mit einer langjährigen Gallensteinerkrankung.

Symptome

Der Gallensteinileus äußert sich durch die typischen Symptome eines mechanischen Darmverschlusses, insbesondere starke, krampfartige Bauchschmerzen, ein zunehmend aufgetriebener Bauch, wiederholtes Erbrechen sowie das Ausbleiben von Stuhlgang und Windabgang. Charakteristisch für diese besondere Form des Darmverschlusses ist ein häufig wechselhafter, sogenannter intermittierender Verlauf, bei dem sich die Beschwerden über Tage hinweg immer wieder vorübergehend bessern, wenn sich der Stein geringfügig in seiner Position verschiebt, bevor er sich erneut fester einklemmt und die Beschwerden erneut zunehmen, was die Diagnosestellung mitunter erheblich erschweren kann. Aufgrund des häufig höheren Alters der Betroffenen sowie bestehender Begleiterkrankungen kann sich der Allgemeinzustand im Verlauf rasch deutlich verschlechtern.

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Diagnostik

Die Diagnose des Gallensteinileus wird durch eine Computertomographie des Bauchraums gestellt, in der sich charakteristische, wegweisende Befunde zeigen, insbesondere Luft innerhalb der Gallenblase oder der Gallenwege, was normalerweise nicht vorkommt und auf die bestehende abnorme Verbindung zum lufthaltigen Darm hinweist, sowie der ursächliche, den Darm blockierende Gallenstein selbst und die davor gelegenen, erweiterten Darmschlingen als Zeichen des Darmverschlusses. Diese Kombination charakteristischer Befunde ermöglicht in vielen Fällen bereits vor einer Operation eine zuverlässige Diagnosestellung. Eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums kann ergänzend eingesetzt werden, liefert bei dieser speziellen Erkrankung jedoch häufig weniger eindeutige Befunde als die Computertomographie.

Behandlung

Die Behandlung des Gallensteinileus erfordert eine notfallmäßige operative Behandlung, bei der der im Darm eingeklemmte Gallenstein entfernt wird, um die akute Darmverlegung umgehend zu beheben und die Durchblutung des betroffenen Darmabschnitts sicherzustellen. Die zugrunde liegende Gallenblase mit der abnormen Verbindung zum Darm wird aufgrund des häufig höheren Alters sowie des geschwächten Allgemeinzustands der Betroffenen mitunter nicht im Rahmen desselben Eingriffs, sondern erst in einer geplanten, späteren Operation entfernt, um das operative Risiko des akuten Ersteingriffs möglichst gering zu halten. Bei einem Teil der Betroffenen wird aufgrund des erhöhten Operationsrisikos einer weiteren Operation sogar ganz auf die spätere Entfernung der Gallenblase verzichtet, sofern keine erneuten Beschwerden auftreten.

Verlauf und Prognose

Die Prognose des Gallensteinileus ist aufgrund des häufig höheren Alters sowie der bestehenden Begleiterkrankungen der überwiegend betroffenen Patientinnen und Patienten ernster einzuschätzen als bei den meisten anderen Ursachen eines Darmverschlusses, wobei die Sterblichkeit dieser Erkrankung trotz moderner operativer Möglichkeiten weiterhin bemerkenswert ist. Eine rasche Diagnosestellung sowie die umgehende operative Behebung des Darmverschlusses sind für die Prognose von entscheidender Bedeutung, da eine Verzögerung der Behandlung das Risiko für eine Schädigung des eingeklemmten Darmabschnitts durch eine unzureichende Durchblutung erheblich erhöht. Bei einem Teil der Betroffenen, bei denen die Gallenblase nicht im Rahmen der Notfalloperation entfernt wurde, besteht ein gewisses Risiko für ein erneutes Auftreten eines Gallensteinileus, sofern weitere große Steine in der Gallenblase verblieben sind.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Wie gelangt der Gallenstein in den Darm?

Über eine abnorme, entzündungsbedingte Verbindung, eine sogenannte Gallenblasenfistel, die sich zwischen der Gallenblase und dem benachbarten Zwölffingerdarm gebildet hat.

Warum verläuft der Darmverschluss oft wechselhaft?

Weil sich der Stein im Darm geringfügig verschieben kann, was zu einem intermittierenden, sich vorübergehend bessernden und wieder verschlechternden Beschwerdebild führt.

Wird die Gallenblase immer sofort mitentfernt?

Nicht zwingend, aufgrund des erhöhten operativen Risikos bei den meist älteren Betroffenen wird dies häufig auf eine spätere, geplante Operation verschoben oder ganz unterlassen.

Wer ist am häufigsten von einem Gallensteinileus betroffen?

Überwiegend ältere Frauen mit einer langjährigen, wiederholt entzündeten Gallensteinerkrankung.

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