Fraktur des Os sacrum (Kreuzbeinfraktur)
Die Fraktur des Os sacrum, im Deutschen als Kreuzbeinfraktur bezeichnet, betrifft das Kreuzbein, jenen dreieckigen, aus mehreren verschmolzenen Wirbeln gebildeten unteren Abschluss der Wirbelsäule, der gemeinsam mit den beiden Beckenschaufeln den hinteren Anteil des Beckenrings bildet sowie zudem die aus dem Rückenmark austretenden Nervenwurzeln für die Versorgung der Beine sowie der Beckenorgane beherbergt. Diese Fraktur entsteht bei jüngeren Menschen überwiegend durch eine erhebliche Gewalteinwirkung im Rahmen schwerer Unfälle, häufig gemeinsam mit weiteren Verletzungen des Beckenrings, während sie bei älteren Menschen mit einer bereits bestehenden, altersbedingt verminderten Knochendichte auch durch eine vergleichsweise geringfügige Belastung als sogenannte Insuffizienzfraktur entstehen kann. Aufgrund der engen anatomischen Nachbarschaft zu wichtigen Nervenstrukturen kann eine Kreuzbeinfraktur mit Beeinträchtigungen der Blasen-, Darm- sowie Beinfunktion einhergehen.
Ursachen
Die Fraktur des Os sacrum entsteht bei jüngeren Menschen überwiegend durch eine erhebliche Gewalteinwirkung, wie sie typischerweise bei schweren Verkehrsunfällen oder Stürzen aus großer Höhe auftritt, wobei die Kreuzbeinfraktur in diesen Fällen häufig gemeinsam mit weiteren Verletzungen des vorderen sowie hinteren Beckenrings auftritt. Bei älteren Menschen mit einer bereits bestehenden, altersbedingt verminderten Knochendichte im Rahmen einer Osteoporose kann bereits eine vergleichsweise geringfügige Belastung, etwa ein einfacher Sturz aus dem Stand oder sogar eine alltägliche Belastung ohne erkennbares Unfallereignis, zu einer sogenannten Insuffizienzfraktur des Kreuzbeins führen, die häufig zunächst nicht als tatsächliche Fraktur erkannt wird.
Symptome
Die Fraktur des Os sacrum äußert sich durch einen tief im unteren Rückenbereich sowie im Bereich des Gesäßes lokalisierten Schmerz, der sich bei längerem Sitzen, beim Aufstehen sowie bei Belastung der Beine deutlich verstärkt, wobei die Schmerzen bei den bei älteren Menschen häufigeren Insuffizienzfrakturen mitunter über Wochen als unspezifischer Rückenschmerz fehlgedeutet werden. Bei einer begleitenden Schädigung der im Bereich des Kreuzbeins austretenden Nervenwurzeln können zusätzlich Taubheitsgefühle im Bereich des Gesäßes sowie der Beine sowie eine Beeinträchtigung der Blasen- oder Darmfunktion auftreten, die ein wichtiges, dringend abzuklärendes Warnzeichen darstellen. Bei einer durch erhebliche Gewalteinwirkung verursachten Fraktur bei jüngeren Menschen bestehen zusätzlich häufig Anzeichen einer bedeutsamen Instabilität des gesamten Beckenrings.
Diagnostik
Die Diagnose der Fraktur des Os sacrum wird durch eine Bildgebung mittels Röntgenaufnahme sowie insbesondere einer Computertomografie des Beckens gestellt, wobei die Kreuzbeinfraktur, insbesondere die bei älteren Menschen auftretenden Insuffizienzfrakturen, auf einer einfachen Röntgenaufnahme mitunter nicht sicher sichtbar ist, weshalb bei anhaltendem klinischem Verdacht eine weiterführende Bildgebung mittels Computertomografie oder Magnetresonanztomografie empfohlen wird. Eine sorgfältige neurologische Untersuchung sowie eine gezielte Befragung nach möglichen Störungen der Blasen- oder Darmfunktion ist zur Erfassung einer möglichen begleitenden Nervenschädigung unerlässlich. Bei jüngeren, unfallbedingt Betroffenen wird zusätzlich eine umfassende Beurteilung des gesamten Beckenrings auf weitere Begleitverletzungen durchgeführt.
Behandlung
Die Behandlung der Fraktur des Os sacrum richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache sowie dem Ausmaß der Instabilität, wobei die bei älteren Menschen häufigeren, stabilen Insuffizienzfrakturen in aller Regel konservativ mit schmerzlindernden Medikamenten sowie einer frühzeitigen, schmerzadaptierten Mobilisation behandelt werden. Bei einer durch erhebliche Gewalteinwirkung verursachten, instabilen Fraktur bei jüngeren Menschen, insbesondere bei begleitender Instabilität des übrigen Beckenrings, wird häufig eine operative Stabilisierung mittels spezieller, in das Kreuzbein eingebrachter Schrauben empfohlen. Bei einer bereits eingetretenen, bedeutsamen Nervenschädigung mit Beeinträchtigung der Blasen- oder Darmfunktion kann eine gezielte operative Entlastung der betroffenen Nervenwurzeln notwendig werden.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Fraktur des Os sacrum ist bei den überwiegend stabilen Insuffizienzfrakturen älterer Menschen unter konsequenter konservativer Behandlung insgesamt gut, wobei die Schmerzen bei den meisten Betroffenen innerhalb mehrerer Wochen bis Monate deutlich nachlassen. Bei jüngeren Menschen mit einer durch erhebliche Gewalteinwirkung verursachten, instabilen Fraktur hängt die Prognose maßgeblich vom Ausmaß der Begleitverletzungen sowie dem Erfolg der operativen Stabilisierung ab. Eine bereits eingetretene, bedeutsame Schädigung der Nervenwurzeln mit Beeinträchtigung der Blasen- oder Darmfunktion bildet sich nicht in jedem Fall vollständig zurück, weshalb eine rasche Diagnosestellung sowie gegebenenfalls operative Entlastung bei entsprechenden Warnzeichen von entscheidender Bedeutung ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Fraktur des Os sacrum (Kreuzbeinfraktur): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was ist eine Insuffizienzfraktur des Kreuzbeins?
Ein Bruch, der bei älteren Menschen mit verminderter Knochendichte bereits durch geringfügige Belastung entsteht.
Welche Warnzeichen deuten auf eine Nervenwurzelschädigung hin?
Taubheitsgefühle im Bereich des Gesäßes sowie der Beine sowie eine Beeinträchtigung der Blasen- oder Darmfunktion.
Wie werden stabile Insuffizienzfrakturen meist behandelt?
Konservativ mit schmerzlindernden Medikamenten sowie frühzeitiger, schmerzadaptierter Mobilisation.
Warum wird die Verletzung bei älteren Menschen häufig zunächst übersehen?
Weil die Schmerzen zunächst als unspezifischer Rückenschmerz fehlgedeutet werden können.
Weiterlesen
Strychninvergiftung
Eine seltene, jedoch akut lebensbedrohliche Vergiftung durch das pflanzliche Nervengift Strychnin, die zu ausgeprägten, schmerzhaften Muskelkrämpfen sowie einem charakteristischen Gesichtsausdruck führt.
Weiterlesen →VergiftungenNikotinvergiftung
Eine akute Vergiftung durch übermäßige Aufnahme von Nikotin, die insbesondere bei Kleinkindern durch das Verschlucken von Zigaretten oder E-Zigaretten-Liquid entsteht sowie schwerwiegende Kreislaufbeschwerden verursachen kann.
Weiterlesen →Verletzungen des BewegungsapparatsKnochenbruch (Fraktur)
Knochenbruch erkennen und ruhigstellen: was Ersthelfer:innen tun dürfen — und was Fachpersonal vorbehalten bleibt.
Weiterlesen →Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen
Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.