Enterocolitis necroticans (Nekrotisierende Enterokolitis)
Die Enterocolitis necroticans, auch als nekrotisierende Enterokolitis bezeichnet, ist eine schwere entzündliche Erkrankung des Darms, bei der es zu einer fortschreitenden Schädigung und schließlich zum Absterben von Darmwandgewebe kommt. Sie betrifft überwiegend Frühgeborene, insbesondere solche mit einem sehr niedrigen Geburtsgewicht, deren Darm zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht vollständig ausgereift ist. Die genauen Entstehungsmechanismen sind komplex und nicht vollständig geklärt, es wird jedoch angenommen, dass eine noch unreife Darmschleimhaut, eine gestörte Darmdurchblutung sowie ein noch nicht ausgereiftes Immunsystem gemeinsam dazu beitragen, dass sich Bakterien im Darm übermäßig vermehren und eine schwere, gewebeschädigende Entzündungsreaktion auslösen. Die Enterocolitis necroticans zählt zu den ernstesten und gefährlichsten Erkrankungen der Neugeborenenperiode.
Ursachen
Die Entstehung der Enterocolitis necroticans wird auf ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zurückgeführt, die insbesondere bei Frühgeborenen gehäuft zusammentreffen. Die Unreife der Darmschleimhaut sowie eine noch nicht vollständig ausgereifte Darmbewegung erschweren den geordneten Transport des Darminhalts und begünstigen eine übermäßige bakterielle Besiedelung. Phasen einer verminderten Durchblutung des Darms, etwa im Rahmen einer allgemeinen Kreislaufinstabilität des Frühgeborenen, können das empfindliche Darmgewebe zusätzlich schädigen und seine Widerstandsfähigkeit gegenüber Bakterien und deren Stoffwechselprodukten herabsetzen. Auch die künstliche Ernährung mit Formulanahrung anstelle von Muttermilch gilt als begünstigender Faktor, da Muttermilch schützende Bestandteile für die kindliche Darmschleimhaut enthält, die einer künstlichen Nahrung fehlen. Eine rasche Steigerung der Nahrungsmenge bei sehr unreifen Frühgeborenen kann das Risiko zusätzlich erhöhen.
Symptome
Die Enterocolitis necroticans äußert sich typischerweise durch eine Kombination aus einer aufgetriebenen, druckempfindlichen Bauchdecke, einer schlechten Verträglichkeit der Nahrung mit vermehrtem Erbrechen von galligem oder blutig-tingiertem Mageninhalt sowie blutigen oder schleimigen Stühlen. Betroffene Frühgeborene zeigen häufig eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustandes mit vermehrten Atemaussetzern, einer instabilen Körpertemperatur sowie einer zunehmenden Kreislaufinstabilität. Die Bauchdecke kann sich sichtbar rötlich verfärben, was auf eine bereits fortgeschrittene Entzündung mit Beteiligung der Bauchwand hinweisen kann. Da die Erkrankung sich innerhalb weniger Stunden dramatisch verschlechtern kann, ist eine engmaschige Beobachtung von Frühgeborenen mit Risikofaktoren für diese Erkrankung von großer Bedeutung.
Diagnostik
Die Diagnose stützt sich auf die klinische Beobachtung der typischen Symptomkombination sowie auf eine Röntgenuntersuchung des Bauchraums, die charakteristische Gasansammlungen innerhalb der Darmwand sichtbar machen kann, ein wichtiges bildgebendes Zeichen dieser Erkrankung. Blutuntersuchungen zeigen häufig erhöhte Entzündungswerte sowie, bei fortgeschrittener Erkrankung, Anzeichen einer beginnenden Blutgerinnungsstörung. Eine Untersuchung des Stuhls auf verstecktes Blut kann auch bei nicht offensichtlich blutigem Stuhl zusätzliche Hinweise liefern. Da sich der Zustand des betroffenen Frühgeborenen rasch verändern kann, erfolgt die Diagnostik engmaschig wiederholt, um ein Fortschreiten der Erkrankung sowie mögliche Komplikationen wie einen Darmdurchbruch frühzeitig zu erkennen.
Behandlung
Bei Verdacht auf eine Enterocolitis necroticans wird die orale Nahrungszufuhr sofort unterbrochen, um den erkrankten Darm zu entlasten, und durch eine Ernährung über die Vene ersetzt. Eine hochdosierte, breit wirksame antibiotische Behandlung wird umgehend eingeleitet, um die zugrunde liegende bakterielle Beteiligung zu bekämpfen. Über eine in den Magen eingelegte Sonde wird der Magen-Darm-Trakt entlastet, um den Druck im geschädigten Darm zu verringern. Das betroffene Frühgeborene wird intensivmedizinisch engmaschig überwacht, da sich der Zustand rasch verschlechtern kann. Bei Anzeichen eines Darmdurchbruchs oder eines ausgedehnten Absterbens von Darmgewebe, das sich unter der konservativen Behandlung nicht bessert, wird eine notfallmäßige Operation notwendig, bei der abgestorbenes Darmgewebe entfernt wird.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf der Enterocolitis necroticans ist sehr unterschiedlich und reicht von einer milden Form, die sich unter konsequenter konservativer Behandlung innerhalb weniger Tage bessert, bis zu einem schweren, foudroyanten Verlauf mit ausgedehntem Absterben von Darmgewebe, der trotz intensivmedizinischer Behandlung lebensbedrohlich sein kann. Bei einem operativ notwendig gewordenen Eingriff mit Entfernung geschädigten Darmgewebes hängt die langfristige Prognose auch vom Ausmaß des verbliebenen, funktionsfähigen Darms ab, da bei ausgedehnter Entfernung ein sogenanntes Kurzdarmsyndrom mit dauerhaften Ernährungsschwierigkeiten zurückbleiben kann. Überlebende Kinder benötigen häufig eine langfristige Nachsorge, da sich im späteren Verlauf gelegentlich Vernarbungen im Darm mit Engstellen entwickeln können. Insgesamt zählt die Enterocolitis necroticans trotz Fortschritten in der Neonatologie weiterhin zu den ernstesten Erkrankungen Frühgeborener.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Enterocolitis necroticans (Nekrotisierende Enterokolitis): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum sind vor allem Frühgeborene von dieser Erkrankung betroffen?
Weil ihr Darm zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht vollständig ausgereift ist, was zusammen mit einer noch unreifen Darmdurchblutung und einem noch nicht ausgereiften Immunsystem eine übermäßige bakterielle Vermehrung und Entzündungsreaktion begünstigt.
Kann Muttermilch das Risiko einer Enterocolitis necroticans senken?
Ja, Muttermilch enthält schützende Bestandteile für die kindliche Darmschleimhaut, die einer künstlichen Formulanahrung fehlen, weshalb das Stillen beziehungsweise die Gabe von Muttermilch als schützender Faktor gilt.
Warum wird bei Verdacht auf diese Erkrankung sofort die Nahrung gestoppt?
Um den erkrankten Darm zu entlasten und ein weiteres Fortschreiten der Schädigung zu begrenzen, während die Ernährung vorübergehend über die Vene sichergestellt wird.
Wann wird bei einer Enterocolitis necroticans eine Operation notwendig?
Bei Anzeichen eines Darmdurchbruchs oder eines ausgedehnten Absterbens von Darmgewebe, das sich unter der konservativen Behandlung nicht bessert, um das abgestorbene Gewebe operativ zu entfernen.
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