Dissoziativer Stupor
Der dissoziative Stupor ist eine Form der dissoziativen Störungen, bei der Betroffene über einen begrenzten Zeitraum in einen Zustand ausgeprägter Bewegungs- und Reaktionslosigkeit verfallen, ohne dass hierfür eine körperliche Erkrankung oder eine andere eigenständige psychiatrische Störung als Ursache gefunden werden kann. Betroffene liegen oder sitzen dabei über längere Zeit nahezu regungslos, reagieren kaum oder gar nicht auf Ansprache, Licht, Berührung oder andere äußere Reize, wobei Muskeltonus, Haltung, Atmung sowie das Öffnen der Augen häufig auf einen wachen, jedoch von der Umwelt weitgehend abgekoppelten Zustand hindeuten. Der dissoziative Stupor tritt typischerweise im engen zeitlichen Zusammenhang mit einem erheblich belastenden Ereignis oder Problem auf und wird als unwillkürliche, unbewusste psychische Reaktion auf diese Überforderung verstanden.
Ursachen
Der dissoziative Stupor entwickelt sich typischerweise als Reaktion auf ein erheblich belastendes Ereignis oder eine unlösbar erscheinende Konfliktsituation, wobei die belastenden Gedanken und Gefühle von der Betroffene Person unbewusst von ihrem bewussten Erleben und ihrer Bewegungsfähigkeit abgekoppelt werden. Diese unbewusste Abkopplung wird als eine Art psychischer Schutzmechanismus verstanden, der die betroffene Person vorübergehend vor einer als überwältigend erlebten emotionalen Belastung abschirmt. Zu den Risikofaktoren zählen frühere belastende Lebenserfahrungen, eine ausgeprägte individuelle Neigung zu dissoziativen Reaktionen sowie ein Mangel an alternativen Bewältigungsstrategien im Umgang mit extremer emotionaler Überforderung. Der dissoziative Stupor kann sowohl nach einem einzelnen, plötzlich auftretenden traumatischen Ereignis als auch im Zusammenhang mit lang anhaltenden, chronischen Belastungssituationen auftreten.
Symptome
Das zentrale Symptom ist eine ausgeprägte Verminderung oder das vollständige Fehlen willkürlicher Bewegungen sowie normaler Reaktionen auf äußere Reize wie Licht, Geräusche oder Berührung, während gleichzeitig Hinweise auf einen grundsätzlich wachen Bewusstseinszustand bestehen können, etwa ein erhaltener Muskeltonus, eine aufrechte Körperhaltung oder Augenbewegungen. Betroffene sprechen während der Episode in der Regel nicht und zeigen auch sonst keine oder nur minimale willkürliche Reaktionen. Der Zustand tritt meist plötzlich im engen zeitlichen Zusammenhang mit einem belastenden Ereignis auf und kann von wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden andauern. Nach Abklingen der Episode können sich Betroffene häufig nur teilweise oder gar nicht an den Zustand selbst erinnern, während die Erinnerung an das auslösende belastende Ereignis meist erhalten bleibt.
Diagnostik
Die Diagnostik erfordert zunächst den sorgfältigen Ausschluss körperlicher Ursachen für den Zustand der Bewegungs- und Reaktionslosigkeit, etwa neurologischer Erkrankungen, die zu ähnlichen Symptomen führen können, durch eine gründliche körperliche und neurologische Untersuchung sowie gegebenenfalls apparative Diagnostik. Erst wenn eine ausreichende organische Erklärung fehlt und ein enger zeitlicher Zusammenhang mit einem erheblich belastenden Ereignis oder Problem erkennbar ist, wird die Diagnose eines dissoziativen Stupors gestellt. Auch die Abgrenzung zu anderen psychiatrischen Zuständen, die mit ähnlicher Symptomatik einhergehen können, ist wichtig. Eine sorgfältige, einfühlsame Anamnese der belastenden Lebensumstände im Vorfeld der Episode ist zentraler Bestandteil der Diagnostik.
Behandlung
Die Behandlung des dissoziativen Stupors erfolgt zunächst durch eine ruhige, sichere und beruhigende Umgebung sowie eine einfühlsame Ansprache, um der betroffenen Person zu helfen, aus dem Zustand herauszufinden. Nach Abklingen der akuten Episode steht die psychotherapeutische Aufarbeitung des zugrunde liegenden belastenden Ereignisses oder Konflikts im Vordergrund, wobei unterstützende, stabilisierende und gegebenenfalls traumafokussierte therapeutische Ansätze zum Einsatz kommen können. Ziel der Behandlung ist es, alternative, bewusste Bewältigungsstrategien im Umgang mit extremer emotionaler Belastung zu entwickeln, um erneuten dissoziativen Episoden vorzubeugen. Bei wiederkehrenden Episoden oder ausgeprägter zugrunde liegender psychischer Belastung ist eine längerfristige psychotherapeutische Begleitung sinnvoll.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf des dissoziativen Stupors ist in den meisten Fällen selbstlimitierend, das heißt die akute Episode klingt in der Regel nach einigen Minuten bis Stunden von selbst oder mit unterstützender Begleitung wieder ab. Bei einmaligem Auftreten im Zusammenhang mit einem klar abgrenzbaren belastenden Ereignis ist die Prognose meist günstig, insbesondere wenn die zugrunde liegende Belastung im Anschluss angemessen verarbeitet werden kann. Bleibt die zugrunde liegende psychische Belastung jedoch unbearbeitet oder besteht eine ausgeprägte Neigung zu dissoziativen Reaktionen, kann es zu wiederkehrenden Episoden kommen. Mit gezielter psychotherapeutischer Unterstützung sowie dem Aufbau alternativer Bewältigungsstrategien ist die langfristige Prognose insgesamt günstig.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Dissoziative Störungen: Symptome, Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Ist die betroffene Person während eines dissoziativen Stupors bei Bewusstsein?
Häufig bestehen Hinweise auf einen grundsätzlich wachen Bewusstseinszustand, etwa erhaltener Muskeltonus oder Augenbewegungen, die willkürliche Reaktionsfähigkeit auf äußere Reize ist jedoch stark vermindert oder aufgehoben.
Muss immer eine körperliche Ursache ausgeschlossen werden?
Ja, der sorgfältige Ausschluss neurologischer oder anderer körperlicher Ursachen ist ein notwendiger erster Schritt, bevor die Diagnose eines dissoziativen Stupors gestellt werden kann.
Wie lange dauert eine typische Episode?
Die Dauer variiert von wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden, wobei der Zustand in den meisten Fällen selbstlimitierend ist und von selbst oder mit unterstützender Begleitung abklingt.
Erinnern sich Betroffene später an die Episode?
Häufig besteht nur eine teilweise oder gar keine Erinnerung an den Zustand selbst, während die Erinnerung an das auslösende belastende Ereignis in der Regel erhalten bleibt.
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