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Psyche & Nervensystem

Dissoziative Bewegungsstörungen

Dissoziative Bewegungsstörungen sind eine Form der dissoziativen Störungen, bei der Betroffene den teilweisen oder vollständigen Verlust der Fähigkeit erleben, einzelne Gliedmaßen oder andere Körperteile willkürlich zu bewegen, ohne dass eine ausreichende körperliche, insbesondere neurologische Ursache für diese Beeinträchtigung gefunden werden kann. Die Symptomatik kann sich in unterschiedlicher Form zeigen, etwa als Lähmung einzelner Gliedmaßen, als Gangunsicherheit, als Unfähigkeit zu stehen oder als ausgeprägtes Zittern, das nicht dem typischen Muster einer neurologischen Erkrankung entspricht. Wie bei anderen dissoziativen Störungen entwickelt sich die Symptomatik häufig im engen zeitlichen Zusammenhang mit einem erheblich belastenden Ereignis oder Konflikt und wird als unwillkürliche, unbewusste psychische Reaktion auf diese Überforderung verstanden.

Ursachen

Dissoziative Bewegungsstörungen entwickeln sich typischerweise als Reaktion auf ein erheblich belastendes Ereignis, einen unlösbar erscheinenden inneren Konflikt oder anhaltenden psychischen Stress, wobei die belastenden Gedanken und Gefühle unbewusst von der bewussten Kontrolle über bestimmte Körperfunktionen abgekoppelt werden. Dieser Mechanismus wird als eine Art psychischer Schutzreaktion verstanden, die es der betroffenen Person unbewusst ermöglicht, eine als überwältigend erlebte emotionale Belastung nicht direkt konfrontieren zu müssen. Risikofaktoren umfassen frühere belastende Lebenserfahrungen, eine ausgeprägte individuelle Neigung zu dissoziativen Reaktionen sowie einen Mangel an alternativen, bewussten Bewältigungsstrategien im Umgang mit extremer psychischer Überforderung. Häufig lässt sich ein enger zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Bewegungsstörung und einem konkreten belastenden Auslöser feststellen.

Symptome

Die Symptomatik kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und reicht von einer teilweisen Schwäche einzelner Gliedmaßen bis hin zu einer vollständigen Lähmung, die keinem typischen neurologischen Verteilungsmuster folgt. Auch Gangstörungen, ein Verlust der Fähigkeit zu stehen oder zu gehen, ausgeprägtes Zittern oder krampfartige Verkrampfungen der Muskulatur können auftreten. Charakteristisch ist, dass die Symptomatik in ihrer genauen Ausprägung von neurologischen Erkrankungen abweicht, etwa durch eine untypische Verteilung der Schwäche oder eine wechselnde Ausprägung der Symptome. Viele Betroffene zeigen im Vergleich zur objektiven Schwere der Beeinträchtigung eine auffallend gelassene emotionale Reaktion auf ihre Symptomatik, was in der Fachliteratur beschrieben, jedoch nicht bei allen Betroffenen zu beobachten ist.

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Diagnostik

Die Diagnostik erfordert zunächst eine gründliche neurologische Untersuchung sowie gegebenenfalls apparative Diagnostik, um körperliche Ursachen für die Bewegungsstörung, insbesondere neurologische Erkrankungen, sorgfältig auszuschließen. Erst wenn eine ausreichende organische Erklärung fehlt und die Symptomatik Merkmale zeigt, die nicht dem typischen Muster einer neurologischen Erkrankung entsprechen, sowie ein zeitlicher Zusammenhang mit einem belastenden Ereignis oder Problem erkennbar ist, wird die Diagnose einer dissoziativen Bewegungsstörung in Erwägung gezogen. Eine sorgfältige, einfühlsame Anamnese der belastenden Lebensumstände im Vorfeld der Symptomatik ist zentraler Bestandteil der Diagnostik, ebenso wie eine enge Zusammenarbeit zwischen Neurologie und Psychiatrie beziehungsweise Psychosomatik.

Behandlung

Die Behandlung dissoziativer Bewegungsstörungen erfolgt idealerweise interdisziplinär unter Einbeziehung von Neurologie, Psychiatrie und Physiotherapie. Eine einfühlsame, wertschätzende Vermittlung der Diagnose ist wichtig, da Betroffene ihre Symptome als real und nicht willentlich beeinflussbar erleben. Psychotherapeutische Verfahren, die auf die Bearbeitung des zugrunde liegenden belastenden Ereignisses oder Konflikts abzielen, stehen im Zentrum der Behandlung, ergänzt durch physiotherapeutische Übungen zur schrittweisen Wiedererlangung der Bewegungsfähigkeit. Ziel der Behandlung ist es, alternative, bewusste Bewältigungsstrategien im Umgang mit extremer emotionaler Belastung zu entwickeln, um eine dauerhafte Besserung zu erreichen und erneuten Episoden vorzubeugen.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf dissoziativer Bewegungsstörungen ist individuell sehr unterschiedlich: Bei einem Teil der Betroffenen bildet sich die Symptomatik innerhalb weniger Tage bis Wochen zurück, insbesondere wenn die zugrunde liegende Belastung frühzeitig erkannt und angemessen bearbeitet werden kann. Bei anderen Betroffenen kann sich die Symptomatik chronifizieren, insbesondere wenn die zugrunde liegende psychische Belastung unbearbeitet bleibt oder die Diagnose erst spät gestellt wird. Eine frühzeitige, interdisziplinäre Behandlung sowie eine einfühlsame Vermittlung der Diagnose verbessern die Prognose deutlich, und viele Betroffene erreichen mit gezielter psychotherapeutischer und physiotherapeutischer Unterstützung eine erhebliche Besserung ihrer Bewegungsfähigkeit.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Bilden sich Betroffene ihre Symptome nur ein?

Nein, die Symptomatik wird von den Betroffenen als real erlebt und ist nicht willentlich beeinflussbar, auch wenn keine körperliche Ursache gefunden wird.

Muss immer eine neurologische Untersuchung erfolgen?

Ja, der sorgfältige Ausschluss neurologischer Erkrankungen ist ein notwendiger erster Schritt, bevor die Diagnose einer dissoziativen Bewegungsstörung gestellt werden kann.

Wie unterscheidet sich die Symptomatik von einer neurologischen Lähmung?

Die Symptomatik folgt häufig nicht dem typischen Verteilungsmuster neurologischer Erkrankungen und kann in ihrer Ausprägung wechselnd oder untypisch sein.

Welche Behandlung ist am wirksamsten?

Bewährt hat sich eine interdisziplinäre Behandlung aus Psychotherapie zur Bearbeitung der zugrunde liegenden Belastung und Physiotherapie zur schrittweisen Wiedererlangung der Bewegungsfähigkeit.

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