Cauda-Equina-Syndrom
Das Cauda-Equina-Syndrom entsteht durch eine Schädigung des Nervenwurzelbündels, das unterhalb des eigentlichen Rückenmarks im unteren Wirbelkanal verläuft und wegen seiner Form nach dem lateinischen Wort für Pferdeschweif benannt ist. Diese Nervenwurzeln versorgen Blase, Darm, Beine und den Genitalbereich. Eine akute Einklemmung dieser Struktur ist ein neurochirurgischer Notfall, der innerhalb weniger Stunden behandelt werden muss, um bleibende Lähmungen und eine dauerhafte Blasen- und Darmfunktionsstörung zu verhindern.
Ursachen
Die häufigste Ursache ist ein großer, mittig gelegener Bandscheibenvorfall im unteren Rückenbereich, der die Nervenwurzeln direkt einklemmt. Weitere Ursachen sind ein Tumor im Wirbelkanal, eine Wirbelkanalverengung, eine Blutung nach einer Verletzung oder Operation, ein Abszess im Wirbelkanal sowie, selten, eine Komplikation nach einer Rückenmarksnarkose. In jedem Fall entsteht ein akuter oder rasch zunehmender Druck auf die Nervenwurzeln, der ihre Funktion gefährdet.
Symptome
Kennzeichnend sind plötzlich einsetzende oder rasch zunehmende Schmerzen im unteren Rücken, die in beide Beine ausstrahlen können, zusammen mit einem charakteristischen Taubheitsgefühl im Bereich von Gesäß, Damm und den inneren Oberschenkeln, das als Reithosenanästhesie bezeichnet wird. Hinzu kommen eine neu aufgetretene Blasenfunktionsstörung mit Harnverhalt oder unbemerktem Urinverlust, eine Darmfunktionsstörung sowie eine zunehmende Schwäche der Beine. Diese Kombination von Warnzeichen erfordert eine sofortige Notfallabklärung.
Diagnostik
Bei Verdacht auf ein Cauda-Equina-Syndrom ist eine notfallmäßige Magnetresonanztomografie der Lendenwirbelsäule notwendig, die die Ursache der Einklemmung direkt zeigt. Eine neurologische Untersuchung prüft gezielt die Sensibilität im Bereich der Reithosenanästhesie, die Muskelkraft der Beine sowie die Funktion des Schließmuskels. Eine Blasenuntersuchung zur Messung des nach dem Wasserlassen verbliebenen Restharns unterstützt die Einschätzung des Schweregrads.
Behandlung
Ein bestätigtes Cauda-Equina-Syndrom erfordert eine notfallmäßige operative Entlastung, meist innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Auftreten der Beschwerden, um die Nervenwurzeln vom Druck zu befreien. Je früher die Operation erfolgt, desto besser sind die Aussichten auf eine Erholung der betroffenen Funktionen. Bei einer zugrunde liegenden Infektion oder einem Tumor wird zusätzlich die entsprechende Grunderkrankung behandelt.
Verlauf und Prognose
Wird innerhalb der ersten Stunden bis wenigen Tagen operiert, erholt sich ein erheblicher Teil der Betroffenen zumindest teilweise, wobei Blasenfunktion und Sensibilität sich oft langsamer erholen als die Beinkraft. Eine verzögerte Behandlung erhöht das Risiko für bleibende Lähmungen, dauerhafte Blasen- und Darmfunktionsstörungen sowie Sexualfunktionsstörungen erheblich. Wegen dieser Zeitabhängigkeit gilt jede Kombination der genannten Warnzeichen als sofortiger Grund für eine Notaufnahme.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Cauda-Equina-Syndrom: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was ist eine Reithosenanästhesie?
Ein Taubheitsgefühl im Bereich von Gesäß, Damm und den inneren Oberschenkeln, benannt nach der Form eines Reitsattelbereichs, das ein charakteristisches Warnzeichen für ein Cauda-Equina-Syndrom ist.
Wie schnell muss operiert werden?
Idealerweise innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Auftreten der Beschwerden, da eine frühere Operation die Erholungsaussichten deutlich verbessert.
Kann ein normaler Bandscheibenvorfall zum Cauda-Equina-Syndrom werden?
Ja, wenn ein großer, mittig gelegener Bandscheibenvorfall die Nervenwurzeln direkt einklemmt, kann daraus dieses seltene, aber ernste Notfallbild entstehen.
Welche Warnzeichen erfordern sofortige Notaufnahme?
Neu aufgetretene Taubheit im Reithosenbereich zusammen mit Blasen- oder Darmfunktionsstörung und zunehmender Beinschwäche sollte sofort in einer Notaufnahme abgeklärt werden.
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