Ein Angebot von Personal Paramedic e.K. · DGUV-anerkannte Ausbildungsstätte (8.2018)
Psyche & Nervensystem

Atypischer Autismus

Der atypische Autismus ist eine Form des Autismus-Spektrums, die viele der charakteristischen Merkmale des frühkindlichen Autismus aufweist, sich jedoch in mindestens einem wesentlichen Kriterium von diesem unterscheidet: Entweder liegt der Beginn der Auffälligkeiten erst nach dem dritten Lebensjahr, oder es sind nicht alle drei klassischen Kernbereiche des Autismus, also soziale Interaktion, Kommunikation und eingeschränkte, sich wiederholende Verhaltensweisen, in vollem Umfang betroffen. Trotz dieser abweichenden Kriterienerfüllung handelt es sich um eine klinisch ernstzunehmende Störung mit deutlichem Unterstützungsbedarf, die ebenso wie der frühkindliche Autismus eine sorgfältige Diagnostik und individuell angepasste Förderung erfordert. Der atypische Autismus tritt insbesondere bei Kindern mit einer zusätzlichen ausgeprägten Intelligenzminderung sowie bei Kindern mit einer schweren umschriebenen Entwicklungsstörung des Sprechens auf.

Ursachen

Die Ursachen des atypischen Autismus entsprechen weitgehend denen des frühkindlichen Autismus und werden als komplexes Zusammenspiel genetischer und neurobiologischer Faktoren verstanden. Eine familiäre Häufung von Autismus-Spektrum-Störungen sowie zahlreiche identifizierte genetische Varianten weisen auf eine bedeutsame erbliche Komponente hin. Neurobiologisch werden Besonderheiten in der frühen Hirnentwicklung angenommen, die die Verarbeitung sozialer, sprachlicher und sensorischer Reize beeinflussen. Bei der atypischen Form wird zusätzlich angenommen, dass individuelle Unterschiede im Entwicklungsverlauf, etwa eine begleitende ausgeprägte Intelligenzminderung oder eine zusätzliche schwere Sprachentwicklungsstörung, dazu beitragen können, dass das Erscheinungsbild vom klassischen, vollständigen Bild des frühkindlichen Autismus abweicht, obwohl eine vergleichbare zugrunde liegende neurobiologische Störung besteht.

Symptome

Betroffene Kinder zeigen wesentliche Merkmale des Autismus-Spektrums wie Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, etwa im Blickkontakt und im Verständnis sozialer Signale, sowie Auffälligkeiten in der Kommunikation und eingeschränkte, sich wiederholende Verhaltensweisen und Interessen. Im Unterschied zum frühkindlichen Autismus können jedoch entweder nicht alle drei Kernbereiche gleichermaßen ausgeprägt betroffen sein, etwa wenn die sozialen und kommunikativen Auffälligkeiten im Vordergrund stehen, während stereotype Verhaltensweisen weniger ausgeprägt sind, oder die charakteristischen Auffälligkeiten treten erst nach dem dritten Lebensjahr deutlich in Erscheinung. Häufig bestehen zusätzlich eine ausgeprägte Intelligenzminderung oder schwere sprachliche Beeinträchtigungen, die das Gesamtbild zusätzlich prägen.

Anzeige

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt durch eine umfassende, spezialisierte Entwicklungsdiagnostik, die interdisziplinär unter Einbeziehung von Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychologie sowie gegebenenfalls Logopädie und Ergotherapie durchgeführt wird. Zentrale Bausteine sind die ausführliche Erhebung der Entwicklungsgeschichte, strukturierte Verhaltensbeobachtungen sowie standardisierte diagnostische Verfahren zur Erfassung von Auffälligkeiten in sozialer Interaktion, Kommunikation und Verhalten. Die Diagnose eines atypischen Autismus wird gestellt, wenn wesentliche Merkmale des Autismus-Spektrums vorliegen, jedoch entweder der Beginn nach dem dritten Lebensjahr liegt oder nicht alle drei Kernbereiche in vollem Umfang erfüllt sind, wobei die Gesamtbeeinträchtigung dennoch klinisch bedeutsam ist. Die sorgfältige Einschätzung des kognitiven Entwicklungsstands ist wichtiger Bestandteil der Diagnostik.

Behandlung

Die Behandlung des atypischen Autismus erfolgt in erster Linie durch strukturierte, individuell angepasste Förder- und Therapieprogramme, die auf die Stärkung sozialer und kommunikativer Fähigkeiten sowie den Umgang mit stereotypen Verhaltensweisen abzielen, analog zur Behandlung des frühkindlichen Autismus. Bewährt haben sich verhaltenstherapeutisch fundierte Frühinterventionsprogramme, die möglichst früh beginnen und Eltern aktiv einbeziehen, sowie ergänzende logopädische und ergotherapeutische Angebote. Da bei atypischem Autismus häufig eine begleitende Intelligenzminderung oder schwere Sprachentwicklungsstörung besteht, ist eine besonders individuell angepasste, auf die jeweiligen kognitiven und sprachlichen Möglichkeiten des Kindes abgestimmte Förderung von großer Bedeutung. Eine enge, kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Familie, therapeutischen Fachkräften und Fördereinrichtungen ist für den Förderungserfolg entscheidend.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf des atypischen Autismus ist sehr individuell und hängt maßgeblich vom Schweregrad der Ausprägung, dem Vorliegen und Ausmaß einer begleitenden Intelligenzminderung oder Sprachentwicklungsstörung sowie dem Zeitpunkt und der Qualität der Förderung ab. Es handelt sich um eine lebenslang bestehende Grundveranlagung, deren Auswirkungen sich jedoch durch frühzeitige und konsequente Förderung deutlich abmildern lassen. Aufgrund der häufig begleitenden zusätzlichen Beeinträchtigungen kann der Unterstützungsbedarf bei atypischem Autismus im Durchschnitt höher ausfallen als bei Kindern mit frühkindlichem Autismus ohne solche Begleitstörungen. Je früher eine gezielte, individuell angepasste Förderung einsetzt, desto günstiger sind insgesamt die langfristigen Entwicklungschancen der betroffenen Kinder.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Anzeige
FAQ

Häufige Fragen

Worin unterscheidet sich der atypische vom frühkindlichen Autismus?

Beim atypischen Autismus liegt entweder der Beginn der Auffälligkeiten nach dem dritten Lebensjahr, oder es sind nicht alle drei Kernbereiche des Autismus-Spektrums in vollem Umfang betroffen, während beim frühkindlichen Autismus alle Kriterien vollständig erfüllt sind.

Warum besteht bei atypischem Autismus häufig eine zusätzliche Intelligenzminderung?

Der atypische Autismus tritt besonders häufig bei Kindern mit einer begleitenden ausgeprägten Intelligenzminderung oder schweren Sprachentwicklungsstörung auf, die das Erscheinungsbild vom klassischen Bild abweichen lassen.

Ist die Behandlung anders als beim frühkindlichen Autismus?

Die grundlegenden Behandlungsprinzipien sind ähnlich, die Förderung muss jedoch besonders individuell an begleitende Beeinträchtigungen wie eine Intelligenzminderung oder Sprachentwicklungsstörung angepasst werden.

Ist eine frühe Diagnose auch bei späterem Symptombeginn möglich?

Ja, auch wenn die Auffälligkeiten erst nach dem dritten Lebensjahr deutlich werden, ist eine zeitnahe, sorgfältige Diagnostik wichtig, um frühzeitig eine geeignete Förderung einzuleiten.

Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen

Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.

Kurs finden Inhouse anfragen